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Rondra

Ein Labradorblog

18. April 2008

Mein kleiner schwarzer Schnellkochtopf

Schon während der letzten Vorbereitungen auf die Begleithundeprüfung wußte ich, daß direkt nach der Prüfung einiges anders werden würde, egal, wie die Prüfung ausgehen würde: Der Vorbereitungskurs würde wegfallen, und auch im anderen Kurs würde es ein paar Wochen Pause geben.

Ich freute mich auf diese Zeit, wo ich nicht immer wieder kleinere Trainingselemente in die täglichen Spaziergänge einbauen mußte und den Prüfungstermin im Nacken hatte. Stattdessen könnten wir unsere Zeit mit allem Möglichen verbringen, was Spaß macht.

Tatsächlich tun wir das nun auch: Wir haben wieder geclickert (Rondra lernt gerade, auf Ansage den Haustürschlüssel zu suchen — sinnvolle Sache bei so einem schusseligen Frauchen!), waren schon zweimal mit meinem kompletten Dummybestand im Wald, um ausgedehnte Suchen zu machen, und an der Aa spielen wir immer “Mein Tennisball ist viel toller als die Enten, denen du gerade hinterherjagst!”.

Doch es ist nicht nur so, daß wir die Zeit genießen und uns freuen, daß der Druck weg ist. Vielmehr bin ich langsam aufgewacht und wundere mich, was ich mir und vor allem meinem Hund die ganze Zeit angetan habe.

Rondra hat die Unterordnung wahrlich nicht erfunden. Es gibt ja Hunde, die schweben regelrecht neben ihrem Führer und himmeln ihn an mit diesem Blick:

“Fuß gehen? Aber sicher, sehr gerne! Ich würde liebend gern noch mehr für dich tun, du mußt es nur sagen. Aber wenn du gerade keine weiteren Befehle für mich hast, ist es auch in Ordnung. Dann laufe ich einfach die nächsten zehn Kilometer bei Fuß, denn ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.”

So ein Hund ist Rondra nicht.

Rondra hat ihren eigenen Kopf, dazu einen Hintern voller Hummeln und liebt Action und Abwechslung jedweder Couleur. Unterordung macht ihr Druck, für den sie dann auch bald wieder ein Ventil braucht.

Natürlich ist das kein Freibrief für sie, nach dem Motto: Och, der arme Zappelphillip-Hund kann ja gar nicht anders, also soll er ruhig immer in der Leine hängen und darf auch gern im Wald 500 Meter voraus und außer Sicht preschen.

Nein, Rondra ist ein Hund, der sich tadellos in meinen Alltag anpaßt: Sie läuft halbwegs passabel an der Leine, läßt sich in den meisten Fällen gut abrufen und reagiert auf Zurechtweisung meist recht zügig. Doch im Alltag darf sie den erfahrenen Druck bald wieder mit Rennen und Springen abbauen. Und daher funktioniert es dort für beide Seiten ganz zufriedenstellend.

Genauso ist es beim Arbeiten: Auf eine Phase der Anspannung (Flugbahn des Dummy beobachten, Zusehen wie eine Suche ausgelegt wird, Warten bis Frauchen das Signal zum Kommen gibt, Konzentration beim Absetzen vor dem Agility-Hindernis) folgt das Loslaufen, bei dem Rondra den Druck wieder los wird.

In der puren Unterordung, aus der eine Begleithundeprüfung eben nunmal besteht, ist das anders. Dort hatte ich immer das Gefühl, mit einem Druckkessel ohne Ventil zu hantieren: Je länger es dauert, desto kritischer wird es, und beim geringsten Fehler würde mir alles um die Ohren fliegen.

Genau dieses Bild hatte ich vor mir, als Rondra in der Prüfung aus der Ablage auf mich zustürmte — sie hatte das Ventil gefunden.

Inzwischen frage ich mich wirklich, warum ich uns das angetan habe. Natürlich muß man seinem Hund irgendwie Gehorsam beibringen, allein schon zu seiner eigenen Sicherheit und zu seinem Vergnügen: Ein nicht abrufbarer Hund kann in Gefahr geraten, einen Hund jedoch, der frei bei Fuß laufen kann, muß ich nicht bei jedem entgegenkommenden Jogger anleinen.

Doch so lange Zeit viel Druck für uns beide (aber vor allem für Rondra), nur, damit wir in dieser künstlich geschaffenen Situation bestehen können, deren Elemente zudem so lebensfremd sind (ich meine, würde ich meinen Hund nicht sichern, wenn ich überhaupt jemals außer Sicht gehe?)…

Nein, das war nicht richtig. Ich möchte gar nicht wissen, wie oft der Blick von Rondra mir sagen wollte: “Frauchen, warum das eigentlich alles?”

Ich will jetzt nicht der schlechte Verlierer sein, der die eigene Niederlage auf die Prüfungsmodalitäten schiebt. Und keinesfalls will ich den Erfolg derer kleinreden, die es geschafft haben. Das waren tolle Leistungen und verdiente Siege, hinter denen viel Vorbereitung steckt.

Nur paßt diese Art des Übens und des Abfragens von Unterordnung nicht zu meinem Hund.

Ich habe sowieso schon viel zu lange gebraucht, um das zu begreifen. Jetzt werd ich nen Teufel tun und uns beiden diesen Stress noch einmal zumuten. Daher wird es für uns keine neue Begleithundeprüfung geben.

Viel dringender muß ich mich bei Rondra für die letzten Wochen entschuldigen. Und ich weiß auch schon wie: Mit zünftigen Suchen im weiten Feld, mit Clickersessions, deftigen Wasserapports und mit wilden Jagden nach ihrem geliebten Tennisball.

Wenn sie mir aber allzu sehr auf die Nerven geht, dann drohe ich ihr mit ihrem schlimmsten Albtraum: Einem Obedience-Kurs.

4 Kommentare zu “Mein kleiner schwarzer Schnellkochtopf”

  1. niela am 23. April 2008 um 15:37

    So, jetzt hab ich mich durchgelesen, von Rondras Anfängen bis heute…

    Froh, dass ich dich überhaupt wiedergefunden habe in den Weiten des WWW, fragte ich mich mehrmals beim Lesen, was wohl aus den Kühen geworden ist *lach*. Eigentlich hätte ich dich ja eher irgendwann mal mit einer “Hauskuh” als mit einem Hund gesehen ;-P.

    Nein, Quatsch ist das, Rondra ist super und du hast in mir echt die Lust geweckt, vielleicht nach unserem störrischen, eher eigenwilligen Westie, den ich aber mit fünf sozusagen “adoptiert” habe und nicht mehr viel für die Erziehung tun konnte, ausser dem nötigsten, auch einmal ein Labbi-Versuch zu starten. Wenn ich dich auch sehr bewundere für all die Freizeit, die du da in deine Göttin steckst… Naja, mal abwarten, kommt Zeit, kommt Rat und noch lebt unser kleiner König ja noch (wenn auch mit einer bösartigen Wucherung am einen Hinterlauf)…

    So oder so, wollte ich die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen und mal wieder ‘Hallo’ sagen ;-) .

    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Niela


  2. towanda am 24. April 2008 um 22:35

    Oh wie schön, die Niela! Ach, was waren das nette Zeiten, als die Blogs noch Onlinetagebücher waren ;-) .

    Du hast wirklich alles gelesen? Boah, wie tapfer! Und nach der Lektüre hast Du tatsächlich noch Lust auf Labrador? Hm, das stimmt mich nachdenklich… *kicher*.

    Aber das mit der bösartigen Wucherung bei eurem Westie klingt ja nicht so schön. Vermutlich ist operativ nichts mehr auszurichten? Ich wünsche Euch, daß es so lang wie möglich gut geht und ihr noch viele gute Monate und Jahre mit euerem kleinen König habt!

    Setz ihm den Thronfolger aber nicht vor die Nase, bei sowas sind nicht nur Terrier schwierig… Aber wenn es so weit ist und Du wissen willst, wie man in der Labbi-Erziehung alles schiefgehen lassen kann, dann weißt ja, wen Du fragen kannst! ;-)

    Viele liebe Grüße aus Ostwestfalen in die Schweiz,

    Towanda

    P.S.: Die Leidenschaft für Kühe ist nach wie vor ungebrochen! In der Wohnung gibt es noch immer, aber eine echte Hauskuh ist in der Stadt keine sehr gute Idee… ;-)


  3. niela am 25. April 2008 um 19:49

    Natürlich hab ich alles durchgelesen… Ehrensache! Ja, die Zeiten der Onlinetagebücher war wirklich noch was spezielles… Ein Blog hatte ich bis vor etwa zwei Jahren auch noch, aber mittlerweilen is mir das irgendwie zu mafiös worden… Zu viele Grüppchen und Stutenbissigkeit für meinen Geschmack, darum hab ich das aufgegeben…

    Naja, bösartige Wucherung tönt schlimm, is es ja auch, aber zum Glück hat er bis jetzt noch keine Ableger im Rest des Körpers und der Tierarzt meinte erst vor drei Wochen, dass er so durchaus noch einige Jahre leben kann! Wir müssen ihm einfach einen “Schuh” anziehen, weil die Haut um die Wucherung mittlerweilen dermassen gestretcht ist, dass der kleinste Ritzer eine Wunde gibt, die nicht mehr heilen will/kann… Operativ lässt sich leider nichts mehr machen. Als wir das vor etwa drei Jahren probieren wollten, mussten die Ärzte nach dem Schnitt aufgeben, weil das Ganze so verwachsen ist, dass nach dem Rausschneiden nicht mehr genug Haut übrig geblieben wäre, um die Wunde zu schliessen…

    Einen Thronfolger wird er nie vor die Nase gesetzt bekommen, das versteht sich von selbst… Eventuell vielleicht mal ein junges Kätzchen, aber wirklich nur eventuell… Mal sehen, was sich ergibt, eventuell steht in einiger Zeit ein Umzug im Haus stehen und dann mal schauen, wie die Umgebung aussieht…

    Du übrigens, falls Dänemark mal nicht mehr so das Wahre sein sollte, die Schweiz hätte auch das eine oder andere schöne Fleckchen, um mit Hund gediegen Urlaub zu machen ;-) . Ich würd mich irgendwie echt freuen, euch drei mal real kennen zu lernen…

    Übrigens hab ich mir heute mal wieder überlegt, ob ich die Tasche mit den “Tilsiter”-Kühen (www.tilsiter.ch), die ich heute im Laden erhalten habe, auf den Weg nach Westfalen schicken soll *lach*.

    Ganz liebe Grüsse und ein schönes Wochenende
    Niela


  4. towanda am 1. Mai 2008 um 08:35

    Naja, in der allgemeinen Blogosphäre bin ich mit meinem “Spezialblog” ja auch eher nicht mehr drin. Und wie Du schon schreibst, das ist auch ganz gut so.

    Mit Schuhen an Hundepfoten habe ich derzeit ja auch so meine Erfahrungen *grmbl*. Gut klingt das wirklich nicht, was der kleine König da hat. Aber wenn er schon so lange damit klarkommt… Ich hoffe für euch und den Kleinen, daß die Wucherung schön für sich bleibt und den Rest des Körpers weiterhin in Ruhe läßt!

    Dänemark und die Nordsee werden wir schon noch eine Weile genießen — die Geschichte mit Schweden ist ja auch nur aufgeschoben. Ich hab es ja nicht so mit den Bergen: Ich muß gucken können und kann es gar nicht leiden, wenn mir jemand Felsen in die Aussicht stellt. In Südtirol hatte ich vor ein paar Jahren übelst klaustrophobische Anfälle, weil ringsum die Berge waren und zu allem Übel von oben auch noch die Regenwolken einen Deckel auf das ganze Szenario setzten… :-(

    Aber neugierig wäre ich schon, und Rondra hätte sicher ihre Freude an Deinem kleinen Wuschel. Mal sehen, vielleicht zieht es uns tatsächlich mal in den Süden…

    Viele Grüße und einen feinen Feiertag (ich denke, die Schweiz hat heute auch frei, oder?),

    Towanda
    (die glaubt, daß bei Dir die Verknüpfung “Towanda — Kühe” wohl ewig bestehen beibt ;-) )


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