ul7

Rondra

Ein Labradorblog

30. August 2007

Kaputter Hund

Seit ein paar Wochen juckt es mich jedesmal in den Fingern, wenn ich über die Werrebrücke fahre und die netten Wege der Böschung entlang sehe. Jeder normale Mensch denkt sich bei diesem Anblick wahrscheinlich “Och, schau mal, die Werre!” oder “Och, Wasser und Enten, wie romantisch!”.

Dem Labradorbesitzer aber geht das Herz auf, und er denkt sich: “Och, Wasserapport!”

Heute habe ich mich mit leichtem Marschgepäck (Regenjacke, Leckerlies, Pfeife und statt Rucksack nur ein Dummy) auf den Weg gemacht. Vom Ufer aus sah es gut aus — keine Enten. Doch kaum kam ich mit Rondra die Böschung hinunter, machte sich vom nicht einsehbaren Ufer aus eine Entenfamilie auf.

Zum Glück führt der Fußweg weiter an der Werre entlang, und etwas weiter fanden wir eine nette Stelle ohne Enten, ohne Müll an der Böschung und mit einem feinen Einstieg ins Wasser. Dort warf ich Rondra das Dummy ein paar Mal, und sie genoß es, das Teil wieder zu bringen.

Nach einer Weile sah ich einen gelben Hund vom Fußweg aus auf uns zuflitzen. Normalerweise mag ich unangeleinte Hunde mit einem weit entfernten Hundeführer nicht. Aber die Hündin schien freundlich zu sein, und wir hatten ja auch schon ein wenig gearbeitet, so daß die Störung nicht so schlimm war.

Das Frauchen dazu, das wenig später erschien, war auch sehr nett, und wir unterhielten uns, während die Hunde spielten. Ab und zu warf ich ihrer Hündin das Dummy ins Wasser, und sie (die Hündin, nicht das Frauchen!) brachte es begeistert wieder. Für Rondra war es nicht schlimm, “ihre” Beute abzugeben — sie begnügte sich damit, der Hündin hinterherzujagen und dem Frauchen Leckerlies abzuschwatzen.

So tobten die Hunde, und wir unterhielten uns ganz nett — eigentlich ein guter Spaziergang. Bis Rondra plötzlich am rechten Hinterlauf lahmte. Ich dachte, sie hätte sich einen Dorn in den Fuß getreten, wie es schon öfter der Fall war. Also tastete ich ihre Pfote ab, was sie ruhig geschehen ließ.

Ich spürte nichts, aber als ich die Hand wegzog, hatte ich Blut daran. Ich entdeckte schließlich einen Schnitt zwischen dem großen Ballen und einem der kleineren Ballen. Nicht breit, aber elend tief.

Klar, daß ich sofort zum Rückzug rief. Und ebenso klar, daß in meinem Kopf ein Notfallplan ablief: “Tierarzt? Aussichtslos, abends um halb acht! Tierklinik, Notaufnahme? Mach dich nicht verrückt, es ist nur ein Schnitt! Verbluten tut sie daran nicht!”

So haderte ich mit mir, als ich den Hund ins Auto lud. Die Pfote hatte Rondra auf dem Rückweg zwar teilweise wieder fast normal aufgesetzt, aber im Auto leckte sie sofort wieder dran. Sicherheitshalber plünderte ich meinen Erste-Hilfe-Kasten im Auto für die Erstversorgung zu Hause und holte mir neben Tipps auch noch ein Desinfektionsspray vom Schwager. Wie gut ist es doch, einen gut sortierten Krankenpfleger im Haus zu haben!

Nach einem Trocknungsgang — immerhin war das Tier noch patschnass vom Spiel in der Werre! — bekam Rondra erst mal eine Fußdesinfektion und einen hochprofessionellen Verband spendiert. Was ihr relativ gleichgültig war, denn es fand auf dem Sofa statt, und das ist prinzipiell immer gut.

Dort genoß der Hund auch seinen Krankenstand sichtlich. Denn wenn gar nichts mehr geht — Extreme-Fläzbäring geht immer:

Kaputter Hund 1 Kaputter Hund 2

Zwar läßt Rondra (wohl aufgrund der Müdigkeit) derzeit schön die Zähne vom Verband. Aber ich hab noch keine Ahnung, wie ich morgen früh das Gassigehen bewältige. Einen Pfotenschutzschuh habe ich nicht und konnte ihn auch abends nach Ladenschluss nirgendwo mehr auftreiben.

Vermutlich ist ein von Tau/ Regen durchgesiffter und danach erneuerter Verband auch besser als Dreck direkt auf die Wunde. Aber ob Rondra das Teil in ausgeschlafenem Zustand noch duldet bzw. ob ich bei entsprechenden Versuchen von ihr morgens (noch vor sechs Uhr!) rechtzeitig und effektiv intervenieren kann, wage ich zu bezweifeln.

Herrchen, der derzeit beruflich in Polen weilt, hat jedenfalls darauf bestanden, daß wir morgen nachmittag zum Tierarzt gehen. Er hat im Fernsehen mal gesehen, wie einem Labrador eine vereiterte Kralle komplett gezogen werden mußte. Er hat mir das sicherheitshalber in allen Farben noch einmal beschrieben und fast alle Bakterien, die in Werre, Wald und Flur lauern, persönlich benannt.

Ich wäre zwar sowieso morgen zum Tierarzt gegangen. Aber nun befürchte ich fast, daß ich diese Nacht stündlich aufwachen werde, um zu kontrollieren, ob Rondra nicht einer spontanen Sepsis anheimfällt.

3 Kommentare zu “Kaputter Hund”

  1. Rondra » Blog Archive » Das Ende des Krankenstandes am 17. Oktober 2007 um 21:59

    Ich bin euch noch eine Erklärung schuldig, wie die Sache mit Rondras zerschnittener Pfote ausging. …


  2. Rondra » Blog Archive » Sind Sie…? am 17. Oktober 2007 um 22:07

    Letzte Woche waren wir mal wieder in Sachen Wasserapport unterwegs. An der Aa, die ich anfangs fälschlicherweise als Werre angesehen habe (und wofür ich mich noch immer schäme — nach über fünf Jahren in Herford sollte man sowas wissen!) und wo sich Rondra auch die Pfote zerschnitten hat. …


  3. Rondra » Blog Archive » Hmmmpf… Schon wieder die Pfote kaputt! am 24. April 2008 um 22:07

    Da es sowieso nichts zu nähen gab, bin ich auch erst mal nicht zum Tierarzt, sondern habe Rondra selbst versorgt — ein Grundstock Verbandsmaterial ist ja von der letzten “Kaputte-Pfote”-Aktion noch über, Nachschub wurde gleich beim hausinternen medizinischen Personal geordert. …


Diesen Artikel kommentieren