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Rondra

Ein Labradorblog

Bornholm — ein Fazit

Warum Bornholm eine Reise wert ist

Ich muß an Bornholm erst mal die beiden Dinge loben, die jeder lobt:
Die Landschaft und das Wetter.

Bornholm ist der Teil Dänemarks mit den meisten Sonnenstunden. Es hat ein Mikroklima und funktioniert daher etwas anders als die Festlandsteile, von denen es umgeben ist: Oft hatten wir beobachtet, daß sich der Himmel rings um die Insel zuzog, und wir vermuteten, daß es gerade irgendwo in der Nähe regnen mußte und der Regen sicher noch zu uns käme.

Doch nur zweimal hatten wir tatsächlich Regen: Einmal mußten wir wegen des Wetters unseren Ausflug um zwei Stunden verschieben, und einmal regnete es den halben Vormittag.

Für Anfang/ Mitte Juni ist das meiner Meinung nach vernachlässigbar, so daß ich die sprichwörtliche Bornholmer Schönwettergarantie nun aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

Ebenfalls beeindruckend an Bornholm war die vielgerühmte abwechslungsreiche Landschaft: Wälder, Strände, Klippen, Moore, und das alles auf der kleinen Fläche von etwa 30 Kilometern im Karree. Ich hoffe, man kann davon ein bißchen an meinen Bildern erkennen.

Für mich als Binnendeutschländerin und Nordseeurlauberin war vor allem der schnelle Wechsel von Wald und Dünen sehr irritierend, hatte ich doch bisher die Verknüpfung:

Wald = Zu Hause (und damit weit weg vom Meer);
Dünen und Meer = Urlaub (also weit weg von zu Hause).

Beides zusammen gab es bisher in meinem Kopf nicht. Und so rieb ich mir auf Bornholm jedes Mal verwundert die Augen, wenn ich aus dem Wald trat und auf das Meer blicken konnte.

Doch genau wegen dieser Dinge kommt Bornholm als Reiseziel für mich nicht mehr in Frage.

Die Bornholmer Puppenstube

Sachte, liebe Leute, hört auf mit den “Wie bitte?!”-Rufen!

Ich will ja gern erklären, warum man der es alten Nörgeltrine selbst mit einem perfekten Inselchen nicht recht machen kann.

Dochdoch, es war ja wirklich wunderschön auf Bornholm.

Aber so viel Sonne, diese unwirklich abwechslungsreichen gepflegt-aber-doch-wilden Naturwege, dazu die putzigen Städtchen und Dörfchen…

Ich kam mir vor wie in einer überdimensionalen Puppenstube, wie inmitten einer künstlichen Modelleisenbahn-Landschaft.

Daher machte sich bei mir im Lauf der Woche ein gewisser Harmonie-Überdruß breit. Das ging sogar soweit, daß ich laut feixte und zur Kamera griff, als ich in Rønne dies hier sah:

Ein Nachtclub in Rönne

Der Rote Baron, ein Nachtclub in Rønne…
Ich meine, hey, ein Nachtclub! Auf Bornholm!!!
Ein Nachtclub in der Puppenstube!

Das ist in etwa so surreal wie Barbie in den Wechseljahren.

Und wie hätte Madame es gerne?

Puh, liebes Bornholm, ich klinge undankbar. Daher sollte ich vielleicht noch hinterherschieben, daß ich ein klassischer Nordseeurlauber bin: Wenn die Gezeiten toben, wenn es mindestens einmal richtiges Schietwetter gibt, wenn mir der rauhe Wind den Sand ins Gesicht pustet,wenn meine Schuhe im Schlick quabbern und die Natur mir zeigt, welche Kraft sie hat — dann schimpfe ich wie ein Rohrspatz.

Doch sobald die Klamotten halbwegs trocken und die Füße wieder warm sind, leuchten mir die Augen und ich denke mir: “Woah, wiiiieeee toll!”

Der vorletzte Urlaub an der dänischen Westküste bei Løkken, wo die Menschen beständig dagegen kämpfen, daß ihnen das Meer und der Wind das Land wegnehmen (zu Teil 2 und Teil 3 des Reiseberichts) — das hat mich beeindruckt.

Bornholm hat mich entspannt.

Es ist ja nicht so, daß ein paar ruhige, sonnige Tage nichts wert wären. Doch im Nachhinein merke ich, daß mir das allein zum rundum gelungenen Urlaub nicht reicht und daß ich allein für so ein Entspannungs-Erlebnis nicht Geld, Zeit und Energie investieren möchte.

Ich bin eben ein Nordseemensch, und die wollen anscheinend nicht nur kuscheln, sondern brauchen es etwas härter und wilder… *hüstel*.

Nach dieser Woche auf Bornholm bin jedenfalls um so mehr heiß auf den ursprünglich geplanten Schwedenurlaub am See, weil ich glaube, daß der viel mehr dem entspricht, wie ich Urlaub machen möchte.

Und wenn 2009 die Zeitplanung, das Reisebudget und der Tollwuttiter stimmen, könnt ihr nächstes Jahr um diese Zeit wohl Berichte von selbstgeangelten Fischen und von den größten nautischen Abenteuern seit Anbeginn der christlichen Seefahrt lesen…

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