Das Ende des Krankenstandes
Ich bin euch noch eine Erklärung schuldig, wie die Sache mit Rondras zerschnittener Pfote ausging.
Mit dem zweitägigen Verbandwechsel und der antibiotischen Salbe war es noch nicht getan. Ich war mir so unsicher, ob das alles richtig heilt, denn die Wunde näßte auch nach einigen Tagen noch. Und ich traute mich nicht, allein zu entscheiden, ob der Verband wegen einer schwelenden Entzündung so riecht — oder ob es einfach nur die geballte Ladung von Rondras Fußgeruch ist.
Ja, liebe Nichthundehalter: Hunde können Schweißfüße haben.
Das ist die bittere Wahrheit.
Und wenn ein schweißfüßelnder Hund mal einen Tag lang in so einen geschlossenen Verband transpiriert hat, dann weiß man beim Verbandswechsel wirklich nicht, ob das nur die Schweißansammlung ist, die einem um die Nase weht. Oder ob dem Tier tatsächlich gerade der Fuß abfault.
Inzwischen hat mir der Tierarzt versichert, daß der Geruch wirklich nur von Rondras Käsemauken kommt, denn die Wunde war ohne Entzündung. Allerdings stellte er eine Wucherung bei der Verheilung fest, so genanntes “Wildes Fleisch“. Dagegen gab er mir eine Salbe mit.
Meiner schier übermenschlichen Selbstbeherrschung war es zu verdanken, daß ich nicht nach einer größeren Tube verlangt habe. Schließlich besteht der gesamte Hund aus wildem Fleisch, das ich gern zähmen würde…
Gegen den Fußschweiß empfahl er mir ein ganz spezielles Wundermittel, nämlich ordinäres Babypuder.
So behandelten wir munter mit Antibiotikum und der Salbe gegen wildes Fleisch im Wechsel, täglichen Verbandswechseln und immer einer ordentlichen Lage Babypuder.
Ich war ganz beruhigt, daß keine Entzündung vorliegt und stufte die Gefahr, daß diese sich nachträglich noch entwickelt, als zu vernachlässigende Wahrscheinlichkeit ein. Da ich aber nach wie vor befürchtete, Rondra könnte sich wieder etwas in die gerade verheilende Wunde treten, ging es weiterhin mit Verband und Pfotenschutzschuh auf die Pirsch. Zu Hause blieb nur der Verband, den sie auch brav in Ruhe ließ.
Rondra gefiel sich eine Zeit lang sehr in der Rolle des kranken Hundes. Das ging so weit, daß sie nach einer Runde im Wald (wo sie ganz normal aufgetreten war) wieder nach Hause kam und angesichts des dort anwesendes Besuchs gleich wieder den Hinterlauf anzog. Wenn dieses Gebaren auf Interesse stieß (”Och, was hat er denn, der arme Hund?”) warf sich Rondra sofort zu den Füßen des Fragenden und ließ ich kraulen.
Biest, hinterhältiges!
Nach genau den zwei Wochen, die auch der Tierarzt für die Heilung veranschlagt hatte, schien auch Rondra genug vom Leiden zu haben: Eines Mittags kam ich nach Hause und sah, daß neben ihrem Platz der Verband lag. Fein säuberlich abgewickelt, Windung für Windung. Noch nicht mal angeknabbert, sondern nur abgelegt.
Als wollte Rondra mir sagen: “So ein bißchen Rumjammern hat ja Spaß gemacht. Aber ab jetzt könn’wa wieder normal, okay?”
Na dann…
Ich habe einfach kapituliert: Schon beim letzten Mal hatte Rondra selbständig entschieden, wann es genug ist mit Kranksein. Und auch dieses Mal vertraue ich auf das Urteil meines Hundes. …