Bein kaputt
Es scheint, als hätten wir momentan eine Serie erwischt: Habe ich vor wenigen Wochen erst noch Rondras sehr lang anhaltenden guten Geruch nach der Läufigkeit beim Tierarzt abklären lassen (alles im grünen Bereich) und später den unsäglichen Tollwut-Titer für Schweden bestimmen lassen, so waren wir am Donnerstag schon wieder beim Tierarzt.
Rondra hatte am Montag abend angefangen zu humpeln. Für mich nicht nachvollziehbar, denn beim Agility war sie noch putzmunter. Aber wer weiß, was sich der Hund so alles verlegt, wenn er nach dem Training erst ins Koma und dann in absurde Stellungen fällt.
Am Dienstag morgen humpelte sie noch immer, zeitweise ließ sie sich sogar von uns die drei Stufen im Flur heruntertragen. Es kristallisierte sich nun auch der linke Vorderlauf als Auslöser heraus. Doch für uns war nichts feststellbar, keine Splitter oder Dornen im Fuß, und am ganzen Bein keine geschwollenen oder außergewöhnlich warmen Stellen.
Nun ja, ein Tag Humpeln… Das reicht mir noch nicht, um zum Tierarzt zu fahren, also weiter beobachten. Rondra war sehr ruhig und anhänglich, überhaupt nicht bewegungsfreudig, was mir zugegebenermaßen gelegen kam: Draußen tobte der Sturm, und ich war auch von einer Erkältung leicht angeschlagen.
Doch am Mittwoch abend humpelte sie noch immer, der Sturm war vorbei, und Rondra konnte inzwischen dank Clickern drei Spielzeuge zuverlässig anhand des Namens unterscheiden. Zeit, um der Sache ein Ende zu bereiten, und so ging es Donnerstag abend zum Tierarzt.
Rondra war dort wie immer: Vollgas, “Hallo Doc!”, weiter Vollgas, “Hallo Tierarzthelferin!”, noch mehr Vollgas, “Wo sind die Leckerlies?!”
Grundsätzlich bin ich ja für artgerechte Auslastung von Hunden. Aber ein Tierarztbesuch ersetzt bei Rondra wirklich einen zweistündigen Spaziergang!
Ich versuchte dem Tierarzt in dem ganzen Trubel begreiflich zu machen, daß dieser schwarze Wirbelwind, der gerade durch seine Praxis tobt, ganz furchtbar am Vorderlauf hinkt. Netterweise sah er mich nicht an wie einen Hypochonder (Gibt es das eigentlich: projizierte Hypochondrie?), sondern meinte nur in seiner ruhigen, trockenen Art:
“Sie ist jetzt ganz aufgedreht. Adrenalin hat auch schmerzunterdrückende Wirkung. Das sieht man hier ganz gut.”
Trotz alledem hat er es geschafft, eine Diagnose zu stellen (Hey, dieser Mann ist genial!): Eine Entzündung im linken Schultergelenk.
Bedeutet für uns: Entzündungshemmer geben, normale Belastung, solange keine Beeinträchtigung sichtbar wird. Training für Begleithundeprüfung ja, aber Agility wird am Montag ausfallen.
Inzwischen wirken die Medikamente, Rondra hat die Schwermütigkeit des Krankenstandes abgelegt, läuft wieder rund und trägt aktiv zu ihrer Genesung bei: “Schwimmen ist gut bei Gelenkschmerzen!” dachte sie heute wohl und sprang in die Aa, schnurstracks den Enten hinterherschwimmend.
Ob mit gesundem Bein oder mit Hinkefuß: Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis der Hund begreift, daß der Apport erst NACH dem Schuß kommt.
Gute Besserung für das schwarze Hundemädchen
von mir auch gute besserung…
Danke ihr beiden — aber inzwischen ist Rondra wieder auf dem Damm und sinnt nach neuen Schandtaten. Sehr zur Freude ihrer Besitzerin… *grummel*.