Bunnychecker
Zu Hasen hat Rondra ein ganz besonderes Verhältnis. Natürlich will sie hinterher, weil die schnellen, ruckartigen Bewegungen eines flüchtenden Hasen punktgenau den Knopf in Rondras Hirn treffen, wo “Jagdtrieb” draufsteht.
Sprintet sie erst mal los, kann ich sie dann normalerweise nicht mehr abrufen. Doch, genau einmal ist mir das bisher gelungen, und ich war stolz wie Bolle.
Kreuzt ein Hase unseren Weg, wenn Rondra angeleint ist, hängt sie volles Pfund in der Leine und beklagt ihr Schicksal mit lautem Gejammer.
Besonders schlimm war es mit den Hasen in Dänemark. Dort spurteten oft Hasen vor unserem Auto her, wenn wir unser Haus in den Dünen verließen. Rondra auf der Rückbank warf sich dann in ihrem Geschirr so weit nach vorne wie möglich und bellte und winselte aus vollen Kräften.
“So weit nach vorne wie möglich” bedeutete leider, daß sie mit ihrem lauten Kopf fast zwischen unseren Köpfen war… Daher war ich nach fast jeder Autofahrt dort kurzzeitig halbseitig ertaubt.
Das ging wirklich fast jeden Tag so, und ich glaube, die Hasen hatten sich organisiert:
“Ey, Hoppel, ich muß dir was Tolles zeigen! Da oben, in dem dunkelblauen Blechding sitzt was Schwarzes auf der Rückbank, wenn die von der Düne runterfahren. Das dreht total durch, wenn man vor dem Blechding herrennt, und die Leute vorne drin machen dann auch ganz lustige Grimassen. Eigentlich ist das schwarze Ding gefährlich, aber es kann ja nicht weg… Das ist so lustig! Probier das auch mal!”
“Menno, Püschel, nicht immer nur der Hoppel! Ich will auch mal sowas machen!”
“Nicht wieder weinen, Knickohr: Ich glaube, die Leute sind noch länger da. Hoppel kommt heute morgen dran, du läufst am nächsten Tag vor dem Blechding her, und die anderen an den Tagen drauf.”
“Au ja, so machen wir’s!”
Biester, elendige!
Auf unserem Spaziergang gestern hatten wir auch wieder eine Hasenbegegnung. In dem Moment, wo ich den Hasen vor uns auf dem Weg sah, war Rondra schon losgesprintet. Ich pfiff zwar aus Leibeskräften, aber eigentlich rechnete ich nicht damit, Rondra von ihrer Jagd abrufen zu können.
Das sind Momente, wo man gar nichts machen kann.
Außer abzuwarten, bis der Hund wieder auftaucht.
Doch kurz nach meinem letzten, verzweifelten Pfiff sah Rondra wieder vor uns auf dem Weg. Sie lief direkt auf uns zu! Sollte ich es geschafft haben, meinen Hund aus der Situation abzurufen?! Unglaublich…
Rondra lief, was die schwarzen Beine hergaben. Der Grund dafür war aber nicht die exorbitant gute Führerbindung oder ihr brillanter Gehorsam — Vor ihr rannte immer noch der Hase um sein Leben!
Frank riss sich als erster von diesem Schauspiel los und stellte sich breitbeinig wie ein Sumo-Ringer mitten auf den Weg. Er ließ den armen Hasen passieren, holte Sekundenbruchteile später die verdutzte Rondra aus ihrer Flugbahn und hielt sie fest, bis ich sie mit der Leine sichern konnte.
Vom Hasen war zu diesem Zeitpunkt schon nichts mehr zu sehen.
Wir riefen ihm aber artig ein “Danke, Hase!” hinterher.
Ich habe herzhaft gelacht