Agility — der erste Termin mit Rondra
Vorletzten Montag ging es los: Meine erste Agilitystunde mit Hund!
Rondra war mächtig hibbelig, was vermutlich daran lag, daß sie das Gelände noch von der Welpen- und Junghundegruppe kannte und nur in bester Erinnerung hat. Zudem ist der Weg durch den Park zum Platz erheblich von Hunden frequentiert. Die Hunde, die uns vom vorher stattfindenden Kurs entgegenkamen bzw. zum parallel stattfindenden Erziehungskurs ankamen, trugen auch nicht gerade zu Rondras Entspannung bei.
In diesem Training gibt es aber eine Geheimwaffe, die bei Rondra bahnbrechende Erfolge erzielt:
Frauchen hat Käsewürfel in der Tasche!
So kam es auch, daß ich Rondra im Freispiel vor dem Training problemlos abrufen konnte bzw. meist gar nicht abrufen mußte, weil sie sowieso an meiner Tasche klebte. Ich war ganz froh, daß ich mich vorher nicht so weit aus dem Fenster gelehnt hatte mit der Aussage, ich hätte den einzigen nicht verfressenen Labrador…
Nach dem Freispiel wechselten wir auf den Agilityplatz, der vom vorherigen Kurs bereits mit Geräten bestückt war: Zahlreiche Hürden und die Mauer zum Drüberspringen, der Tunnel, der Tisch, der Reifen zum Durchspringen, der Slalom sowie die Wippe und die A-Wand zum Hoch- und Runterlaufen mit den gefürchteten Kontaktzonen am Anfang und am Ende (die der Hund berühren muß — Drüberhüpfen gültet hier nicht!)…
Hab ich was vergessen?
Sicher…
Zuerst durften die Hunde mit uns jedes Gerät in Augenschein nehmen. Dann ging es auch schon los mit der ersten Herausforderung: Eine Hürde nehmen.
Hier zeigte sich schon mal ein Grundproblem, das mich als leidenschaftliche Grobmotorikerin mit einer Minderbegabung in Körperkoordination wohl durch den ganzen Kurs begleiten wird… *seufz*
Der Hund wird vor der Hürde abgesetzt. Dann läuft man mit dem Hund los, zeigt in die Mitte der Hürde und gibt das Kommando “Hopp!”, woraufhin der Hund über die Hürde springt. Dann belobigt man seinen Hund wie doll und leint ihn an oder es geht weiter zur nächsten Übung.
Soweit die Theorie.
Blöd nur, das der Hinderniskonstrukteur den seitlichen Aufbau der Hürde etwas sehr in die Breite gezogen hat. Man kann also nicht neben der Hürde stehen, um dem Hund von dort lässig die Mitte der Hürde anzuzeigen (Ich kam mir in etwa so vor wie Bernd, das Brot: “Ich würde ja gerne. Aber meine Arme sind zu kurz.”).
Anzeigen sollte man die Hürde anfangs aber, um ein Umlaufen zu verhindern.
Daher steht man idealerweise mit dem Innenbein möglichst nahe an der Hürde, hat das andere Bein an der Außenkante der Hürde, zeigt dem Hund die Mitte an, verlagert im Moment des Sprungs das Körpergewicht wieder auf das Außenbein und geht mit einem weitgreifenden Schritt elegant an der Hürde vorbei.
Dreimal dürft ihr raten, wer auf die Hürde zugeht, anschließend das falsche Bein innen stehen hat und mit hochgradig unelegantem Gehopse um die Hürde herum seinen bereits klug vorausgeeilten Hund komplett verwirrt…
Ein ähnliches Chaos wird ausgelöst, wenn ich den Hund auf der rechten Seite führe. Das ist im Agility manchmal nötig, und dazu gibt es statt dem Kommando “Fuß!” das Kommando “Hand!” .
(Fragt mich nicht, warum ausgerechnet “Hand!” — Der Befehl “Rechts!” ist durch das Kommando für den Richtungswechsel nach rechts schon belegt, und was Sinnigeres fällt mir auch nicht ein.
Eigentlich ist das Wort ja auch egal, man könnte auch “Blumenkohl!” sagen. Aber so wie ich mich kenne, vergesse ich das wieder und sag dann “Broccoli!” oder “Linsensuppe!”.)
Ich bin schwer daran gewöhnt, meinen Hund links zu führen. Das geht so weit, daß ich in an Ampeln und Straßenkreuzungen immer mit dem linken Fuß loslaufe (Signal für den Hund zum Mitkommen — Würde ich mit rechts loslaufen, soll sie sitzenbleiben.). Das mache ich auch, wenn ich den Hund nicht dabei habe.
Und aufgrund dieser Gewöhnung, gepaart mit grandioser Körperkoordination, endet das Rechtsführen des Hundes zuverlässig im Chaos:
Erster Schritt:
Kommando “Hand!”, Hund mit Leckerlie nach rechts gelockt.
Hund läuft rechts, aber sehr ungläubig und nur durch das Leckerlie gezogen.
Gedanke bei mir: “Moment, ich führe rechts, dann müßte ich das Leckerlie doch besser auch in der rechten Hand…? Ist doch besser als es vor dem Körper zu ihr rüberzuhalten, oder? Wo halte ich das Leckerlie denn, wenn ich links führe?”
Die ganze Parade gerät ins Stocken, Hund ist mittlerweile komplett verunsichert und zieht sich von alleine auf die linke Seite zurück: “Ich weiß nicht, was mit Frauchen ist. Aber irgendwie macht das auf dieser Seite mehr Spaß…!”
Zweiter Schritt:
Inzwischen weiß ich, daß ich das Leckerlie auch rechts führen sollte, wenn ich Rondra rechts habe.
Also, Leckerlie rechts, Hund damit an die rechte Seite geführt.
Hund läuft am Leckerlie entlang, immer fleißig von meinem “Hand! — Feiiiiin!” begleitet.
Ganz geheuer ist ihr das noch nicht, aber “Feiiiin!” und Leckerlie bestätigen sie.
Dritter Schritt:
Selbständig nimmt Rondra noch nicht die rechte Seite ein, wenn das Kommando “Hand!” kommt. Aber wenn sie dort läuft, tut sie das ganz passabel und inzwischen auch recht sicher. Auch für mich fühlt sich das nicht mehr so fremd an.
Dann könnte man ja auch mal weitere Kommandos geben. Ein “Sitz!” wäre für den Anfang doch ganz gut.
Vierter Schritt:
Hund läuft “Hand!”, Frauchen gibt das Kommando “Sitz!”, tut dies aber mit der gewohnten linken Hand.
Hund läuft arbeitseifrig vor das Frauchen, um die ihm abgewandte Kommandohand zu sehen.
Frauchen bemerkt das nicht und stolpert derweil über den Hund.
Hund kann den Tritt gar nicht verstehen — schließlich wollte sie ja nur das Kommando sehen und befolgen.
Ergebnis:
Ein brummeliges Frauchen, das sich über sich selbst ärgert.
Und ein verwirrter Hund, der nicht weiß, was er falsch gemacht hat.
Ich bin echt zu blöd für sowas, das habe ich im Sportunterricht bei Tanzübungen schon gemerkt. Gern schiebe ich es darauf, daß ich umtrainierter Linkshänder bin, aber das nützt ja auch nichts. Irgendwie müssen wir damit klarkommen.
Immerhin haben wir es zu unserem ersten Kursabend schon geschafft, jeden Hund über/ durch jedes Hindernis zu führen (bis auf den Slalom, der kommt später). Und am Ende konnten wir sogar schon einen kleinen Parcours mit all diesen Hindernissen laufen. Das sah zwar sicher nicht sehr erhebend aus, was vor allem daran lag, daß wir den Hunden noch viele Hilfen geben und sie daher noch recht nahe führen — was zwangsläufig auch bedeutet, das ich meinem wuseligen Hund in meiner gewohnt linkischen und steifbeinigen Art durch den Parcours hinterherhetzen muß.
Sicher nix für’s Auge — Aber hey, wir haben es geschafft!
Ich muß unbedingt noch mehr über die anderen Hindernisse und vor allem über die anderen Hunde schreiben. Aber ich hab das derzeit nicht mehr so präsent, was vor allem daran liegt, daß am Montag der Kurs ausgefallen ist — leider war durch den Dauerregen der vorletzten Woche der Platz gnadenlos abgesoffen.
Aber übermorgen dürfen wir wieder.
Und ich freu mich schon!