Alleinebleiben trainieren
Ich geb es ganz ehrlich zu: Das ist der Punkt in der Hundeerziehung, der mir bisher am schwersten fällt. Natürlich ist das alles wichtig und gut, immerhin soll Rondra bei mir auf der Arbeit auch mal 1-2 Stunden alleine im Büro bleiben, ohne durchzudrehen.
Dennoch: Rondra ist so lieb und knuffig, daß ich am liebsten die ganze Zeit bei ihr wäre. Jetzt, im Urlaub, kann ich es ja auch sein. Übungen zum Alleinebleiben kommen mir daher wie Zeitverschwendung vor, und so habe ich bisher die Finger davon gelassen. Lediglich wenn sie schläft, gehe ich in ein anderes Zimmer oder auch mal in den Keller. Doch auch da standen die Türen auf, so daß sie uns hören und uns zur Not auch folgen konnte.
Bisher. Heute kam mir nämlich der Zufall zu Hilfe.
Die Aufgabe lautete:
“Wischen und wachsen Sie Flur, Küche und Wohnzimmer. Neben dem üblichen Reinigungsmaterial steht Ihnen noch ein 10 Wochen alter Welpe zur Verfügung. Aber keine zweite Person. Viel Glück!”
Küche war noch einfach: Rondra pennte im Bad. Und blieb dort auch.
Küche gewischt, Küchentür zu, fertig ist die Laube.
Bei der Hälfte des Wohnzimmers kam sie dann an. Tapert sie mir jetzt durch die Wachsemulsion, kann ich wieder von vorne anfangen. Außerdem schielte sie sehr begehrlich in Richtung meines Wischers und des Eimers.
Nun fällt mir zwar nicht so viel ein, welchen Unfug man mit einem Eimer und einem Wischer machen könnte. Aber erfahrungsgemäß ist ein Welpe bei so etwas deutlich kreativer. Also in heller Not irgendein Spielzeug geschnappt, Hund aus dem Raum gelotst und mit Spielzeug abgelenkt. Zurück ins Wohnzimmer und Tür zu.
Ein paar leise Winsler habe ich gehört, dann war Ruhe. Zum Glück auch kein “Ich zerleg jetzt aus Frust die Wohnung”-Lärm. Als ich fertig gewischt hatte, versicherte ich mich nochmal, daß alles ruhig war, öffnete die Tür und suchte Rondra.
Perfekt: Sie lag ganz entspannt im Bad und zauselte an ihrem Spielzeug. Ich mußte mich wirklich zusammennehmen, um ganz gelassen an ihr vorbeizugehen, als wäre nichts gewesen. Insgeheim freute ich mir nämlich ein Loch ins Knie!
Beim Wischen des Flurs wurde Rondra dann nicht aus- sondern eingesperrt: Hund noch immer mit Spielzeug im Bad — Tür zu.
Diesmal gab es gar kein Geräusch. Möglicherweise ist das auch damit zu erklären, daß Rondra beim Spielen eingeschlafen ist, wie ich beim Öffnen der Badtüre festgestellt habe…
Fazit:
Übungen zum Alleinbleiben gehen schon sehr gut. Allerdings nehmen sie mich deutlich mehr mit als den Hund. Der verschläft nämlich seine sensationellen Lernerfolge relativ ungerührt.
Deine Begeisterung drob deines Tiers ist sagenhaft ansteckend!
Dankeschön! Ich ärgere mich auch maßlos, daß mir vorher niemand gesagt hat, wie schön das Leben mit einem Hund ist: Dreißig verschwendete Jahre… *seufz*
Ich schrub ja bereits, daß es etwas schwierig mit dem Alleinebleiben ist. Doch es nützt alles nix: Am Montag geht die Arbeit los, und der Hund muß mit. Gerne auch, ohne die Büroeinrichtung zu zerlegen, und daher im Kennel. …