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Rondra

Ein Labradorblog

22. April 2007

Jagdtrieb, Pubertät? — Schleppleine, Baby!

Zusätzlich zu der Erkenntnis unseres heutigen Ausflugs, daß man sich beim Hund eben nicht immer alles erklären kann, nehme ich eine neue Erfahrung mit:

Schleppleine ist derzeit definitiv das Mittel der Wahl bei unserer pubertierenden Zicke.

Eigentlich hatten wir heute das Teil nur für das Dummietraining mit. Doch auf dem Rückweg beschlossen wir, statt Leinenführigkeitstraining die Schleppleine einzusetzen.

Der Weg, den wir gingen, ist eigentlich recht beschaulich, mit Sumpfwiesen links und Feldern rechts. Eine Idylle, in der ein Hund locker nebenher traben und die Landschaft genießen könnte.

So denkt der Mensch.

Für den Hund sieht das Ganze so aus:

“Woah, hier riecht es aber lecker! Diese Plastikdinger kenn ich, da gibt es immer feine Dinge — Da halte ich mal die Schnauze rein!” (Die “Idylle” ist leider auch ein Fetenort, wo gern mal Reste von Gelagen liegenbleiben.)

[Hund hat vor lauter Schlemmereien die Ohren zu und überhört den Pfiff. Also wird sie vom heranstürmenden Frauchen am Halsband gepackt und geschimpft. Hund dreht Blick also gehorsam vom verbotenen Plastikkram ab. Ihr Blick schweift nach links.]

“Hat da nicht was geraschelt? Doch, hat es… Ich muß da hiiiiiiiiin!”

[Hund flitzt los und befindet sich Sekunden später zwischen aufflatternden Enten. Hund ist leicht verwirrt, denn für aufflatternde Enten greift sein normales Handlungsschema namens “Hinterher!” leider nicht.
Herrchen läuft, so schnell er kann und holt irritierten Hund wieder aus der Sumpfwiese ab. Wegen seiner durchgesifften Schuhe bleibt er für den Rest des Weges verstimmt.
(Das Herrchen. Nicht der Hund.)]

“Am Wegrand zu den Plastikdingern darf ich nicht. Nach links zu den Flatterdingern darf ich nicht. Was ist eigentlich rechts? Ui… große Dingens auf zwei langen Beinen! Das muß ich untersuchen!”

[Frauchen macht mit dem Ruf “Verdammt — Reiher! Die kennt sie noch nicht!” ein paar schnelle Schritte auf den Hund zu, die ihre Opfer bereits fixiert. Frauchen begräbt den Traum vom freihändigen Spaziergang im Grünen mit den grimmigen Worten: “Und jetzt eine Extra-Trainingseinheit in Leinenführigkeit!”]

So in der Art lief unser Spaziergang neulich ab. Die Leinenführigkeit, in so anlenkungsreicher Umgebung, war Stress pur für Mensch und Tier. Irgendetwas gelernt hat bei dieser Aktion vermutlich keiner.

Heute, als wir die Schleppleine einsetzten, war es ganz entspannt: Wir wußten, daß wir im Ernstfall doch noch die Kontrolle über Rondra haben würden, und Rondra mußte sich nicht die ganze Zeit von der kurzen Leine gängeln lassen, wo es doch überall interessant riecht und die Umgebung ungewohnt ist.

Für diese Vorteile für beide Seiten nehme ich das bißchen Gewickel mit der Schleppleine gern auf mich.

Nicht falsch verstehen, bitte: Die Schleppleine ist zwar für uns eine Möglichkeit, relativ entspannte Freizeitspaziergänge zu machen, ohne uns groß um Leinenführigkeit und Gehorsam bemühen zu müssen. Doch ersetzen tut sie das keineswegs. Es ist nur so, daß Leinenführigkeit Rondras großes Nachsitzerfach ist. Und damit nichts, was ich jetzt schon auf fremden Wegen mit viel Ablenkung trainieren möchte. Das geht gnadenlos schief und ist nur Frust für beide Seiten.

Doch mit der Schleppleine kann ich dennoch solche Touren mit Spaß machen, ohne Angst zu haben, daß mir Rondra alle naslang abhaut und ich sie maßregeln muß. Mit der Schleppleine heute hatte ich den Eindruck: Sie weiß, daß man zwar schon mal etwas weiter entfernt von Herrchen und Frauchen schnuffeln kann — Aber mit den richtig spannenden Aktionen komme ich nicht durch.

Und für jeden Blick zu uns und jedes Kommen auf Ruf gibt es Lob und Leckerlies. Denn wir sind doch viiiieeeel besser als Naschereien am Wegrand, Reiher oder Enten!

Ich will es auch morgen auf unserem morgentlichen Gassigang mit der Schleppleine versuchen. Der wird nämlich immer mehr zum Spießrutenlauf zwischen Hasen, Tauben und sonstigem Getier, was so über die Felder kraucht und in Rondras Augen nur dafür gemacht wurde, um von ihr aufgescheucht zu werden.

Daher absolvierten wir diesen Gang letzte Woche größtenteils an der Leine, und ich hatte ein ganz schlechtes Gewissen, ob ich Rondra damit nicht zu sehr einschränke. Doch die Alternative wäre eine Rondra, die mit Hurra ab ins Getier stürmt.

Eigentlich könnte es mir egal sein, wenn Rondra mal in eine Meute Tauben oder Krähen flitzt und diese aufscheucht. Die fliegen hoch und sind weg, das tut keinem weh. Doch es ist Jagdtrieb, und ich möchte nicht, daß Rondra daran Spaß findet. Tauben und Krähen aufscheuchen ist für sie das Gleiche wie Kaninchen, Katzen oder Rehe zu hetzen.

Diese Tiere haben dann aber Todesangst. Dazu brauche ich keine Gesetzgebung, die mir sagt, daß Hunde, die außerhalb der Kontrolle ihres Führers jagen, als wilderne Hunde gelten. Es reicht mir meine Ethik, um mir zu sagen, daß das nicht sein sollte.

Ich habe noch Glück: Rondra hat (noch) nicht begriffen, daß sie eine Nase hat. Sie jagt nur auf Sicht, das aber leidenschaftlich und ausdauernd. Einen Hasen, den sie sieht, wird sie verfolgen. Da kann ich pfeifen und mit Bällchen wedeln, bis ich schwarz werde. Stattdessen könnte ich sie wohl Stunden später am Hücker Moor oder so abholen.

Ich bin sehr gespannt, wie es werden wird. Meine Hoffnung ist ja, daß sich durch die Schleppleine in Rondras Kopf festsetzt: “Egal, was ich vorhabe — die da hat immer noch Einfluß auf mich. Und wenn ich zu der Tante mit den Bällchen und den Leckerlies komme, ist das viel besser als Getier zu hetzen.”

3 Kommentare zu “Jagdtrieb, Pubertät? — Schleppleine, Baby!”

  1. Alex am 24. April 2007 um 11:36

    Hi,

    wollte dir ja noch sagen das wir die Pubertät so gut wie überstanden haben. unser hund hat es tatsächlich geschafft durch einen haufen flatternder hühner bei fuss ohne leine zu laufen.

    ansonsten scheinen die hundis in der pubertät alle gleich zu sein :)

    und wegen den bildern: tja ich weiß auch nicht wo der mann die alle versteckt. ich glaub ja die liegen alle in einem geheimen programm auf seinem mac. dafür freu ich mich auf rondra bilder

    lg
    alex


  2. towanda am 28. April 2007 um 21:12

    Ui — sei Dir meines Neides versichert! Davon ist Rondra noch meilenweit entfernt! Immerhin werden (an guten Tagen) bei Joggern, Radfahrern und anderen Spaziergängern Ablenkungsversuche von Frauchen inzwischen akzeptiert und führen zum Erfolg.
    Zuverlässigkeit ist aber was anderes.

    Und mit Deinem Mann mußt Du mal ein ernstes Wort wegen der Bilder reden ;-) !


  3. Für Towanda, thomas gigold am 2. Mai 2007 um 12:02

    … und all die Anderen, die gern Porthos-Bilder wollen ;-) (Und Nein, heute ist nicht Freitag) …


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