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Rondra

Ein Labradorblog

2. August 2007

Hundenachwuchs mal drei

Wußtet ihr eigentlich, daß Rondras Zwinger Nachwuchs hat? Och, das wußtet ihr nicht?! Dann geht euch ganz schnell schämen!

Und wenn ihr damit fertig seid, geht gucken!

Aber nur gucken, nix anfassen — die Fellknäuel sind alle schon versprochen, so war zumindest der letzte Stand, den ich mitbekommen habe, als ich zuletzt mit Züchters gesprochen habe.

“Nur gucken, nix anfassen!” war auch der Spruch, den Rondra mit auf den Weg bekommen hatte, als wir die Welpen besucht haben. Ich hätte ja gedacht, Madame 100.000-Volt dreht total hohl beim Anblick dieser wuseligen Büschel.

Doch weit gefehlt: Rondra würdigte die Welpen kaum eines Blickes, sondern kümmerte sich lieber um die ausgewachsenen Labradordamen im Hause Horn. Tja, so isse… Je größer, desto besser. Hätte Rondra so ein Geschirr, das man beschriften kann, stünde dort “Gefahrensucherin” drauf.

Rondra hat sogar versucht, bei Mama Zelina wieder an die Zitzen zu gehen. Ich war mir eigentlich nicht ganz sicher, ob sie nach so langer Zeit ihre Mutter wieder erkennt — aber nun weiß ich es. An Mamas momentaner Läufigkeit herumzuschnuppern, war allerdings keine so gute Idee. Denn da tat Zelina das, wofür Mütter jeglicher Rasse berühmt sind: Rüffel verteilen!

Schadet Rondra mal gar nicht — Von mir aus hätte Zelina stundenlang so weitermachen können, hihi!

Hach ja, überall Hunde, ist das nicht schön!?

Inzwischen gibt es nämlich nur noch Hundenachbarn um uns herum: Die Dackel rechts von uns gibt es ja nun schon eine ganze Weile. Doch links von uns wohnte ja die Familie mit dem etwas hundeängstlichen Mädchen, von dem ich hier schon mal geschrieben habe.

“Rondra kommt ja noch ganz klein zu euch, da kann M. sich vielleicht ein wenig gewöhnen und hat dann nicht mehr so viel Angst”, sagte die Mutter vor etwa einem Jahr.

…und dann kam Rüdiger

Nun, Rondra hat wohl ganze Arbeit geleistet: Seit knapp einem Monat wohnt Rüdiger nebenan, ein herzerweichend drolliger kleiner Mischling in gelb. Er kommt aus dem Tierheim, und ich glaube, er hatte keine sehr gute Vergangenheit: Besonders am Anfang war er sehr unterwürfig und schmiß sich sofort auf den Rücken, wenn sich jemand über ihn beugte oder nur laut sprach.

Mit Rondra verstand er sich aber auf Anhieb so gut, daß er anfangs immerzu aufreiten wollte. Nicht, daß Rondra das stören würde — die fängt erst ab 20 Kilo Hund an, hinter sich zu schnappen. Alles was kleiner ist, bedenkt sie nur mit irritierten Blicken, nach dem Motto: “Bist du doof? Wie soll ich denn mit dir um die Wette rennen und fangen spielen, wenn du da rumhängst?”

Wenn Rüdiger Rondra am Zaun sieht, kann er jämmerlich singen, was die neuen Besitzer sehr erstaunte. Schließlich hatte Rüdiger in den ersten Tagen keinerlei Laut von sich gegeben. Doch diese Marotte haben wir ihm schnell ausgetrieben, ebenso wie das ängstliche Auf-den-Rücken-Werfen.

Selbst Leckerlies nimmt er inzwischen von mir, obwohl sein Frauchen Stein und Bein schwor, daß er das nicht tut (aber psst — gegen meine selbstgetrockneten Leberstücke ist er einfach machtlos!).

Ich freu mich so, wenn ich sehe, daß Rüdiger jeden Tag ein wenig mehr Zutrauen faßt und selbstbewußter wird. Der Besitzerstolz ist der neuen Familie deutlich anzumerken, und es ist so schön, daß der kleine Kerl nun vermutlich für den Rest seines Lebens sein Rudel gefunden hat.

Doch damit ist Rüdiger nicht der einzige Hund…

Brunos Odyssee

Bruno (allein schon der Name — wie krass ist das denn?!) haben wir auf einer Hochzeit getroffen. Das klingt total bescheuert, denn welcher verantwortungsvolle Hundemensch nimmt so ein Tier mit auf eine turbulente Hochzeit? Doch bevor sich wer aufregt: Das war alles gut so, no animals were harmed during this wedding.

Bruno kommt aus einem Tierheim in Ungarn.
Dort lag er sechs Jahre lang an der Kette.

Auch das klingt dramatischer als es ist: Er war dort an einer Leine im Eingangsbereich angebunden und war quasi das Maskottchen der Einrichtung: Jeder, der vorbeikam, bedachte Bruno mit Streicheleinheiten. Nicht zuletzt das dürfte der Grund für seine grenzenlose Verträglichkeit und seine Gelassenheit inmitten vom größten Trubel sein.

Nach Deutschland kam er durch Vermittlung. Bei der Familie, die ihn hierhin bringen ließ, war er zwei Tage. Zurückgegeben wurde er mit der Begründung, daß er Katzen jagen würde.

Ja, wer kann das denn erwarten bei einem Hund? Und wie bescheuert sind Menschen eigentlich, verdammt noch mal? Ich krieg echt die blinde Wut, wenn ich nur darüber nachdenke.

Bruno mußte also aus dieser Familie wieder weg, und so kam er zu einer Studentin der Tiermedizin, die die Vermittlerin kannte (so habe ich das zumindest in Erinnerung, aber der Abend war recht lang).

K., die Studentin, kam zu ihm wie die Jungfrau zum Kinde. Sie war eigentlich mitten im Umzugsstress, wollte den pflegeleichten Bruno aber erst mal übergangsweise nehmen, da sich für ihn auf die Schnelle nichts anderes fand. Denn wenn er einmal in einem deutschen Tierheim gelandet wäre, käme er wohl aufgrund seines Alters und seiner kuriosen Vorgeschichte dort kaum mehr raus.

Diese Studentin war Brautjungfer auf der Hochzeit — und nahm Bruno, von dem sie wußte, wie verträglich er war, kurzerhand mit auf die Hochzeit. Nicht zuletzt in der Hoffnung, daß sich auf diesem Weg ein neues Heim für Bruno finden könnte.

Ich wußte erst gar nicht, was es mit Bruno auf sich hatte: Er war wenige Meter von der Festgesellschaft im Schatten an einer Hollywoodschaukel und betrachtete das bunte Treiben so gelassen, daß es für mich gar nicht anders sein konnte als daß er zur Gaststätte gehört und die Umgebung gewohnt ist. Seine Geschichte habe ich erst später erfahren. Ein dutzend Kinder wuselte lärmend um ihn herum, und Bruno genoß es. Es war ein Bild für die Götter!

Ein Gespräch mit der Zwischenbesitzerin und paar Streicheleinheiten später hatte mich Bruno mitten ins Herz getroffen: Ich machte mir den ganzen Abend ernsthaft Gedanken, ob in unser Leben ein zweiter Hund paßt.

Gut, Bruno kann, bedingt durch seine Vergangenheit, kaum Grundkommandos. Leinenführigkeit schien laut Auskunft der Brautjungfer auch ein Fremdwort für ihn zu sein. Aber hey, ich teile mein Leben mit der Wuseltrine Rondra, da ist so ein oller Bollerkopp doch ein Kinderspiel für mich. Und dieser Bruno, das stand fest, war das coolste Tier jenseits der Orthschen Wolke.

Rein zufällig hatten wir Rondra an diesem Abend auch dabei: Alle Leute, denen ich meinen Hund anvertrauen würde, waren mit auf dieser Hochzeit, und so hatten wir die Wahl, sie mitzunehmen oder während der Hochzeitsfeier nach Hause zu fahren, um sie zu versorgen. Da es nicht so warm war und die Hochzeit mitten im Grünen stattfand, nahmen wir sie mit, ließen sie im Auto und gingen ab und zu zu ihr, um mit ihr eine Runde zu drehen, sie zu wässern und zu füttern.

Natürlich durfte sie dann auch mal zu Bruno. Die beiden verstanden sich erwartungsgemäß super. Gut, die Aufreiterei von Bruno war lästig, aber Rondra war auch erst ein paar Tage aus der Läufigkeit raus und roch sicher noch lecker. Rondra hat sich schier den Arsch abgefreut über Bruno und konnte gar nicht genug davon bekommen, ihm die Lefzen zu beschlubbern (wenn sie vor lauter Aufreiterei von Bruno dazukam, hihi!).

Und Bruno hat glatt ein wenig geweint, als Rondra wieder im Auto war. Er hat sich nachts sogar noch einmal auf eine Tour zu ihr begeben (jaha, keine Grundkommandos kennen — aber wissen, wie man rückwärts aus der Leine entwischt!).

Ich war etwas erstaunt, wie kaputt er war, als er wieder zurückkam und sogar vor lauter Erschöpfung Ansätze von Leinenführigkeit gezeigt hat. Aber als ich am nächsten Morgen die großen Matschtatzen am Auto sah, konnte ich mir in etwa vorstellen, wo er gewesen sein muß…

Ach so: Von Bruno gibt es auch Bilder. Allerdings von nicht sehr berauschender Qualität, weil es erstens dunkel war und Bruno zweitens der festen Überzeugung war, daß es Schmusestunde sein muß, wenn Menschen zu ihm kommen. Daher gibt es nur Hund in liegend oder in zwangsweise aufrecht gehalten:

Bruno in Bruno-Grundstellung Bruno, zwangsweise aufrecht

Tja, Gretchen — wie ist es nun mit dir und dem zweiten Hund?

Noch am gleichen Abend habe ich mich schweren Herzens dagegen entschieden. Gleichzeitig habe ich es verflucht, daß mir Bruno nicht ein Jahr später (oder anderthalb Jahre früher) begegnet ist.

Doch im Moment könnte ich keinem der beiden Hunde gerecht werden, wenn ich sie beide hätte: Rondra braucht derzeit 100% von mir, weil sie noch nicht fest im Gehorsam, aber dafür mitten in der Pubertät steht. Auch wenn Bruno nicht viel Ansprüche stellt: Ich würde ihm nicht das zukommen lassen können, was er verdient hat.

Ich habe mich noch übergangsweise als Zwischenasyl angeboten, bis Bruno in einer Familie landet, wo er bis zu seinem Ende gut leben kann. Doch sein jetziges Zwischenfrauchen wollte ihm einen weiteren Wechsel ersparen.

Bruno und seine Geschichte gehen mir bis heute nach. Doch was vor wenigen Tagen noch ein betrübter Seufzer war, ist nun ein breites Grinsen.

Denn Bruno hat ein Rudel gefunden!

Eine Cousine von Frank hat sich in Bruno verliebt, und nach vielen Überlegungen lebt Bruno nun seit Sonntag bei ihr und ihrer Familie. Natürlich gibt es noch viele Fragen und Bedenken, ob sie das alles schaffen werden und ob sie auch alles richtig machen. Aber ich bin mir ganz sicher, daß die ungarische Schmusebacke nach so langer Zeit nun richtig angekommen ist.

Das Beste aber ist: Ich wurde für ein Wochenende im September schon als Hundesitter gebucht! Und September ist schon ganz bald…

Ach, Bruno, du alter Charmeur — Du hast es echt geschafft!

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