Heute nur Positives — Ein Fazit — Teil II
Zerstörungswut
Als ich überlegt hatte, Rondra zu holen, habe ich in diversen Foren über die Welpenzeit (und auch über diese hinaus) schauderhafte Dinge gelesen: Da berichtete man von angenagten Tischbeinen, zerkauten Türstöcken, abgenagten Tapeten, unsanft aus der Aufhängung geholten Vorhängen und viele andere häßliche Sachen, die Hunde wohl so machen.
Nun haben wir erst angebaut und wohnen daher in einer Wohnung mit vielen schönen neuen Dingen. Die erste Reaktion meiner Mutter, als sie erfuhr, daß wir uns einen Hund anschaffen wollen, war auch: “Kind, jetzt habt ihr alles so schön neu gemacht — wollt ihr das wirklich?”
Nun ist Rondra schon 10 Wochen lang hier. Wenn ich mich in der Wohnung umsehe, bin ich erstaunt, wie wenig sie durch den Hund verändert wurde.
Sicher, da gibt es dieses Handtuch, unpassenderweise auf dem Küchenboden, weil Rondra nicht gern auf dem nackten Linoleum liegt, aber gern in der Küche ist.
Oder die ausrangierten Sofakissen, die farblich nicht mehr ins neue Wohnzimmer passen und im Schlafzimmer lagen — bis Rondra sie erst als Feind auserkoren und dann ihre Leidenschaft dafür entdeckt hat, mit dem Kopf auf einem Kissen zu schlafen. Daher befinden sich diese beiden Kissen auf permanenter Rundreise durch die Wohnung.
Zwei Paar Schuhe, die eigentlich in die Altkleidersammlung sollten und nur meiner Nachlässigkeit wegen noch hier sind, wandern ebenfalls als Sparringpartner, Apportier- und Kauspielzeug durch die Wohnung.
Hundehaare sind ein Thema, klar. Besonders auf dem hellgrauen Linoleum in der Küche sieht man sie deutlich, der Rest sammelt sich in großen Flusen hinter den Türen. Ab und an tritt man auch auf einen Kauknochen oder den Rinderhuf, die zu hart sind, als daß sie Rondra in einer “Kausession” zerlegen könnte.
Ich finde das dennoch alles relativ stressfrei: Da saugt/ wischt man eben einmal öfter, und bevor Besuch kommt, sammelt man Kauspielzeuge, Schuhe und Sofakissen von den unpassenden Stellen ab.
Richtige Zerstörung gab es bisher kaum. Einer meiner Birkenstocks nahm als “Kolateralschaden” sein Ende, weil Rondra ihr Kauspielzeug darauf abgelegt hat und im Eifer des Gefechts den Riemen durchgebissen hat (seitdem weiß ich auch, daß ein zweiriemiger Birkenstock mit fehlendem unteren Riemen absolut unbenutzbar ist — no way, damit läuft man nicht mehr!).
Ein Händiehladekabel, das nach dem Abziehen des Händiehs noch in verlockender Weise von der Kommode hing, hat es auch nicht geschafft. Halb so wild: In diesem Haushalt existieren zwei baugleiche Händiehs und damit auch zwei Ladekabel. Inzwischen nur noch eines, und das liegt nun hundesicher auf dem Schrank.
Einmal hat Rondra es auch geschafft, den Rest der Klorolle (dürfte noch eine halbe gewesen sein) abzuwickeln, während ich am Wochenende noch geschlafen habe. Gab noch nicht mal nen Anschiss (wozu auch — die Nummer war gelaufen, ich habe Rondra nicht inflagranti erwischt), dafür aber einen Sonderauftrag für die Altpapiertonne.
Dann gibt es noch diesen Sprung im Händieh-Display: Mein Händieh weckt mich morgens zuverlässig mit drei Weckrufen in zehnminütigem Abstand. Rondra muß 11 oder 12 Wochen alt gewesen sein, als ich das Händieh eines Morgens zwischen Weckruf 1 und Weckruf 2 unvorsichtigerweise am für sie gut erreichbaren Nachttisch ablegte. Als Weckruf 2 recht gedämpft von unter dem Bett erschallte und Rondra eilig aus dem Zimmer floh, hatte ich eine leise Vorahnung (obwohl ich den Sprung erst später — als ich die Brille aufgesetzt habe — entdeckte). Die Ledertasche war wohl zu verlockend.
Inzwischen habe ich herausgefunden, daß ich das Händieh zwischen den Weckrufen in einer Kuhle zwischen Matratzenende und Betthaupt verstecken kann…
Der Rest der Schäden ist marginal und leicht zu beheben: Bepinkelte oder vollgekotzte Badvorleger und Hundedecken sind ein Job für die Waschmaschine, und sonst fällt mir wirklich nichts ein, was Rondra bisher zerlegt hat.
Sicher: Die heißen Phasen wie Zahnwechsel und Pubertät stehen uns noch bevor. Aber ich achte einfach darauf, daß Rondra gut ausgelastet ist und dann ihre Ruhephasen auch als solche genießt und nicht überlegt, wo sie als nächstes ihre Hauer testen kann.
Dazu kommt, daß die Wohnung neu und wohlweislich gleich relativ hundesicher eingerichtet wurde: Keine offenen Kabel (wenn nicht grad Ladekabel rumbaumeln *grr*), Schuhe nur im Schuhschrank, erreichbare Grünpflanzen nur in Nicht-Hunde-Zimmern (bis auf den entweder beaufsichtigten oder weggeschlossenen Drachenbaum im Wohnzimmer, der Rondra beibringen soll, daß es in Menschenwohnungen Erde gibt, in der man nicht buddeln darf).
Wenn Rondra alleine in der Wohnung ist (was auch schon vorkam), dann ist ihr Radius eingeschränkt: Nur Bad und Flur, dafür aber ausgerüstet mit Kaukram. Wenn der vernichtet ist (Putenhals: 10 Minuten, Rinderohr: 15 Minuten, Rinderhuf und Lammbein: immer mal wieder, aber noch keinen komplett geschafft), scheint sie sich einfach schlafen zu legen — zumindest ist sie immer total verschlafen, wenn wir nach 1-2 Stunden wieder kommen.
Nur einmal hat sie sich an der Altpapiertonne in der Küche vergriffen, den Inhalt fein säuberlich geschreddert und über die Küche verteilt. Daher auch der inzwischen eingeschränkte Spielraum, wenn Rondra alleine ist… *g*.