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Rondra

Ein Labradorblog

18. Mai 2007

Labradore im Wald

Diese Woche gab es im Wald eine kuriose Begegnung. Ich hatte Rondra frei laufen und hörte Leute entgegenkommen. Also rief ich Rondra und leinte sie an.

Als ich mich bückte, sah ich durch das Gebüsch eine schwarze Silhouette schimmern und dachte mir so: “Och, das könnte ein Labrador sein, wie nett!”

Mit Rondra an der Leine bog ich um die nächste Kurve — und blieb wie angenagelt stehen: Nicht nur ein Labrador, sondern gleich drei standen vor uns! Einmal braun und zweimal schwarz.

Die Halterinnen der anderen Hunde standen da, guckten auf Rondra, dann auf ihre Hunde und waren ebenso verdutzt. Schließlich mußten wir ganz fürchterlich lachen, weil die Situation so komisch war.

Unterhalten haben wir uns dann aber nicht: Die beiden Halterinnen waren Engländerinnen, und mein Schulenglisch ist inzwischen doch sehr eingerostet. Unter den erschwerten Bedingungen “enger Waldweg”, “halber Zentner vergnügungssüchtiges schwarzes Fell” und “Ablenkung durch drei fast genauso neugierige Hunde” wäre es sicher auch nicht besser geworden.

Aber lustig war es…

Weniger lustig war der Spaziergang letzte Woche, bei dem mir fast das Herz in die schmutzige Hose gerutscht wäre.

Das Wetter war trotz regnerischem Tag abends wunderbar. Daher entschloß ich mich, die große Runde mit Rondra im Wald zu gehen, die ich nicht so oft laufe und auch nicht so gut kenne.

Rondra schnuffelte beschwingt am Wegrand herum, während wir durch den Wald gehen. Plötzlich dachte sie wohl: “Och, ich geh mal wieder zu Frauchen, die hat immer so leckere Sachen in der Tasche!”

Grundsätzlich ist das eine nette Sache vom kleinen schwarzen Hund. Und da Rondra ein Vollgashund ist, stellen einige gefällte Baumstämme, die zwischen Waldweg und Schnuffelstelle liegen, auch kein Problem dar. Im Gegenteil: Hüpfen ist fast genauso toll wie Rennen.

Diesmal setzte Rondra allerdings zum Sprung an — und blieb bäuchlings auf einem Stamm liegen. Dann rappelte sie sich wieder auf und guckte in meine Richtung. Gerade, als ich über ihre Tollpatschigkeit lauthals lachen wollte, lief sie los, jaulte, setzte sich und putzte sich.

Am Baumstamm sah ich ungefähr da, wo Rondra gelegen hatte, einen Aststumpf etwa zehn Zentimeter weit vorragen. Sollte sie sich den bei ihrem Sturz etwa in den Bauch gestoßen haben?

An ihrem Bauch war nichts zu sehen, noch nicht mal die klitzekleinste Abschürfung, die der Ast sicher hinterlassen hätte. Ich schob Rondras Reaktion auf den Schreck und war schon beruhigt.

Bis ich sah, daß sie hinkte. Den einen hinteren Lauf setzte sie gar nicht erst auf und hatte offensichtlich Schmerzen.

Wie gut, daß ich die ungewohnte große Runde gelaufen war und gar nicht genau wußte, wie weit es bis zum Auto noch sein würde! Ich sah mich schon einen lahmen Hund eine Stunde durch den Wald schleppen.

Rondra lief zwar schlecht, aber sie lief. Ich nahm sie vorerst an die Leine und versuchte mein Glück. Einige Minuten später trafen wir einen Mann mit einem Rottweiler. Ein bildhübsches Tier, wie auch die gehandicappte Rondra fand. Auch der Rottweiler war sehr interessiert, und es tat mir so leid, den beiden das Vergnügen nicht gönnen zu können.

Dem Halter schilderte ich mein Problem, und er sagte mir, das es noch etwa ein Kilometer bis zum Parkplatz sei.

Uffz, Mädchen, das ist zu schaffen — Auch ohne Getragenwerden!

Rondra lief den Rest der Strecke zusehends runder, so daß es wohl nur ein kleines Vertreten des Hinterlaufs war ohne ernsthaften Schaden. Am nächsten Morgen war das Humpeln auch schon wieder weg.

Doch der Schreck blieb. Und die Frage: Was wäre, wenn Rondra sich wirklich mitten im Wald so verletzt, das sie nicht mehr laufen könnte?

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