Matsch, Wasser und ein Rückhund
Am Sonntag vor einer Woche fiel das Training aus, und auch bei Franks Fußballverein ist noch keine Saison. Daher entschlossen wir uns zu einem ausgibigen Spaziergang mit dem kleinen schwarzen Hund.
Wir begannen den Spaziergang mit einer ganz blöden Idee: Wir könnten ja, so dachten wir uns, in ein benachbartes Dorf zwischen den Feldern durch laufen. Da gäbe es sicher ein Gasthaus, in dem wir zu Mittag essen könnten.
Blöderweise waren die Felder durch den Regen der letzten Tage noch seeeehr matschig. Und ebenso blöderweise gedachte der Mann, den Hund zu bespaßen, indem er einen Tennisball mitten aufs Feld wirft. Der Hund, seines Zeichens ja Mitglied einer grundsätzlich apportierfreudigen Rasse, ließ sich auch nicht lumpen und sprintete hinterher.
Leider ist Rondra ja auch ein Wesen, für das der Begriff “Grobmotoriktrottel” extra erfunden wurde. So bremste sie ihren Sprint aprupt, als sie den Balll erblickte. Leider bremste sie nur mit den Vorderpfoten, und der hintere Hund überholte den vorderen Hund mit einer eleganten Rolle über die rechte Schulter.
Mitten im schlammigen Feld.
Kurioserweise holte Rondra den zweiten Ball, den wir warfen, auf genau die gleiche Art wieder. Sie scheint Talent zum Filmhund zu haben: Wenn der Regisseur sagen würde “Alles auf Anfang, wir drehen die Szene noch einmal, aber der Hund genau so wie vorhin” — kein Problem für den kleinen schwarzen Hund!
Wir hatten also nun eine vollkommen verdreckte Rondra, mit der wir unmöglich ein Lokal aufsuchen konnten.
Damit trat Plan B in Kraft: Wir erinnerten uns an einen Bach, der ganz in der Nähe sein mußte. Die Sonne schien, und wenn wir Rondra ein paar Mal durchs Wasser jagen würden, hätte der (dann saubere) Hund auf dem Weg zum Lokal noch genug Zeit zum Trocknen.
Der Bach war schnell gefunden. Doch tatsächlich ging dort die Action erst richtig los:
Während sich Rondra anfangs noch zierte, ins Wasser zu gehen (sie hat leider nicht viel Gelegenheiten zum Schwimmen oder überhaupt Gewässer an ihren Routen), drehte sie nach einer Weile total auf. Rein ins Wasser, wieder raus, und wieder rein. Und alles im Schweinsgalopp, ohne Rücksicht auf Verluste.
Aber wir haben keinen Hund, der einfach so durch die Gegend flitzt. Nein, der kleine schwarze Hund macht das immer mit einem Ziel. Und wenn sie es erst erfinden muß.
Bei diesem Spaziergang war Rondras Mission:
“Fische alle Stöcke aus dem Wasser, die du finden kannst. Und wenn ich “alle Stöcke” sage, dann meine ich auch “alle Stöcke”! Laß nicht nach, gib nicht auf! Denk dran: Du bist der Anti-Biber!”
Ich habe keine Ahnung, was in das Tier gefahren war. Vielleicht liegt der Fehler bei mir, und ich bin mit ihr einmal zu oft an den Waldarbeitern vorbeigelaufen, die das Bruchholz beseitigen, das von Kyrill geblieben ist. Jedenfalls hat sie Stöcke aus dem Wasser geholt wie eine Bekloppte. Kaum hatte sie einen an Land gezogen, stand sie am Ufer und beobachtete den Bach, immer auf der Suche nach neuen Opfern.
Frank war ganz begeistert von Rondra und rief immerzu: “Ein Rückhund, ein Rückhund! Sonst gibt es nur Rückpferde! Das ist eine Marktlücke, das können wir teuer verkaufen!”
Leider war das Zwielicht am halbschattigen Bachufer nicht so ganz gut für Bilder geeignet. Draufgehalten haben wir natürlich trotzdem:
Das Ende vom Lied war, daß der Hund nach dieser Aktion wunderbar sauber war.
Allerdings sahen wir nach einer halben Stunde am Ufer aus, als hätten wir eine Woche in der Wildnis gelebt. Kein Wunder, bei einem noch vom Regen getränkten Bachufer, den vielen Stöcken, denen wir nicht allen ausweichen konnten und einer schüttelfreudigen Rondra (Merke: Schütteln ist immer ein Moment der Unaufmerksamkeit, und daher verbringt man ihn am besten im sicheren Schutz des nahen Rudels *grrr!*.).
Den Restaurantbesuch konnten wir knicken, und so gingen wir nach Hause und aßen dort den Rest der Geburtstagssuppe.
Ein Essen im Lokal mit einem Hund, der zuvor eine Stunde lang zivilisiert und artig seiner Familie gefolgt ist, wäre vielleicht leckerer gewesen.
Aber garantiert nicht so lustig!
Wir waren mal wieder an der Kinsbeke, wo sich Rondra vor ein paar Wochen bereits leidenschaftlich als Rückhund betätigt hatte. Labrador und Wasser, das paßt eben wie Arsch auf Eimer. …