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Rondra

Ein Labradorblog

3. August 2006

Hundeschule(n) — Teil 1

Zwei Hundeschulen besucht Rondra. Und zwar deswegen, weil beide sehr unterschiedlich ausgerichtet sind und ich beide interessant finde:

Hundeschule Nummer 1 ist diese. Hier geht es um Kontakte mit Hunden verschiedener Rassen. Auch Bindungsarbeit zwischen Hund und Halter und vor allem viel freies Spiel zwischen den Hunden findet statt.

Ich finde das sehr wichtig, denn obwohl alle Rassen von der Dogge bis zum Yorkshire Hunde sind, haben sie ein sehr unterschiedliches Wesen und kommunizieren ganz anders: Manche Rassen sind zurückhaltender, andere richtige Draufgänger. Wie etwa Rondra, die anderen Hunden gern spielerisch die Pfote auf den Kopf setzt — den Leonberger freut es, den Yorkshirewelpen auf dem Gassigang haute sie damit (zur Belustigung aller) glatt um.

Andere Rassen sind wegen ihres Körperbaus zu mancher Kommunikation gar nicht fähig — wie kriegt man ein Nasenkräuseln bei der Bulldogge mit, und wie soll man ein Stirnrunzeln beim zugewachsenen Bobtail oder beim sowieso stirnfaltigen Ridgeback sehen?

Das Buch “Welpenspielstunde” von Gabriele Niepel habe ich als eines der ersten Bücher gelesen, nachdem klar war, daß Rondra zu uns kommen wird, und die Ideen dort erschienen mir einleuchtend. Umso mehr freut es mich, daß Rondra und ich diesen Kurs besuchen können, weil er nur eine halbe Stunde Fahrt entfernt stattfindet.

Nun könnte man sagen: Der Labrador ist doch sowieso so freundlich, da hat man doch keinen Stress mit anderen Hunden! Ich finde, gerade weil sie so unbefangen auf andere Hunde zugeht (genaugenommen scheint Rondra der Meinung zu sein, alle Hunde existieren nur, um sie zu bespaßen), ist das eine Lektion, die Rondra lernen sollte.

Sicher lernt Rondra auf dem Gassigang verschiedenste Hunde kennen, vom besagten umgeworfenen Yorkiewelpen über Colliemix bis Promenadenmischung. Doch Rondra bringt es einiges, möglichst viele verschiedene Welpen kennenzulernen. Und vor allem hilft es mir als Ersthundbesitzer sehr viel weiter, wie ich bereits bei der Schnupperstunde gemerkt habe.

Zwei Situationen sind mir von der Stunde am Freitag letzte Woche noch besonders deutlich vor Augen:

Kaum, daß sie auf dem Platz war, tobte Rondra sehr eifrig mit anderen Hunden unterschiedlichster Rassen. Die Spielaufforderungen gingen klar von ihr aus, und ich hatte das Gefühl, sie suchte sich bewußt auch größere Welpen raus. Sie rangelten recht wild, mit Zähnefletschen, in die Luft schnappen und den anderen Hund am Boden halten.

Die Trainerin ging ein paar Mal harsch dazwischen. Da fiel mir auf, daß ich nur wenig Gefühl dafür habe, wo das Ganze noch Spiel ist und wo man die Hunde trennen sollte: Es gab Situationen, wo ich dachte, man sollte einschreiten, die sich später aber nur als wildes Gerangel herausstellten. Bei anderen Keilereien, die ich als Spaß sah, ging die Trainerin dazwischen und erklärte mir, Rondra würde gerade gemobbt.

Komischerweise waren aber wohl Rondra und die Trainerin unterschiedlicher Auffassung: Genau zu diesen Hunden ging Rondra immer wieder hin und forderte sie heraus. Entweder habe ich einen Hund mit echten Nehmerqualitäten oder einen mit masochistischer Ader… *kicher*.

Die andere Situation, die mir sehr schmeichelte, hat mit der Bindungskomponente der Welpenschule zu tun: Nach dem freien Spiel wurden die Hunde nacheinander von der Trainerin festgehalten, während sich der Halter in einem Zelt verbergen sollte. Danach sollte man seinen Hund rufen.

“Verdammte Axt”, dachte ich mir, “da gibste nen guten Einstand zur ersten Stunde: Deine Nase nutzt sicher die Chance ohne Frauchen und Leine und geht stante pede zu den beiden Ridgebacks, von denen sie schon vorher nicht genug bekommen konnte. Und du hockst im Zelt und lockst dich kaputt!”

Da ich gerne mal ein paar Euro zahle, um mich vor versammelter Menge zum Affen zu machen, gab ich Rondra bei der Trainerin ab, kehrte beiden den Rücken und ging los zum Zelt. Zum Glück hatte ich für die Welpenstunde Begleitung dabei. Die berichtete mir nämlich, was sich hinter meinem Rücken abspielte: Kaum war ich unterwegs, war Rondra nur unter Protest zu halten — beim ersten Ruf von mir preschte sie los.

Gut, wir werden Abzüge in der B-Note bekommen, da Rondra nicht so ganz klar war, daß und wo so ein Zelt den Eingang hat und sie deswegen ein paar Mal planlos ums Zelt gedonnert ist… Aber mein Frollein wollte zu mir, und allein das zählt!

Rondra mit den anderen Hunden so toben zu sehen und die Sicherheit zu haben: Auch, wenn ich es nicht beurteilen kann, wann es wem zu viel wird — es ist jemand da, der das im Blick hat und bei Bedarf einschreitet. Das ist für mich gut investiertes Geld.

Und dann: Nachdem ich die ganze Zeit der Meinung war, ich sei meinem Hund so piepegal, daß er mich für jeden x-beliebigen dahergelaufenen Spielkameraden vergessen würde (wahrscheinlich würde jeder über Jahre hinweg verzogene Köter nach drei Minuten Training mehr Bindung zeigen als meine ablenkbare Kröte nach drei Wochen) — Dann der Anblick meiner kleinen Wühlnase, die auf mich zuprescht und mich trotz der Ridgebacks sucht wie bekloppt…

…Unbezahlbar!

3 Kommentare zu “Hundeschule(n) — Teil 1”

  1. Rondra » Blog Archive » Hundeschule(n) — Teil 2 am 3. August 2006 um 00:54

    WP 3. August 2006 « Hundeschule(n) — Teil 1 …


  2. Frauke am 4. August 2006 um 14:25

    Also, ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass irgend jemand immer treffsicher erkennen kann, wann eine Rauferei unter den Hunden eine ernste Sache ist und wann noch Spaß - jedenfalls nicht, solange alle Beteiligten noch so jung sind. Denn auch diese “Sprache”, die verdeutlicht, ob man es ernst meint oder nicht als Hund, muss erst gelernt werden und ist keinesfalls angeboren (in allen Nuancen jedenfalls nicht). Insofern ist die Aussage, Hunde würden einander “mobben”, leider auch kompletter Schwachsinn. Bei gesunden, normalen Hunden passiert bei Rauferein fast nie was, weil auch der Unterlegene das ja höchstselbst merkt und sich entsprechend unterwerfen kann. Anders ist die Sache nur, wenn der andere Hund psychische Defekte hat (also der überlegene Hund) - und DAS können Hundetrainer beurteilen und sollten gestörte Tiere nicht in die Spielgruppe lassen… :o )


  3. towanda am 4. August 2006 um 21:44

    Bei dem Wort “mobben” kräuseln sich mir auch etwas die Nackenhaare: Es kommt mir wie eine Vermenschlichung vor, zu der er Hund wohl gar nicht fähig ist - schon gar nicht ein Welpe, wie Du schon sagst. Allerdings glaube ich schon, daß nicht jeder Welpe merkt, wenn es dem anderen zu viel wird, oder daß der andere seine Unterwerfung nicht klar ausdrücken kann. Sind halt noch Welpen und müssen das noch lernen.

    Mich fasziniert, was bei der Körpersprache der Hunde untereinander alles passiert - und das in Sekundenbruchteilen. Da bin ich gerade als Neuhundebesitzerin schon froh über jemandem mit geschultem Auge. Und vor allem einem unparteiischen Auge, denn ich bin definitiv befangen… ;-)

    Die Trainerin schritt später jedoch auch nicht mehr ein, als Rondra nach der Trennung wieder von sich aus zu den großen Hunden hin ging. Daher gehe ich mal davon aus, daß sie ihr vorheriges Einschreiten dann auch als falsch erkannt hat.
    Wahrscheinlich war sie auch nur übervorsichtig gegenüber einer Neueinsteigerin. Konnte ja keiner ahnen, daß mein schwarzer Wirbelwind gleich die Großen aufmischt… *kicher*.


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