Bruno zu Besuch
Trotz Rondras Handicap hatten wir beschlossen, den geplanten Besuch von Bruno und seinem Frauchen heute stattfinden zu lassen. Zum einen wäre es sonst terminlich schwierig geworden (Bruno soll ja schon in zwei Wochen übers Wochenende zu uns kommen). Und wenn es zu wild geworden wäre, hätten wir die beiden ja trennen können.
Außerdem habe ich nach wie vor ein schlechtes Gewissen, meine hinkende Göttin zu wenig auszulasten. Da kommt eine Hundebegegnung gerade recht.
Kurz bevor Bruno kam, malte ich mir aus, wie das alles sein würde. Dabei fiel mir auf, daß Rondra noch nie Hundebesuch im eigenen Territorium hatte. Sicher, Rüdiger war schon mal im Garten. Aber im Haus war nie ein anderer Hund.
Falls ich jemals Bedenken hatte, waren die bereits binnen der ersten Minuten wie weggeblasen.
Rondra freute sich schier den Hintern ab über Bruno (wie sie das Hüpfen auf drei Beinen plus Schwanzwedeln überhaupt motorisch geschafft hat, ist mir ein Rätsel!). Sie wollte Lefzen lecken, schnuppern und spielen. Bruno, der gelassene, weise Herr, ist anscheinend Kummer gewöhnt und ließ alles stoisch über sich ergehen.
Ich glaube, er freute sich insgeheim über die Abwechslung. Mit dem von Rondra dargebotenen Kauseil und der damit einhergehenden Spielaufforderung konnte er allerdings nichts anfangen. Kein Wunder — bei seiner Geschichte ist ihm Spielen in dieser Art vermutlich fremd. Rondra war davon höchst irritiert, gab schließlich auf und legte sich unter den Tisch, als wir Kaffee tranken.
“Territorialverhalten” ist ein Wort, das in Rondras Wortschatz offensichtlich gar nicht vorkommt: Bruno lief durch die Wohnung, beguckte sich alles und legte sich dann auf dem Teppich vor dem Kühlschrank ab. Eigentlich Rondras Platz, aber die blieb ganz ruhig unter dem Tisch liegen und ging erst einige Minuten später zu Bruno, um mit Lefzengelecke ihrer Freude Ausdruck zu verleihen.
Gleich aufgefallen an Bruno war mir, daß er abgenommen hat. Sein Frauchen sagt, er war erst ein eher zögerlicher Fresser, nimmt nun aber auch Nachschlag. Ob die ungewohnte Bewegung daran schuld ist, daß er jetzt so eine schicke Figur hat, weiß man nicht. Aber gut sieht er aus!
Nachdem dieser erste Test im Haus mit solcher Bravour absolviert war, daß wir alle nur so staunten, wollten wir auch noch eine Runde laufen gehen. Eine kleine Runde, nur ums Haus, da konnte auch Rondra mit.
Absolut irritierend für mich: Brunos heiseres Bellen, als wir alle aufbrachen, das durch nichts zu stoppen war. Anscheinend ist es seine Art, auf Aufregung um sich herum zu reagieren, und es legte sich erst, als wir uns in Bewegung setzten und er damit seinen Stress abbauen konnte.
WP 2. September 2007 « Bruno zu Besuch …