Der Hund und das Fleisch — Teil I
Es ist nicht so, daß hier nichts passiert, was ich euch berichten könnte. Nein, ich könnte euch viel erzählen, zum Beispiel von…
- …dem sehr netten und für den Hund sehr kräftezehrenden Welpentreffen gestern
- …dem Erfolgserlebnis schlechthin für jeden Halter einer Jagdhundrasse, nämlich als ich eine dem Karnickel hinterherhechtende Rondra problemlos abrufen konnte
- …kleinen, aber beständigen Fortschritten im Training mit Rondra
- …Rückschlägen, wie einem schrecklichen Spaziergang letzte Woche mit meinem kleinen schwarzen Leinenrüpel
- …
Aber nein, heute erzähle ich euch etwas von Rondras Ernährung.
In ihren ersten beiden Monaten bei mir bekam Rondra das Welpenfutter Lamb&Rice von Nutro. Grundsätzlich war ich damit ganz zufrieden: Der Hund wuchs, sah vom Fell her gut aus und fraß auch leidlich gerne: Rondra ist ja sowieso keiner dieser “Staubsauger-Labradore”, die jedes Futter inhalieren — nein, Madame kaut sogar.
Dann hatte ich aber ein paarmal die Situation, daß Rondra gekotzt hatte. Da wollte ich dem armen Tier etwas besonders Gutes tun und kochte Schonkost für sie: Erst Reis, und nachdem ich erfahren hatte, daß Reis entwässert und daher bei Durchfall/ Erbrechen gar nicht so gut sei, Kartoffeln, zusammen mit Möhren und körnigem Frischkäse.
Guter Plan, aber Hundeernährung so ganz ohne Fleisch…?
Als Rondra später nochmal solche Probleme hatte, ihren Mageninhalt zu bändigen, stieß ich auf den Tipp mit gekochtem Hühnchenfleisch. Na gut, kaufe ich eben für den Hund ein Huhn. Tiefgekühlt.
Nun bin ich seit 15 Jahren Vegetarierin, und in meinem ganzen Leben war ich noch nicht in der Verlegenheit, ein Huhn zubereiten zu müssen. Nach kurzer Beratung mit kundigeren Leuten kochte ich das ganze Huhn eine Stunde in Wasser, um ihm hernach mit meinen bescheidenen Anatomiekenntnissen die Fleischstücke abzuringen.
Boah, das war ein Gemetzel! Das arme Tier war ein ganz billiges Suppenhuhn, und sicher hat es kein schönes Leben gehabt. Nun rücke ich ihm noch posthum mit meiner stümperhaften Metzelei zu Leibe…
Ich habe mich bei der doppelt geschundenen Kreatur im Geiste auch entschuldigt. Nach den Theorien gewisser Religionen wird ein Wesen, das gelitten hat, im nächsten Leben ja als etwas ganz Großartiges wieder auferstehen, und das wünsche ich diesem Huhn von Herzen. Vermutlich erringt es dann die Weltherrschaft, und ich werde seine grausame Regentschaft bald verfluchen.
Doch zurück zum kotzenden Hund. Der fand seine Schonkost so dermaßen erbaulich, daß sie den Napf eine geschlagene Viertelstunde lang ausschleckte und den restlichen Tag immer mal wieder zum Napf zurückkehrte, um zu überprüfen, ob nicht doch noch etwas darin “nachgewachsen” sei.
Für mich war klar: So einen glücklichen Hund am Napf will ich jetzt immer haben!
Parallel las ich in Foren immer wieder über dieses BARF und wurde neugierig.
[Teil II folgt in Kürze]
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