Der Hund und das Fleisch — Fazit
Ups, hier fehlt ja noch ein BARF-Fazit! Na, denn mal los — ich hab heute meinen systematischen Tag und daher sogar Überpunkte gemacht…
Aufwand
Klar ist es einfacher, zweimal am Tag den Napf mit Pellets in angegebener Menge zu füllen. Dennoch macht BARF weniger Aufwand, als ich dachte: Das tiefgefrorene Fleisch ist vom Versender vorportioniert (500/ 1000g), muß also nur rechtzeitig aufgetaut werden. Dann pack ich es ein paar Stunden vor der Fütterung oder am Abend vorher in den Napf, damit es Raumtemperatur hat.
Alle 3-4 Wochen häcksele ich einen Berg Gemüse und gefriere den portionsweise ein. Das dürften 1-2 Stunden Aufwand sein und hält sich noch in Grenzen.
Und selbst, wenn ich mal vergessen habe, etwas aufzutauen, ist das noch kein Beinbruch: Dann gibt es eben Joghurt oder Quark mit Obst oder Thunfisch aus der Dose (nicht ganz BARF nach der reinen Lehre, aber Rondra schmeckt es!).
Dreck und Geruch
Da Rondra ihren Napf nach jeder Mahlzeit akribisch sauberleckt (inclusive der Napfunterlage), ist Schmutz kein Thema: Selbst, wenn es blutige, glitschige Leber gibt, spritzt Rondra beim Fressen kaum — nein, sie gibt schon acht, daß da nix verschwendet wird.
Spricht man von Geruchsbelästigung, denkt man als erstes an Pansen und Blättermagen. Nun gut, da gibt es wirklich nichts schönzureden: Das ist tatsächlich ein deftiges Stück Landluft, was da durch die Bude weht. Aber wegen der wichtigen Enzyme und Nährstoffe muß das sein, und wenn man ihn halb aufgetaut in den Napf gibt, den Napf sofort abdeckt und nach dem Auftauen zügig serviert, geht auch das — Ist das Ganze erst mal in der Nähe einer Hundeschnauze, hat sich das Thema sowieso ratzfatz erledigt.
Bei Knochen mit Fleisch dran, an denen Rondra länger kaut und die sie gern mit an andere Plätze nimmt (also Rind, denn ein Hühnerrücken oder -bein ist mit 2-3 Bissen zerkleinert und weg), gewöhnen wir sie daran, daß sie auf einem Handtuch knabbert und dieses auch nicht verläßt.
Allerdings kam es erst einmal vor, daß Rondra einen Rinderknochen in der “normalen” Ration hatte: Ihre Magensäure ist noch nicht stark genug, um den Knochen richtig zu verwerten, und daher bekommt sie bei größeren Mengen Verstopfung davon. Außerdem sind Rinderknochen die klassische “Der Hund muß heute mal ein paar Stunden allein zu Hause bleiben”-Beschäftigung. Da ist Rondra im Bad und darf rumfuttern, wo sie möchte.
Insgesamt finde ich nicht, daß BARF mehr Dreck macht als Trockenfutter.
Kosten
Wenn ich BARF mit einem hochwertigeren Trockenfutter in den Kosten vergleiche, liege ich da in etwa gleich: Nehme ich das Futter, was mir die Züchter empfohlen haben und gehe vom mittleren Wert der empfohlenen Tagesmenge aus, würde ich derzeit knapp 40 EUR monatlich für das Futter ausgeben. (Und kommt mir nicht mit dem Argument, es gäbe auch billigere Trockenfuttersorten — wir reden hier von hochwertiger Ernährung für Tiere, nicht von Müllschluckerei!)
Laut meiner Tabelle kostet mich BARF derzeit etwa 50 EUR im Monat (gut 1,30 Euro täglich an Fleisch, dazu noch Kosten für Gemüse, Milchprodukte, Öle…).
Weil mir aber das Christkind erst im Januar eine größere Kühltruhe bringt, mußte ich mich bisher bei meinen Bestellungen ziemlich beschränken. Daher konnte ich nicht immer auf die günstigeren Großpackungen zurückgreifen und mußte auch öfters Versandkosten zahlen, weil meine Bestellungen kleiner sein mußten. Langfristig wird BARFen für mich also eher noch günstiger als teuerer.
Sicher könnte man auch Bio-Fleisch fürs Barfen kaufen (dafür gibt es extra Läden, echt!) und damit noch viel mehr Geld ausgeben, aber irgendwo hat alles seine Grenzen.
Gesundheit
Den genauen Vergleich habe ich ja nicht: Ich habe nur eine Rondra, und die bekommt Frischfleisch. Wie es mit Trockenfutter wäre, weiß ich nicht. Aber ich sehe, daß Rondra bisher keine gesundheitlichen Probleme hat, sondern eine tolle Figur, glänzendes Fell und überhaupt rundum fit ist. Ein schwaches Argument, schließlich kann man in nur einem Vierteljahr mit Ernährung allein an so einem Tier wenig kaputt machen.
Viel spannender finde ich aber, daß ich beim Barfen bei kleineren Zipperleinchen selbst mit der Ernährung gegensteuern kann, ohne gleich den Tierarzt aufsuchen zu müssen: Ein wenig Mundgeruch durch den Zahnwechsel? Petersilie und Pfefferminze zum Futter geben. Verstopfung? Birnenmus, Leber und Apfelessig helfen. Durchfall? Banane bringt das wieder in Ordnung.
Klar kann man das auch bei konventionell ernährten Hunden machen, aber ich weiß nicht, ob gerade die Kräuter da so gut angenommen werden — schließlich ist es erst mal was “Komisches”, was sonst nicht am Futter ist. Rondra hingegen ist komische Sachen in ihrem Napf gewöhnt *lach*!
Gerüchteweise sollen Rosmarin und Knoblauch gegen Flöhe und Zecken helfen und sie sollen sogar Wurmkuren überflüssig machen. Flöhe waren bisher kein Thema, und Zecken habe ich Rondra bisher nur zwei gezogen. Ob das am Barfen liegt oder ob es mit Trockenfutter auch so wenige gewesen wären, weiß ich nicht. Bei Würmern werde ich es aber so halten, daß ich die Kuren nur bei Bedarf durchführen werde und nicht zur Prophylaxe.
Was ich definitiv sagen kann ist, daß Rondras “Output” besser geworden ist: Mit maximal 3 Mal täglich ist die Sache erledigt. Manchmal läßt Madame auch den “Mittagsschiss” aus, was mich anfangs höchst irritiert hat: Der Hund muß doch auch mal müssen? Aber es scheint, daß das Futter recht gut verwertet wird und damit weniger für “hinten raus” übrig bleibt.
Menge und Konsistenz stimmen, und auch die Geruchsbelästigung scheint mir geringer als beim Trockenfutter — wenn man mal von kleineren Ausrutschern absieht: Als Frauchen beispielsweise mal dachte, man könnte mit Apfel clickern und gleichzeitig noch Apfel ins Futter geben… Huiuiui, den Haufen hab ich erst gehört, und dann 10 Meter gegen den Wind noch gerochen!
Spaßfaktor
Kosten, Dreck, Aufwand und Gesundheit hin oder her: Der Punkt “Spaß” war es, der mich letztendlich zum Barfen gebracht hat. Es ist einfach irre, wie sich Rondra jeden Tag auf ihren Napf freut! Natürlich ist nicht immer alles gleich lecker, aber gefressen wird alles. Und danach wird der Napf blank poliert, mindestens fünf Minuten lang.
Wenn ihre “Favoriten” im Napf liegen, ist Rondra kaum zu bremsen: Für Sahnequark läßt sie das blutigste Stück Fleisch liegen, und wenn sie Knochen bei ihrer Mahlzeit nicht ganz erledigen konnte, trägt sie sie stolz durch die Bude und zeigt sie jedem, der sie sehen will (oder auch nicht, denn nicht jeder unserer Besucher hat so ein brennendes Interesse an Rinderknochen…).
Auch mir macht es Spaß, Rondras Mahlzeiten vorzubereiten — auch, wenn es schon ein Erlebnis der besonderen Art ist, einen Rinderkehlkopf zu spalten oder ein Rinderherz in Stücke zu schneiden, gerade für einen Vegetarier…
Aber zu Hause bei Wolfens geht es auch nicht zimperlich zu, wenn Beute gemacht wurde. Bei BARF habe ich das Gefühl, die natürliche Ernährung zumindest halbwegs nachzustellen, und das macht mir Spaß.
Insgesamt barfe ich Rondra leidenschaftlich gern. Von meiner Trainerin habe ich gehört, daß sie ihre Hunde nicht barfen möchte, da sie so viel unterwegs ist und es für sie daher nicht praktikabel ist. Über Weihnachten werden wir mit Rondra bei meinen Eltern sein. Das wird die erste große Reise für den Hund und das erste “Auswärts-Barfen” für mich. Darauf bin ich schon gespannt…
ich habe ja auch schon überlegt, wie ihr das im heimaturlaub macht…
kriegt rondra dann das gute schlenkenmotz-fleisch???
Ja - Knoblauch kann die Belastung mit Zecken reduzieren. Die Erfahrung haben wir auch gemacht. Dies Jahr gab es aber wohl hier nicht so viele Zecken. Das Knoblauch aber die Wurmkur spart, ist ein Gerücht.
Ehrlich gesagt, bin ich schon ganz schön nervös. Zumindest die Ernährungsfrage, die hier ja schon gestellt wurde, habe ich gestern gelöst: …