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Rondra

Ein Labradorblog

26. Januar 2008

Läufigkeit, die Dritte

Ich gehe an meinen noch aufzuholenden Schreibberg mal chronologisch dran und beginne mit der letzten Läufigkeit. Die begann planmäßig (Rondra ist wirklich fast genau auf halbjährige Abstände “geeicht”) kurz vor Weihnachten und hatte es diesmal echt in sich.

Bei den ersten beiden Läufigkeiten war Rondra ja von der in ihr wabernden Hormonmasse überwiegend verwirrt und wußte nicht viel damit anzufangen. Sie lag eigentlich nur melancholisch in der Gegend herum und richtete ab und an einen müden, fragenden Blick auf mich: “Hach, Frauchen, was is mir heut komisch… Wie kommt das nur?!”

Nicht so dieses Mal: Die Feiertage verbrachte ich mit einem markierwütigem Monster, und ins neue Jahr startete ich mit einer Sexbombe an der Leine, die nahezu jedem, der sich nicht wehrte, ihr Allerheiligstes darbot.

Sie hatte es perfekt raus, fünf Minuten nach dem Gassigang (auf dem sie sich drei Tröpfchen Pipi abgerungen hatte) herzerweichend zu winseln, um anschließend die gleiche Stelle wieder mit einer Minimalmenge an Urin zu versehen. Es wäre ja nicht auszudenken, wenn ihr großer starker Traumprinz vorbeikommt und dann mangels Aroma nichts von ihrem Zustand erfahren würde!

Es dauerte nicht lange, bis wir ihrem Spielchen auf die Schliche kamen. Und seitdem wiederholte sich folgende Szenerie mehrmals täglich mit verteilten Rollen bei Frank und mir:

Rondra: [jammert herzerweichend]
Frank (durch die Wohnung rufend): Der Hund jabbelt! Warst du mit ihr?
Ich: Ja, vor fünf Minuten!
Frank (zu Rondra): Tja, Pech gehabt!
Rondra: [läßt sich dramatisch auf ihren Platz fallen, seufzt tief, verfällt in dumpfes Brüten und hat für uns erst mal nur böse Blicke übrig.]

Das neue Jahr begann für Rondra mit der Schleppleine, weil sie zu diesem Zeitpunkt stand wie eine Eins, sprich: Sie klappte den Schwanz auf 3- bzw. 9-Uhr-Position, wenn man ihr den Schwanzansatz kraulte. Das hatte in den letzten Läufigkeiten auch schon so geklappt, doch dieses Mal tat sie das auch in der freien Wildbahn, wenn sie eines anderen Hundes gewahr wurde.

Ich schreibe hier absichtlich “eines anderen Hundes”, denn nicht nur Rasse, Erscheinung oder Körperbau, sondern auch das Geschlecht war ihr in diesem Falle herzlich egal.
Mein peinlichstes Erlebnis war, als sie sich einer älteren Beagle-Hündin schamlos anbot. Auf den entsetzten Einwand der Besitzerin (“Aber meine ist doch ein Mädchen!”) konnte ich nur antworten: “Ich seh das wohl, aber Rondra scheint das wohl heute egal zu sein — die nimmt alles!”

Doch auch diese schreckliche Phase ging irgendwann vorbei, und ich glaube, ich habe unter dem Schleppleinenzwang mehr gelitten als Rondra (Kunststück! Schließlich bin ich ja diejenige, die das vor Matsch und Nässe strotzende Ding dann nach Hause tragen darf!).

Bereits in der zweiten Januarwoche war Rondra wieder die Alte: Sie durfte frei laufen und ich konnte wieder vernünftig mit ihr arbeiten, ohne daß sie an jedem Grashalm prüfen mußte, ob ihr Traumprinz dort vorbeigelaufen war — oder ob sich die Stelle gut für eine Annonce in eigener Sache eignen würde und einiger Tropfen Rondra-Pipi würdig sei.

Nur mit den Nachwehen der Läufigkeit hatten wir noch etwas zu kämpfen: Für die halbstarken Rüden auf den Aawiesen roch Rondra noch sehr lecker, und so zog sie regelmäßig ein Rudel Kerle hinter sich her. Sie wehrte sich zwar nach Kräften und schnappte drohend nach hinten in die Luft, doch das reicht nicht, um aufgegeilte Junghunde in die Flucht zu schlagen.

Zuletzt bildeten sich dort schier absurde Szenen: Easton, der Ridgeback-Rüde, schnupperte immer mit Genießerblick und machte gern schon mal eindeutige Hüftbewegungen, wenn er nur auf dem Weg zu Rondras Rückseite war. Er ließ sich aber auch mit einem tiefen “Iiiiiist’n” meinerseits abschrecken. Dann schlenderte zwei Schritte weiter und sah mich an mit einem unschuldigen Blick, als wolle er sagen: “Du, bleib locker! Sieh mal, ich lauf hier nur so rum…”

Hartnäckiger waren die Jungspunde: Dem schwarzen Labbi Joker hat sein Frauchen schon die Kastration angedroht, wenn er sich nicht zu benehmen wisse. Joker sattelte nämlich immer auf, während Lucky, der Schäfermix, sich meist damit zufrieden gab, seinen Kopf genießerisch auf Rondras Rücken zu legen und dabei versonnen in die Landschaft zu blicken.
Lupo, der niedliche griechische Straßenmix hielt sich zwar im Vergleich zu den anderen zurück, konnte sich aber auch nicht immer bremsen.

Irgendwann hatten es aber alle drei gleichzeitig auf Rondra abgesehen, und sie konnte ihr Hinterteil gar nicht mehr frei kriegen. Als Krönung rannte dann auch noch Golden Retriever Lotte wie ein bellender Brummkreisel um die ganze Meute herum.

An diesem Punkt hatte ich es dann genossen, meinen Hund auf Anhieb aus einem Rudel anderer Hunde abrufen zu können und beschloß, das Gebiet für eine Weile zu meiden.

Seit vorgestern scheint das Thema nun auch beendet: Inzwischen wird Rondra dort nicht mehr bedrängt, sondern man spielt wieder die üblichen Spiele namens “Wer rennt am schnellsten?”, “Ätsch, du lahme Kröte, ich krieg den Ball!” und “Ich kann doll ins Wasser springen, kannst du das auch?”

Ich bin von anderen Hundehaltern angesprochen worden, ob ich Rondra kastrieren würde. Klar habe ich darüber auch nachgedacht. Aber noch erscheint mir der Aufwand einer läufigen Hündin für zweimal drei Wochen im Jahr erträglich: Rondra hält sich im Haus gut sauber, und draußen gibt es eben Schleppleine. Sie hatte bisher auch keine Probleme mit Scheinträchtigkeit, sondern ist sofort nach den Stehtagen ganz die Alte.

Zudem ist eine Kastration bei der Hündin ein Eingriff in die Bauchhöhle und damit eine richtig große OP mit allen Risiken. Ich weiß von Hündinnen, die dadurch inkontinent wurden — dann habe ich das ganze Jahr Schweinerei in der Bude und nicht nur 6 Wochen im Jahr.
Nö, Danke!

Nein, wenn ich Rondra jetzt kastrieren lassen würde, dann wäre eine Entscheidung aus meiner eigenen Bequemlichkeit heraus. Und das muß ich ihr nun wirklich nicht antun.

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