Brunos Besuch
Keine Angst, Rondra wurde nicht von Bruno gefressen, als er hier war. Eher hat uns der Alltag mit seinen unauffälligen, aber fiesen Zähnen verschlungen… Egal, das ist keine Ausrede dafür, euch den Bericht von Brunos Besuch vorzuenthalten!
Brunos Besuch war von großen Zweifeln seines Frauchens überschattet, ob das denn überhaupt ginge. In der Zwischenzeit gab es nämlich einen Beißunfall, bei dem Bruno einen kleineren Rüden angegriffen hat. Vielleicht schreibe ich da später noch etwas dazu.
Nur so viel: Ich kannte inzwischen sowohl die Umstände des Vorfalls als auch den anderen Rüden. Und für mich gab es keinen Anlaß, daran zu zweifeln, daß sich Rondra und Bruno so verstehen würden wie bei Brunos Testbesuch. Also sagte ich zu.
Bruno kam mit seinem Frauchen am frühen Freitag vormittag bei uns an. Nach einer ausführlichen Gassirunde, bei der wir beide Hunde sicherheitshalber an der Leine ließen (Boah, Leinenmonster vor dem Herrn! Alle beide!) tranken wir noch Kaffee und aßen Kuchen.
Die Hunde verhielten sich wie bei Brunos Testbesuch: Bruno nach kurzer Aufregung extrem cool und gelassen, und Rondra komplett aus dem Häuschen (“Ui, ein Hund! Hier, in meinem Haus! Wie geil! Ich geh gleich nochmal gucken, ob der noch da ist! Und ich muß Lefzen lecken! Und spielauffordern! Und schnuppern! Und…”).
Dann erhielt ich noch meine letzten Instruktionen nebst einem Bündel Telephonnummern für alle Fälle — und dann war Bruno auf sich gestellt.
Nach einer kurzen Zeit, die er schnüffelnd an der Türe verbrachte, fügte er sich in sein Schicksal. Blieb ihm ja auch nichts anderes übrig, schließlich war schon wieder Abendessenzeit.
Dafür hatte ich leider überhaupt keinen Plan, denn aus unerfindlichen Gründen hatte ich vergessen, die Dosierung von Brunos Trockenfutter zu erfragen. Mann, was bin ich für ein schlechter Hundesitter! Nachdem ich das herausbekommen hatte, habe ich gleich wieder gepennt. Denn ich hatte kein Konzept für die Fütterung von zwei Hunden!
Im Angesicht von Rondras vorbereiteter Mahlzeit aus Rindermuskelfleisch, Gemüse und Öl verweigerte Bruno sein Trockenfutter komplett. Und Rondra drehte schier durch, als das Trockenfutter in den Napf rollte. So muß es sein, wenn ein biologisch-dynamisch ernährtes Kind eine Schüssel Kartoffelchips sieht!
Am ersten Abend wurde ich also von den Ereignissen überrollt, und es gab einen ungeplanten Futtertausch. Was soll es — Bruno hat angeblich auch schon mal rohes Fleisch gefressen und es gut vertragen. Und was Rondra angeht, mache ich aus der Barferei auch keine Religion.
Bei einer abendlichen Gassirunde zu viert (Dachte ich jemals ernsthaft, ich könnte zwei Hunde gleichzeitig führen, wenn einer davon Rondra heißt?) hat Bruno erst mal die ganze Nachbarschaft durchmarkiert und ich merkte, daß ich dieses Rüdengetue gar nicht gut haben kann. Aber ansonsten lief er für seine Verhältnisse ganz fein und hat sich nur angesichts eines kleineren Hundes, der uns entgegenkam, wieder aufgebaut und sein typisches, heiseres Stressbellen gezeigt.
Rondra freute sich die ganze Zeit wie bekloppt über Brunos Anwesenheit, und ab und zu mußte ich sie von ihm fernhalten, da sie ihn für meinen Geschmack schon sehr bedrängte. Daß er sofort ihr Körbchen in Beschlag nahm und seine Decke ignorierte, nahm sie gelassen hin. Dafür durfte sie zu mir aufs Sofa, ätsch!
Gepennt hat er nachts auch in diesem Körbchen, er hat nicht mal einen Versuch gemacht, ins Schlafzimmer zu gehen. Aber das ist er auch von seinem Zuhause so gewohnt.
Am nächsten Morgen war mal wieder Zeit für eine “Zwangstrennung” bei Rondra. Bruno würde morgens sehr gut zu mir passen, denn er läßt es eher ruhig angehen: “Oh, wo bin ich? Wer ist da denn… guck ich doch mal… tapp… tapp… Vielleicht leg ich mich aber auch erst nochmal hin… Die sind auch noch ganz ruhig, das paßt… Gucken kann ich auch später noch…”
Rondra hingegen wachte auf und es war so, als hätte sie Bruno zum ersten Mal in ihrem Leben gesehen: “Ein anderer Hund!!! Woah! Und das hier! Ich will da hin! Ohren schlabbern! Spielauffordern! Vorderpfoten aufs Bett und Frauchen und Herrchen erzählen, wie ich mich freue! Nein, geht nicht, denn ich muß ja zum anderen Hund! Hatte ich dem schon die Ohren geschlabbert? Bin ich eigentlich schon fünfmal wie blöde um den rumgerannt? Ja? Egal, dann mach ich das nochmal!”
Ganz ehrlich? An Brunos Stelle hätte ich ihr eine gelangt! Doch es war weniger die Sorge um meinen Hund, sondern vielmehr tiefstes Verständnis für Bruno, das mich dazu veranlaßte, Rondra aus dem Raum zu verbannen und Bruno in Ruhe wach werden zu lassen!
Anschließend wurde getrennt hinter verschlossenen Türen gefüttert. Bruno nahm sein Fressen nur eingeweicht und mit einer Spur Rapsöl verfeinert. Aber immerhin… Und Rondra leckte Brunos leeren Napf hingebungsvoll aus.
Nach der Morgengassirunde zu viert verzog ich mich, um mir eine Begleithundeprüfung mal in live anzusehen. Schließlich ist das auch noch ein Ziel von Rondra und mir. Angepeilt wurde von der Trainingsgruppe dafür das Frühjahr 2008. Wenn ich mir Rondras Leinenführigkeit so ansehe, dann tendiere ich eher zum Herbst. Über das Jahr bin ich mir allerdings noch unschlüssig…
Frank überließ ich in dieser Zeit erstens seinem Schicksal und zweitens der Obhut zweier Hunde. Das klappte prima, denn die ließen sich neben ihm im Arbeitszimmer nieder. Die schlechte Bildqualität bitte ich zu entschuldigen, denn es ist Arbeitszimmer = Monitor = Sonnenlicht doof:
Außerdem hätte ich da noch ein seltenes Bild, wo Bruno tatsächlich mal auf “seiner” Decke liegt. Das muß gewesen sein, bevor er Rondras Körbchen entdeckt hat!
Nein, wir haben den Hund nicht gequält — der guckt immer so, als trüge er das Leiden der ganzen Welt auf seinen Schultern!
Was gibt es sonst noch zu berichten? Nicht sehr viel..
Einmal ging Bruno mit den Vorderpfoten auf die Küchenarbeitsplatte. Ich weiß nicht, ob er Lebensmittel klauen wollte oder ob ihn nur die Aussicht des Fensters reizte. Zur Sicherheit räumten wir Lebensmittel gleich weg und ließen nachts die Küchentüre zu. Eine ganz neue Erfahrung für uns, denn bei Rondra könnte man frischen Pansen auf der Anrichte offen stehen lassen und sie ginge nicht dran.
Neuer Kaffeebesuch war für den nächsten Nachmittag angesagt — schließlich wollte die Verwandtschaft Bruno sehen! Wieder war Bruno nach der ersten Aufregung die Gelassenheit in Person, auch bei vier Personen, die unvermittelt auftauchten.
Beim Verdauungsspaziergang auf der Strotheide durfte Rondra frei laufen und Bruno bekam 15 Meter Schleppleine, da wir uns nicht trauten, ihn ganz frei laufen zu lassen. Er nutzte diese Distanz selten voll aus und reagierte auch recht zügig, wenn er gerufen wurde. Feiner Bruno!
Als Brunos Familie am Sonntag wieder kam, war Brunos kleine Welt wieder in Ordnung. Auch, wenn er sich bei uns ganz wohl gefühlt hat, so schien er doch ganz froh darüber, sein altes Rudel wieder zu haben.
Und ich?
Ich bin ganz stolz auf mich und Rondra, daß der Hundebesuch so gut geklappt hat. Und ich habe die Erfahrung hinter mir, daß zwei Hunde auf Dauer nichts für mich wären. Zumindest, wenn sie Bruno und Rondra heißen und so lange Rondra so drauf ist wie jetzt.
Trotzdem würde ich mich über einen weiteren Besuch von Bruno sehr freuen. Denn er ist schon ein Charmeur, der blonde Puszta-Prinz!