Kennelgewöhnung
Ich schrub ja bereits, daß es etwas schwierig mit dem Alleinebleiben ist. Doch es nützt alles nix: Am Montag geht die Arbeit los, und der Hund muß mit. Gerne auch, ohne die Büroeinrichtung zu zerlegen, und daher im Kennel.
Seit knapp zwei Wochen füttern wir konsequent nur im Kennel, damit Rondra ihn mit etwas Positivem verknüpft. Freiwillig reingehen klappt trotzdem nicht, und Tür-zu gibt immer Gejammere. Natürlich war ich so schlau, Rondra immer erst dann wieder rauszulassen, wenn sie ruhig war, um ihr Verhalten (Jammern) nicht zu bestätigen. Und ich hab fleißig gelobt, wenn sie ruhig war. Mit Worten und Leckerlies.
War dennoch nüscht. Houston, wir brauchen eine neue Taktik!
Tag 1:
Am Sonntag in der Hundeschule riet man mir, Rondra dann in den Kennel zu packen, wenn sie sowieso müde war (hatte ich bisher auch), und das Gejammere einfach zu ignorieren bzw. bei zu viel Jammern oder Kläffen auch mal ein klares scharfes NEIN! zu geben. Schließlich ist Rondra sehr selbstbewußt und robust, da braucht es klare Ansagen.
Hab ich auch umgehend versucht, direkt nachdem Rondra von der Hundeschule etwas runtergekommen war und müde.
Nach einer Stunde Winseln und Bellen eines eigentlich todmüden Hundes habe ich das kalte Grausen bekommen: Die schaukelte sich darin total hoch — wie soll Rondra dieses schreckliche Ding in einer Woche als ihren Platz ansehen, auf den sie sich gerne zurückzieht?!
Ich hatte nur noch auf einen Moment gewartet, wo Rondra ruhig ist, um sie rauslassen zu können. Als es soweit war, spazierte sie an mir vorbei in die Küche, ließ sich unter den Tisch plumpsen — und schlief tief und fest vier Stunden am Stück.
(Nein, das Argument “Rondra wollte zu Frauchen” zählt hier nicht: Ich war währenddessen nicht in der Küche.)
Tag 2 und 3:
Aus einem Forum bekam ich die umgekehrte Variante geliefert: Warum ein Hund, der bellt, weil er nicht aus dem Kennel raus darf? Das geht auch umgekehrt! So packte ich am nächsten Tag für Rondra sichtbar ein Stück getrockneten Putenhals in den Kennel und machte die Tür zu. (”Sichtbar für den Hund” wäre unnötig gewesen — habt ihr ne Idee, wie sehr getrocknete Putenhälse stinken?! So viele Fenster kann man gar nicht aufmachen!)
Rondra saß erst bellend und dann nur noch schwanzwedelnd vor der Türe. Nach ein paar Stunden durfte sie rein. Tür auf, Hund rein, gelobt (war eigentlich doppelt gemoppelt, der Putenhals war schon Bestätigung — aber doppelt hält besser!), Tür zu.
Ergebnis: Glücklich knurpsender Hund im Kennel. Frauchen schaltete währenddessen alle ihr zur Verfügung stehenden Geruchsrezeptoren aus und blieb in Sichtweite vor der Kenneltüre.
Doch selbst der längste und stinkendeste Putenhals hält nicht ewig, und so fing Rondra wieder an zu meckern. Diesmal allerdings deutlich weniger heftig als am Tag 1. Wieder lobte ich ruhige Phasen und tadelte allzu lautes Protestieren.
Zu lange wollte ich mein Glück aber auch nicht strapazieren. Außerdem war es heiß, und ich hatte Rondra nichts zu trinken in den Kennel gepackt. Hätte ja auch sein können, daß sie Durst hat. Oder daß sie muß, weil es ja heiß war und sie schon viel getrunken hatte.
Einen Putenhals plus etwa eine halbe Stunde später, also insgesamt vielleicht eine gute Stunde später, durfte Rondra wieder in die Freiheit.
Zusätzlich habe ich an diesem Tag angefangen, Rondra tagsüber regelmäßig von ihren Schlafplätzen (Küche, Bad) einzusammeln und in den Kennel zu verfrachten, wenn sie mal wieder das Spontankoma ereilt hatte. Schlafende Hunde protestieren nicht gern, und ich baute auf so eine Art “unterbewußte Kennelgewöhnung”.
Ich hatte allerdings den Eindruck, daß sie im Kennel nicht so fest schlief wie an anderen Orten, und daher nahm ich mir vor, sie nicht immer in den Kennel zu legen, wenn sie mal wieder Prinzessin Valium war. Auch wenn der Hund “selbst schuld” ist, wenn er im Kennel nicht richtig pennt: Schlafentzug ist Folter, und Tiefschlafphasen sind heilig, jawoll.
Tag 4 und 5:
Man höre und staune, Towanda zeigt erste Ansätze von Konsequenz und probiert diesmal keine neue Methode. Stattdessen wird ausgebaut: Während ich am vorherigen Tag noch in Sichtweite für Rondra war, ging ich jetzt in die angrenzenden Räume. Damit Rondra weiß, daß ich noch da bin, machte ich Alltagsgeräusche, die Rondra kannte (Spülmaschine ausräumen, Kochen, etc.).
Nun hat der Mensch ja auch Sachen zu erledigen, die keine Geräusche machen. An diesem Punkt wird es etwas peinlich für mich. Doch für den Hund mache ich mich ja gern zum Affen…
Damit Rondra nicht denkt, ich sei für immer verschwunden und sie auf ewig im Kennel gefangen, singe ich. Bevorzugt ein Medley spezieller Hundelieder, die meinem wirren Geist entfleuchen: “Kleiiii-ner Hund, wir ham dich lieb, kleiii-ner Hund, ganz viii-eeel!” auf “Alle Vöglein sind schon da”, zum Beispiel. Oder “Du maaaaa-chst das gut, mein kla-hai-ner Hund, bist iiii-mmer lieb und meist ge-sund, du liiiebes kla-hai-nes Huuu-ndi” auf “Geh aus mein Herz und suche Freud”. An dem Text auf “Fuchs du hast die Gans gestohlen” arbeite ich allerdings noch.
Mittlerweile stellt vermutlich die komplette Nachbarschaft Spekulationen über meinen psychischen Allgemeinzustand an (und die Züchter werden mir Rondra sicher bald wegen gravierender Grausamkeit bei der Haltung wieder wegnehmen, hihi).
Aber Rondra ging es ganz gut damit: Sie hat kaum gemeckert und teilweise sogar tief und fest geschlafen:
Zwischen beiden Bildern liegen zehn Minuten, und bevor ich das zweite Bild gemacht habe, war Rondra zwar seit ein paar Minuten wach und die Kenneltüre offen — aber sie ging dennoch nicht raus. Sicher, ich hatte einen entscheidenden Vorteil: Der Hund kränkelte und hatte am Vortag seine Impfung bekommen. Trainingsrückschritte in den folgenden Tagen wären also nicht verwunderlich.
Tag 6:
Tag 6, das war heute.
Kranker Hund? Hier? Nein!
Natürlich wird nach wie vor geröchelt und geschnieft. Doch Frollein fordert ihr Pensum und droht ansonsten mit extremer Unleidlichkeit und Lagerkoller.
Nach einem ausgibigen Vormittagsprogramm (Besuch meiner alten Arbeitskollegen und auch Stippvisite beim jetzigen Arbeitgeber, damit Rondra schon mal weiß, wo sie ab Montag tagsüber ist), war die kleine Spaßnase tatsächlich müde. Ab in den Kennel, und das sehr problemfrei.
Ich spannte meinen Radius diesmal weiter und ging sogar mal für kurze Zeit vor die Türe. Das behagte ihr zwar nicht, aber der Terror hielt sich in Grenzen und war mehr als Verwunderung zu werten. Rondra entspannte sich gleich, als sie mich wieder sehen konnte (normalerweise wäre an dieser Stelle ein deftiges “Frau-cheeeeen! Laß mich raaaauuuus!”-Gewinsel angesagt gewesen).
Insgesamt pennte sie drei Stunden tief und fest im Kennel. Wenn ich dran denke, wie sie da drin noch vor fünf Tagen rotiert hatte, obwohl sie da genauso müde gewesen sein dürfte…
Fazit: Projekt Kennelgewöhnung läuft! Morgen “darf” sie dann für mehr als nur ein paar Minuten ganz allein in der Wohnung im Kennel bleiben, und ich bin recht zuversichtlich angesichts unserer bisherigen Fortschritte. Außerdem habe ich auf der Arbeit ja den Vorteil, daß mein Büro - im Gegensatz zur Wohnung - noch nicht “ihres” ist: Vielleicht ist angesichts der fast fremden Umgebung der Kennel dann ja ein gern angenommenes Eigenheim.
Wir werden sehen!
Hey super, das ist ja auch eine klasse Idee gewesen mit dem Putenhals (hab so eine ungefähre Ahnung, wie das wohl riecht… huuaaaah). Na, schön, dass es funktioniert hat. Und eine Schönheit ist die Süße ja auch noch! Glückwunsch!
Dankeschön…