Der Hund und die Arbeit
Huch, mein letzter Eintrag stammt ja noch aus Ferienzeiten! Wahrscheinlich ranken sich schon Spekulationen darüber, wie es mir mit Rondra in der Arbeit ergeht (Kollegen gefressen, Chef gefressen, in den Server gepinkelt…).
Dann will ich dem besser mal entgegentreten und berichten, wie es so läuft mit dog at work:
Der erste Tag war nicht so berauschend. Ich achtete zwar drauf, Rondra vor den erzwungenen Ruhepausen im Kennel gut auszulasten (Clickerübungen und Suchspiele klappen auch auf kleinem Raum ganz gut). Dennoch machte Rondra regelmäßig Terror, wenn sie im Kennel allein im Büro bleiben sollte.
Sie hatte sich dazu einen Dreiklang auserkoren, und der ging so:
Bellen (2x) — Winseln (2x) — Lauschen (Vielleicht kommt ja doch noch wer und rettet mich?)
Nachdem niemand kam, ging die Tour wieder von vorne los. Zwar war nach 1-2 Minuten immer Ruhe, aber schön war das so noch nicht.
Im Kollegenkreis wurde Rondra recht gut aufgenommen. Mit der Foxterrierhündin versteht sie sich blendend. Nur unsere “Alterspräsidentin”, die 17 Jahre alte Mischlingshündin, konnte Rondra nicht gut in “ihrem” Revier, der Malerwerkstatt, haben und verbellte Rondra. Auf neutralem Gelände wiederum ist das kein Problem.
Am zweiten Tag war Rondra etwas ruhiger, wenn es in den Kennel ging. Trotzdem: Noch immer Gebelle und Gewinsele. Nützt aber nichts, denn irgendwann muß ich mal zu Teamsitzungen oder in die Werkstätten, wo Rondra nicht mit kann.
Wenigstens schlief sie nach einer Weile im Kennel ein, denn wenn ich wiederkam, wachte sie dann gerade erst wieder auf.
Am dritten Tag passierte etwas Seltsames: Ich hatte Rondra wie üblich mit Kaukram in die Box verfrachtet, noch gelauscht, bis alles still war und kam nach gut 2 Stunden von meinem Außentermin zurück. Hund ist müde wie immer, wird begrüßt und bespaßt.
Soweit war alles wie immer. Dann ging ich in das Badezimmer, das zu meinem Büro gehört und stelle fest, daß das Handtuch aufgehangen ist, neue Toilettenrollen bereitstehen und das Waschbecken gesäubert ist.
Verdammt, die Putzfrau war da!
Zwar wußte mein kompletter Kollegenkreis über Rondra Bescheid, aber die gute Frau S. hatte ich total vergessen. Wahrscheinlich hat Rondra auf ihre Befreiung gewartet, als die Tür aufging und schrecklich Terror gemacht, als sich nichts dergleichen tat. Zu allem Überfluß war auch noch der Boden gesaugt: Hund in der Box, und das laute Ding (ich meine damit den Staubsauger und natürlich nicht Frau S. *g*) rumpelt durchs Büro… Mist.
Am nächsten Tag traf ich Frau S. und entschuldigte mich dafür, daß ich ihr nichts von Rondra gesagt hatte. Sie erzählte, daß sie über die Box verwundert war, als sie in mein Büro kam, aber erst gar nicht sehen konnte, was da drin sei und ob da überhaupt was drin sei. Erst, als sie mit ihrer Arbeit begonnen hatte, rumpelte es ein wenig im Kennel. Rondra habe sie ganz müde angeguckt und sich dann gleich wieder hingelegt. Nein, gebellt habe sie gar nicht.
Woah — mein Mädchen!
Am liebsten wäre ich Frau S. vor Freude um den Hals gefallen. Anscheinend hat es sich doch ausgezahlt, mit Rondra das Im-Kennel-Bleiben zu üben, während ich im Raum bin.
Inzwischen sind seit unseren ersten gemeinsamen Arbeitstagen ja schon drei Wochen vergangen. Rondra macht das immer besser: Es gibt gar kein Bellen mehr, wenn ich aus dem Büro gehe. Wenn ich im Büro bin, darf sich Rondra frei bewegen, sucht aber trotzdem meist den Kennel als Schlafplatz auf.
Manchmal lasse ich Rondra auch in der geschlossenen Box warten, wenn ich im Büro Besuch habe: Ich muß ja damit rechnen, mal ein Gespräch mit hundeängstlichen Leuten zu führen. Und für Rondra wird es so auch klar, daß nicht jeder, der zur Tür reinkommt, zu ihrer Bespaßung auftaucht.
Die eine Auszubildende, die ich (uneingeweiht) als Testobjekt auserkoren hatte, fragte dann nach einer Weile ganz schüchtern: “Ist der Hund denn gefährlich, weil er eingesperrt sein muß?”
Klar: Kampfschmuser @ work! *lach*