Häuptling “Hüpfendes Dreibein”
Rondra setzte auch am Freitag morgen die kaputte Pfote nicht auf — meine kunstvolle Verpackung aus doppeltem Gefrierbeutel und Haushaltsgummi um den Verband hätte ich mir sparen können. Insgesamt war sie sehr ruhig und verhalten, so daß ich dem Verband während meiner Abwesenheit bis Freitag mittag gute Überlebenschancen einräumte. Zu recht, Rondra hatte nur etwas dran geleckt, aber ihn ansonsten unversehrt gelassen.
Die Behandlung beim Tierarzt meisterte Rondra mit der üblichen überschäumenden Freude. Allerdings war ihr die Behandlung ihrer Pfote doch sehr unangenehm, und sie wehrte sich nach Kräften. Ich hätte es bisher nicht geglaubt — aber es gibt Situationen im Leben eines Labradors, da braucht es drei Leute, um sie still zu halten!
Danach war aber alles wieder vergessen, und sie humpelte schon wieder Vollgas durch das Behandlungszimmer, um den Helferinnen Leckerlies abzuluchsen. Überhaupt stellte der Tierarzt neben seiner eigentlichen Diagnose eine ausgewachsene Wehleidigkeit bei Rondra fest: Als er mir an der Vorderpfote erklären wollte, wo die Verletzung sitzt und warum diese Stelle so schwierig ist, zuckte und winselte Rondra genau so wie bei der eigentlichen Behandlung!
Während ich mich für mein Weichei von Hund etwas schämte, nahm es der Tierarzt mit Humor und lachte: “Nun bist du enttarnt, mir machst du nichts vor!”
Der Tierarzt bestätigte im Großen und Ganzen meine Diagnose: Schnitt zwischen den Ballen, nicht breit, aber tief, ohne Fremdkörper darin, nur leicht entzündet. Blöde Stelle, da die Ballen auseinanderspreizen, wenn Rondra den Fuß aufsetzt und so die Wunde wieder aufbricht und schmerzt.
Rondra bekam einen schicken Kurzhaarschnitt am Fuß und einen neuen Verband mit antibiotischer Salbe spendiert, dazu noch Antibiotikum von innen in Tablettenform zum Mitnehmen. Von meinem selbst fabrizierten Verband war der Tierarzt wohl recht angetan, denn er hielt es für überflüssig, mich zum Verbandswechsel noch mal einzubestellen. Das sollte ich in zweitägigem Rhythmus selbst machen, und er gab mir etwas von der Salbe mit. Lediglich falls die Wunde nässt, sollte ich nochmal vorbeikommen.
Rondra genießt ihren Krankenstand nach wie vor und schlief sich heute von Sofa und Körbchen übers Arbeitszimmer inzwischen bis zu ihrem Bett durch. Ein wahrer Segen, denn ich sah mich schon in der Verzweiflung, einen nicht laufen könnenden, aber unausgelasteten Hund bespaßen zu müssen!
Tatsächlich bin eher ich diejenige, die unausgelastet ist. Mir fehlt meine freitägliche Tour am Bismarckturm vom Freitag, heute habe ich das dumpfe Gefühl, noch irgendwas vergessen zu haben, und vor mir liegt ein Sonntag ohne Training und Hundetour.
Kein Wunder, daß ich mich heute schon fast verzweifelt auf Bruno gestürzt habe!
Aber darüber mehr im nächsten Beitrag.
Hier gibt es erst noch mal ein paar Bilder aus glücklicheren Tagen, die ich nun endlich gesichtet habe — nämlich vom Besuch beim Reitbeteiligungspferd der Frau S. aus T. im Juli: