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Rondra

Ein Labradorblog

2. September 2007

Gassi mit Bruno — und eine Liebeserklärung an die Hundearbeit

[Brunos erster Besuch — Teil 1]

Schon nach den ersten Schritten mit Bruno war klar: Gassigänge allein mit zwei Hunden kann ich mit Bruno knicken. Gegen ihn ist selbst Rondra ein Stern am Himmel der Leinenführigkeit. Bruno sucht sich seinen Weg. Dabei ist er hartnäckig genug, und das Verhängnis ist, daß er damit bei seinem Frauchen auch zum Ziel kommt.

Nun wollte ich wissen, was aus dem alten Herrn noch herauszukitzeln war. Die Ausgangssitation war für meinen Erfahrungshintergrund und für Leinenführigkeit allerdings ungünstig: Flexileine und Geschirr.

Zwar hatte ich für Rondra anfangs auch ein Geschirr, weil sie sich in ihren ganz jungen Tagen sonst am Halsband vermutlich erwürgt hätte — da kannte sie keinen Schmerz und nichts, der Weg ging immer der Nase nach, und das bitte schnell. Ich hatte Angst, bei den noch weichen Knochen etwas kaputt zu machen und wechselte in bestimmten Situationen (unbekannte Gegend, Spaziergang mit anderen Hunden) auf das Geschirr.

Grundsätzlich ist mir bei der Leinenführigkeit das Halsband aber lieber, und so hatte ich das Geschirr an die Foxterrierhündin einer Arbeitskollegin verschenkt, als Rondra daraus entwachsen war (Foxterrier — also sehr bald! Vermutlich war Rondra da etwa ein halbes Jahr alt).

Mit einem Halsband kann ich direkter führen und dem Hund vor allem bei Richtungswechseln leichter zeigen, was ich möchte.

Bruno und Halsband hingegen ist eine unheilige Allianz: In ihm scheint anteilig ein Faltenhund zu stecken, weshalb er ziemlich viel Haut am Hals hat. Sein Kopf sieht zwar massig aus, aber er hat ein fliehendes Kinn und kann sich so leicht nach hinten aus dem Halsband befreien. Das war mir auf dieser Strecke zu gefährlich, denn schon eine Straßenkreuzung weiter ist die Hauptstraße.

Eine Flexileine hatte ich heute zum ersten Mal in der Hand. Muß ich auch nicht wieder haben. Zum einen war ich mit der Steuerung nicht vertraut und achtete mehr auf diesen Karwenzmann in meiner Hand als auf den Hund. Und zum anderen wollten wir ja Leinenführigkeit sehen. Da brauche ich den Hund nahe bei mir und keine 10 Meter Schnur. Dieser Kasten an meiner Hand störte dabei gewaltig.

Ich verkürzte erst mal das Monstrum und versuchte, Bruno am Vorwärtslaufen zu hindern. Es verwunderte mich nicht, daß ich komplett abmeldet war und er zog wie Hulle — so war er bisher ja auch immer zum Ziel gelangt. Also gab es ein paar enge Richtungswechsel nach links an verkürzter Leine mit meinem Knie direkt an Brunos Kopf. So kriege ich Rondras Aufmerksamkeit immer zuverlässig.

(”Knie am Kopf” klingt brutal — hat aber wenig mit “Kniescheibe-an-den-Kopf-Stoßen” zu tun, sondern ist mehr ein Drücken, da der Hund ja schon sehr eng am Führer ist. Der Hund wird durch den Richtungswechsel aus seiner Handlung, z. B. Schnuppern, geholt und daran erinnert, daß da noch wer mitläuft, der auch was zu sagen hat.)

Bruno war erst irritiert, aber er lief sehr eng an mir und wich nicht zur Seite. Es schien, als würde er das Spiel noch nicht verstehen, aber grundsätzlich zur Kooperation bereit sein. Nach einigen weiteren Richtungswechseln blickte er auf, als wolle er sagen: “Ist es denn so richtig?”

Ich hatte ihn, ich hatte ihn, und ich freute mich tierisch darüber.

Mein nächster Versuch, ihn am Leckerlie bei Fuß zu führen, war schwierig: Mit der für mich ungewohnten Leine schaffte ich es nicht, ihn einhändig auf gleicher Höhe zu halten und gleichzeitig das Leckerlie zu halten. Während ich ihn auf das Leckerlie aufmerksam zu machen versuchte, ging er schon wieder nach vorne.

Aber nach ein paar weiteren Richtungswechseln hatte ich ihn wieder, und er meisterte auch ein paar Tempowechsel geradeaus, ohne zu ziehen. Zwar nur kurz, aber es ging: Er ließ sich darauf ein und arbeitete mit mir zusammen.

Brunos Frauchen erklärte ich, was da gerade passierte, und daß es wichtig sei, die Aufmerksamkeit des Hundes zu bekommen. Derzeit, so scheint es mir, ist sie für Bruno beim Spaziergang nicht relevant: Er macht sein Ding, und manchmal muß er eben nur ein wenig heftiger ziehen, um dahin zu kommen, wo er will.
Aber es geht.

Sie war einigermaßen entsetzt, als ich beschrieb, daß solche Spaziergänge auch vom Halter 100% fordern und jedes erfolgreiche Ziehen des Hundes (also da, wo er zu seinem Ziel kommt und Frauchen ignoriert) die vorherigen Erfolge zunichte macht.

Das erinnerte mich so sehr an das Bild, das ich im Kopf hatte, als ich mir überlegte, einen Hund anzuschaffen: Ein Begleiter auf Spaziergängen, dicht an meiner Seite. Mir treu ergeben und mich anhimmelnd, egal, ob wir uns gerade intensiv dem gemeinsamen Spiel widmen oder nur durch die Landschaft strolchen. Jemand, der brav nebenher läuft und sich selbst genug ist.

Doch so ist es nicht, zumindest nicht von Anfang an.

Ich kann Rondra inzwischen frei im Wald laufen lassen, und wenn sie zurückbleibt, drehe ich mich noch nicht mal um, weil ich weiß, daß sie folgen wird. Ich kann mich auch auf dem Spaziergang mit jemandem unterhalten, ohne ständig auf Rondra achten zu müssen.

Das empfinde ich als großen Fortschritt, und vielleicht ist das auch bald möglich, wenn ich Rondra dabei an der Leine führe — aber es ist keine Selbstverständlichkeit, sondern harte Arbeit.

Eine andere Sache, die ich begriffen habe auf diesem kurzen Spaziergang mit Bruno: Die Freude an der Zusammenarbeit, am Beobachten und am Verstehen.

Natürlich ist das auch das täglich Brot in meiner Arbeit mit Rondra, und ich habe bei Bruno nichts anders gemacht als mit ihr.

Doch erst am fremden Hund ist es mir aufgefallen, wie dieser Prozeß funktioniert, und wie sehr es mich fasziniert. Erst die Fragen “Warum machst du so?” und “Wie kann ich dir Freude daran vermitteln, daß…?”.

Und dann, der Blick des Hundes, der sich auf den Deal eingelassen hat. Die ersten Schritte, hin zum Ziel. Sein Blick, der sagt: “War das denn richtig so?”

Am Ende auf beiden Seiten die Freude, zusammen etwas geschafft zu haben…

Genau das ist es, was mir mit Rondra, mit Hunden, so viel Spaß macht.

Und das ist tausendmal mehr wert als ein halber Zentner Fell, der einfach so anspruchslos nebenher läuft.

Ein Kommentar zu “Gassi mit Bruno — und eine Liebeserklärung an die Hundearbeit”

  1. erziehung « semistrale am 2. September 2007 um 22:40

    September 2nd, 2007 wo ich gerade diesen text> gelesen habe. …


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