Die Aawiesen — Der erste Kontakt
[Die Aawiesen - eine Beschreibung]
Allein schon die Landschaft der Aawiesen qualifiziert sie zum Top-Gassirevier: Gut erreichbar, viel Platz und vor allem: Wasser!
Doch fast noch besser ist, daß man viele andere Hunde trifft. Zu Spitzenzeiten sind wir dort mit zehn bis zwölf Hunden unterwegs.
Ein Horror für scheue und einzelgängerische Hunde, der Alptraum für Besitzer von rüdenunverträglichen Rüden oder stutenbissigen Hündinnen — Aber ein El Dorado für Rondra, deren Lebensmotto “Hallo, hier bin ich, und ich find dich richtig toll!” ist.
Wenn man Rondra heute so über die Aawiesen dölmern sieht, glaubt man gar nicht, daß sie bei ihrem ersten Kontakt auf den Aawiesen mit wehenden Fahnen untergegangen ist.
Auch, wenn die Situation gar nicht schön war, so muß ich heute doch darüber grinsen, weil es so typisch für Rondra war.
Ich kam mit Frank und ihr unter der Brücke durch, und von Weitem sahen wir schon eine größere Menge Menschen und Hunde. So wie Rondra vor einem halben Jahr noch drauf war (dazu später mehr), startete sie schon durch, während Frank und ich noch überlegten, ob es sinnvoll ist, wenn ein einzelner Hund in diesen Pulk rennt.
Ich sah Rondra nur noch von hinten, aber ich kenne sie gut genug, um zu wissen, wie ihr Gesichtsausdruck in diesem Moment war. Jede Faser ihres Körpers schrie förmlich: “Woah! Andere Hunde!!! Viele! Wiiieee geeeeiiiiil!!! PARTY!”
Dann ist genau das passiert, was Frank und ich befürchtet hatten: Rondra, die mit ihrer überfreundlichen überschäumenden aufdringlichen Art in ein bestehendes Rudel kam, wurde gemobbt ohne Ende. Binnen weniger Momente klemmte sie den Schwanz bis zum Bauch und ließ sich schließlich problemfrei abrufen
(Hey — Kein Mitleid! Das war erste Mal, daß ich sie auf Anhieb aus einer Meute abrufen konnte! Wenn der Hund schon leidet, so gönnt mir doch wenigstens diesen Moment des Triumphs…).
Inzwischen kenne ich fast alle Hunde, die in diesem Pulk mitgemischt haben und kann nachvollziehen, was damals abgelaufen ist: Die Ridgebacks, von denen dort vier, glaube ich, rumlaufen, hatten gerade eine dramatisch aussehende, aber harmlose Zickerei mit den beiden Rottweilern.
Ridgebacks sind ja an sich schon recht groß und beeindruckend. Doch sie spielen und kämpfen auch recht körperbetont und steigen dabei auch schon mal mit den Vorderpfoten hoch. Also in etwa auf Augenhöhe mit einem durchschnittlichen Mitteleuropäer. Beeindruckend.
Dazu die Rottweiler, die beim Bellen lachen: Hier sieht man nicht nur die Fangzähne, sondern kann gleich bis auf die Molaren blicken. Bei jedem Bellen kommt dann noch dieses aufforderne Kopfnicken, das sagt: “Komm du nur, trau dich doch!”. Upps.
Also, dieser Trupp mußte gerade mal klären, wer Recht hat.
Hochwichtig also.
Und in genau diesen aufgeputschten Haufen rennt Rondra mit ihrem riesigen Hunger nach Kontakten: “Haaaallo, ich bin Rondra, und ich will spielen! Wer seid ihr? Egal, muß ich gar nicht wissen. Ihr seid toll, ganz bestimmt! Ich bin nämlich auch toll, guckt doch mal!”
Rotties und Ridgebacks waren sich einig: “Schnauze, Kleine! Geh weg, das ist nichts für Mädchen!”
Rondra ignorierte so etwas naturgemäß: “Wie, nix für Mädchen? Aber ich will doch spielen! Jungs können auch spielen! Kommt, ich zeig es euch!”
Ridgeback: “Aus dem Weg mit dir! Keine Zeit für Spielchen! Ich muß dem Rotti jetzt eine semmeln, und du stehst im Weg!”
Rondra: “Aber spielen ist so toll! Und rennen auch! Kannst du rennen? Guck, ich renn hin… und wieder her… Wetten, ich bin schneller als du? Fang mich doch!”
Rotti: “Eine semmeln? Mir? Ey, Schnauze jetzt! Schwarze, Dein Gerenne nervt, und du lenkst den Ridgeback ab! Grad wollt ich dem die Lektion seines Lebens verpassen!”
Rondra: “Aber Spielen ist doch viel tollerer! Ihr habt ja keine Ahnung… Kommt, ich zeig es euch!”
Ridgeback: Lektion meines Lebens? Ha, du spinnst ja… Ey, du schwarzer Nervsack, SCHLUSS JETZT! Hau bloß ab mit Deinem Gehüpfe! Hier geht es um Männersachen!”
Rondra: “Aber guck doch mal…”
Rotti: “Ja, genau! Um Männersachen! Deinen Mädchenkram kannst du mit den Omadackels vorn im Park bequatschen!”
Rondra: Aber…
Mittlerweile kamen von den anderen Hunden noch ein paar an: “Ey, mach die nicht blöd an, die gehören zu uns!” – “Überhaupt, wer bist du eigentlich? Muß man dich kennen?” — “Hast du sie noch alle, die Großen so schräg anzumachen?”
Rondra: “Ich wollt doch nur…”
Könnt ihr euch vorstellen, wie gern sich Rondra abrufen ließ? Das “Tschulligung, ich muß wech!” stand überdeutlich in ihrem Gesicht!
Ich glaube, diese Begegnung war für Rondra ein ähnliches Schlüsselerlebnis wie die gelochte Lefze oder als sie als Welpe im Wald (in Absprache mit mir) einer anderen Hundeführerin folgte und mich (scheinbar) verloren hat.
Inzwischen hat sich Rondras Verhalten gegenüber anderen Hunden nämlich sehr verändert, und das schreibe ich unter anderem auch diesem Erlebnis zu.
Aber dazu mehr im nächsten Eintrag.
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