Der Hund und das Fleisch — Teil III
[vorherige Teile der Fleischbeschau: Teil 1, Teil 2]
Anfang Oktober traf die erste tiefgekühlte Fleischbestellung per Internet hier ein: Ein guter halber Zentner Geflügelhälse, -fleisch, Pferdefleisch, Rindfleisch, Pansen, Blättermagen, Knochen und allerlei andere lustige Dinge, teilweise in Stücke geschnitten, teilweise gewolft, und einiges auch im Ganzen.
Die meisten Sachen waren in gut beschriftete 500g-Pakete portioniert. Aus Neugier und/ oder weil Ware am Stück günstiger war als Kleinpakete, hatte ich aber auch ein paar Specials bestellt, die nicht unbedingt nötig gewesen wären bzw. auch anders zu beziehen gewesen wären. Aber die Neugier eben!
Hm, wie soll ich es beschreiben? Es ist für einen Vegetarier schon ein Erlebnis, ein Kilo Pferdeherz oder Rinderkehlköpfe halb angetaut in welpengerechte Stücke zu zerteilen…
Dennoch muß ich sagen, daß das Fleisch insgesamt recht appetitlich daherkam, selbst für Leute wie mich, die den Anblick von rohem Fleisch nicht gewohnt sind. Grundsätzlich ist es ja auch veterinäramtlich abgenommen und stammt aus Schlachtung für den menschlichen Verzehr. Nur, daß sich Menschen seltenst für den Blättermagen eines Rindes oder seine Lefzen und Luftröhre interessieren.
Parallel zur Fleischbestellung hatte ich Gemüse vorbereitet. Das bekommt Rondra nämlich zum Fleisch dazu. Konkret macht es 20-30% der Futtermenge aus, und von diesen 20-30% ist wiederum die Hälfte grünes Gemüse, wie es auch im Magen von wiederkäuenden Tieren zu finden wäre. Damit versucht man, die natürliche Ernährung nachzubauen.
Da Hunde die Zellulose von pflanzlicher Nahrung nicht so gut (oder gar nicht?) verwerten können, wird das Gemüse gehäckselt. Das klingt dramatischer als es ist: Einmal im Monat wird ein Berg Krams gekauft, und dann läuft für zwei Stunden der Pürierstab Amok (alternativ dazu die Küchenmaschine oder der Fleischwolf, so man hat). Evtl. noch etwas Flüssigkeit wie Fruchtsaft, Wasser oder Joghurt dazu, wenn das Gemüse zum Häckseln zu trocken ist. Und dann rein ins Gerät.
Die so entstehende Matsche friere ich in Muffin- und Eiswürfelformen ein und bewahre sie dann in einer Tüte im Gefrierschrank auf, wo ich sie portionsweise für einen oder zwei Tage entnehmen und im Kühlschrank lagern kann, bis sie ihrer letztendlichen Bestimmung zugeführt werden: Rondras Magen!
Ich versuche beim Gemüse, nach Sorten zu trennen, damit die einzelnen Portiönchen möglichst unterschiedlich sind: Von Spinat-Gurke über Möhre-Apfel oder Sellerie-Kürbis bis Melone-Kiwi ist da alles machbar.
Fast hätten wir nun schon alle Zutaten zum Barfen. Jedoch gibt es einige Zusätze und Ergänzungen zum Fleisch-Gemüse-Mix, die mich anfangs auch sehr verwirrt haben.
Besonders besorgt war ich über den erhöhten Kalziumbedarf bei Welpen, besonders während des Zahnwechsels. Kalzium beziehen Hunde normalerweise aus Knochen. Nun sollte man bei Welpen aber mit rohen Knochen vorsichtig sein, weil diese Verstopfung verursachen.
Ich hatte hin- und hergerechnet und kam zu dem Schluß: Wenn der Hund nicht mindestens jeden Tag ausschließlich Hühnerhälse zu fressen bekommt, schafft die ihren Kalziumbedarf nie und nimmer. Aber wann sollte sie dann die vielen anderen schönen Dinge fressen, die ich gekauft habe und die auch wichtig sind, wie etwa Blättermagen, Pansen, Herz, Innereien?
Eine Möglichkeit wäre die Gabe von Kalziumcitrat, von Knochenmehl oder von gemahlener Eierschale. Kurzerhand habe ich alle Eierschalen, die sonst im Haushalt bei Kuchen und Spiegelei anfallen, in Opas alter elektrischer Kaffeemühle gemahlen. Davon bekommt Rondra 3-4 Mal pro Woche einen Teelöffel voll in ihr Futter, und das Thema Kalzium ist erledigt.
Bleiben diverse Addons zum Futterplan, wie etwa der tägliche Schuß Öl über das Futter, 1-2 Mal die Woche ein Ei, Kräuter oder ab und an Milchprodukte (Sahnequark steht ganz hoch im Kurs, da kommt nicht mal feinstes Pferdefleisch gegen an!) und 1-2 Mal in der Woche das Joghurt mit Heilerde (Mineralien und Spurenelemente) als Zwischenmahlzeit.
Damit steht der Futterplan. Und wie der konkret aussieht und wie mein BARF-Fazit nach knapp 2 Monaten Hund mit Fleisch ist, erfahrt ihr in der nächsten Maus Folge der Serie “Der Hund und das Fleisch”.