Fremde Gassiläufer
Letzte Woche kamen tagsüber Handwerker zu uns, die auch in unsere Wohnung mußten. Rondra ist in dieser Zeit allein, und da sie absolut nicht dazu neigt, Sachen kaputt zu machen oder Lebensmittel zu klauen (noch nicht mal den Pizzarest, der auf der Arbeitsplatte stand!), hat sie bis auf das Arbeitszimmer die ganze Wohnung zur Verfügung, wenn sie alleine ist.
Ich finde das angenehm, auch deshalb, weil ich ein chronischer Tür-offen-Lasser bin und irgendwann garantiert vergessen würde, einige Türen zuzumachen, bevor ich ohne Rondra aus dem Haus gehe.
Wenn allerdings fremde Menschen ins Haus kommen, nimmt der kleine schwarze Hund an, die kämen alleinigst zu ihrer Bespaßung. Nicht nur, weil wir Handwerker nach Stundensatz bezahlen, ist es daher hilfreich, wenn der kleine schwarze Hund bei solchen Aktionen außer Schußweite ist.
Der uneheliche Schwager, der wegen Schichtdienst tagsüber zu Hause war, übernahm an diesem Tag dankenswerter Weise die Aufgabe, Rondra für diese Zeit ins Bad zu sperren.
Auch das lief ganz problemlos. Allerdings meinte er am Abend zu mir: “Ich wollte ja schon mit ihr Gassi gehen. Aber ich habe die Leine nicht gefunden.”
Puh, die Gretchenfrage: Kann ich meinen Hund mit jemand anders um die Häuser schicken? Und selbst, wenn das klappen würde: Will ich das überhaupt?
Sicher ist es gut zu wissen, daß wer einspringen kann, wenn ich nicht kann, sei es wegen Krankheit oder wegen beruflicher Verpflichtungen. Allerdings ist Rondra beim Thema “Leinenführigkeit” noch weit von dem entfernt, was ich als “zufriedenstellend” bezeichnen würde: Es gibt Tage, da bin ich mir sicher, keinen Hund zu haben, sondern eine Zugmaschine.
Außerdem ist Rondra leicht zu verunsichern, und das wäre bei einem ungewohnten Führer sicher der Fall. Wahrscheinlich würde es dem fremden Hundeführer sogar erst mal nützen, weil sich Rondra dann in ihrer Unsicherheit stark an ihm orientieren würde. Aber ob das so gut für unsere Trainingsfortschritte sein kann?
In meinen Überlegungen kam ich mir schließlich vor wie eine Mutter Beimer für Hunde: Klucken und klammern ohne Ende.
Das war lächerlich, schließlich hatte Rondra in Sonderfällen tagsüber auch schon andere “Versorger” aus der Hausgemeinschaft. Die brachten sie zwar nur an der Leine in den Garten, aber ganz ungewohnt war ihr die Situation damit auch nicht.
Wo ist der Unterschied, wenn es denn vom Grundstück runter gehen sollte?
So warf ich meine Bedenken schließlich über Bord: Ich erklärte dem unehelichen Schwager, wo er Halsband, Leine und Leckerli findet, empfahl ihm den kleinen Hausweg für den Anfang und überließ es ihm, ob er sich traut oder nicht.
Er traute sich schließlich und nahm die Route ums Haus herum. Rondra sei ganz artig bei Fuß gelaufen (blanke Verunsicherung, ich wußte, daß das funktionieren würde *kicher*!). Nur am Feld habe sie gezogen.
Tja, mein Fehler: Am Feldrand bekommt Rondra immer lange Leine und Zeit, um die Tagespost der Nachbarschaft zu lesen. Das hatte ich natürlich vergessen, dem Schwager zu sagen…
Fazit:
Wenn ich mittags oder abends nach Hause komme, merke ich Rondra schon an, wenn etwas Ungewöhnliches passiert ist, ob das nun Handwerker in der Wohnung sind oder ein ungewohnter Gassigänger. Aber grundsätzlich scheint das zu funktionieren, und ich sehe meine Theorie bestätigt, daß der Hund schon zwischen den verschiedenen Führern zu unterscheiden weiß.
Was ich — um Rondras Sicherheit willen — nicht machen möchte: Daß jemand außer mir oder Frank Rondra im Freien von der Leine läßt.
Aber ansonsten ist es meiner Meinung nach kein Schaden, wenn Leute, die Rondra kennt und denen ich vertraue, Rondra Gassi führen.