Neue Dinge, neue Dinge!
Im letzten Herbst hatten Rondra und ich noch etwas Schonfrist: Zum einen war Rondra ein Welpe/ Junghund, den man gar nicht so viel fordern darf. Und wir konnten bei der Morgenrunde auch schon mal schummeln: Schließlich durfte Rondra mit auf die Arbeit, und dort gab es Mittags die nette Gassirunde mit der Foxterrierhündin Ayla.
Nun habe ich aber eine erwachsene Dame pubertierende Rotzgöre, die vor der Arbeit fein ausgelastet werden will, um den Vormittag artig zu Hause verbringen zu können.
Daher geht es morgens um sechs los zur ersten Runde auf die Strotheide.
Hat eigentlich irgendwer eine Ahnung, wie finster es um diese Uhrzeit dort sein kann?!
Zum Glück sind die Biobauern, die genau am anderen Ende des Weges zwischen den Feldern durch wohnen, auch Frühaufsteher (vermutlich eben deswegen, weil sie Bauern sind) und haben bereits Licht im Haus.
Auf dieses Licht halte ich dann tapfer zu.
Tappt der Fuß über flaches Gras, ist es gut.
Trifft er auf hohe Vegetation, steh ich im Feld.
Naja, ganz so schlimm ist es nicht: An der kleinen Querstraße stehen zwei oder drei Laternen und streuen auch auf den Feldweg etwas Licht. Wenn sich die Augen an das Dunkel gewöhnt haben (und wehe, es kommt zwischendrin ein Auto mit Fernlicht gefahren!), erkennt man den Weg gerade so und kommt zurecht.
Einen schwarzen Hund, der gern mal zwanzig Meter voraus läuft oder hinterher, den sieht man da aber gar nicht mehr.
Deshalb auf den Freilauf zu verzichten, wäre grober Unfug — schließlich ist gerade um diese Zeit alles frei und kein Mensch unterwegs. Außer vielleicht dem heißgeliebten Vasco, einem Mischlingsrüden mit ebenso frühaufstehendem Frauchen.
Daher habe ich Rondra nun morgens und abends beleuchtet.
Es gibt dafür ja zig Blinkhalsbänder und Krams, den man dem Hund ans Halsband heften kann, und ich hatte Not, mich zu entscheiden.
Dinge, die am Halsband befestigt werden müssen, scheiden aus: Wir sind mit einer Retrieverleine unterwegs, die im Freilauf in die Jackentasche gesteckt wird. Und wenn ich Rondra so ein Leuchtdingens ans Ohr heften würde, ist das sicher keine Lösung, die dauerhaft Bestand hätte…
Etwas Blinkendes wollte ich auf keinen Fall — dieses Gezucke macht mich rappelig, besonders um diese Uhrzeit. Ich hab nen Labrador, keine Renndisco!
Aber es gibt ja auch diverse statisch leuchtende Halsbänder, und unter diesen habe ich mich für das Leuchtie entschieden:
Das Teil ist kein Halsband, sondern ein Leuchtring. Quasi eine Art farbiger, durchscheinender Gartenschlauch mit LED-Leuchten drin. Man bekommt ihn in verschiedenen Farben (blau, rot, gelb, grün…), und ich fand gelb ganz nett.
Die Halsweite muß so ausgemessen werden, daß das Leuchtie geschlossen über den Kopf passt, da es nicht zu öffnen ist. 50cm waren für Rondra grade richtig.
Der Clou am Leuchtie ist, daß es keinen Schalter hat. Vielmehr aktiviert es sich, wenn der Teil mit den Batterien nach unten hängt. Das tut er normalerweise immer, wenn der Hund das Leuchtie um den Hals trägt, weil dieser Teil der schwerste ist. Zeigt er nach oben, gehen die LEDs nach wenigen Minuten von selbst aus. (Ich habe keine Ahnung, wie das technisch funktioniert — aber es funktioniert!)
Kein Schalter, das bedeutet auch: Keine Stelle, an der Wasser eindringen kann. Auch die übrigen “kritischen Punkte” am Leuchtie (z. B. dort, wo das Leuchtie zum Batteriewechsel geöffnet wird) sind mit einer Silikonhülse wasserdicht verschlossen. Theoretisch könnte Rondra also mit dem Leuchtie einen Wasserapport machen. Macht zwar kein Mensch bei Dunkelheit, aber es ist gut zu wissen, daß mir bei Regen nicht die Elektronik meines beleuchteten Hundes abranzen kann.
Mit gut 30 Euro ist es nicht gerade billig. Aber für einen Gegenstand, den ich in dieser Jahreszeit täglich benutze und auf den ich mich verlassen muß, geb ich das gerne aus.
Und bisher läuft es tadellos:

So, die schwarze Wildsau wäre nun immerhin erkennbar und wasserdicht beleuchtet — und ich?!
Ich hatte neulich einen Wassereinbruch auf Deck Null, sprich: Ich stand mit nassen Füßen zwei Stunden beim Wasserapport rum, weil meine Gummistiefel leckgeschlagen waren.
Ich hatte mir im Mai in Dänemark im Urlaub ein paar ganz einfache knöchelhohe Gummistiefel kaufen müssen, weil ich aus unerfindlichen Gründen vergessen hatte, meine Treckingstiefel mitzunehmen. Diese sandgrauen Stiefel taten auch in heimischen Gefilden fleißig ihren Dienst.
Bis dann das Loch kam.
Dummerweise genau am Übergang zwischen glattem Gummi oben und schwarzem, geripptem Sohlengummi unten, gerade an der Stelle, wo der Schuh aufgrund meiner markanten Fußausprägung üppigen Quadratlatschen beim Abrollen auf Spannung steht. Daher waren auch Reparatur mit Spezialflickzeug (Anschaffungspreis: ein Drittel der Kosten für die Stiefel selbst) zum Scheitern verurteilt — das Geld hätte ich mir sparen können!
Da der Retrieverbesitzer an sich und im Besonderen ja sowieso dazu neigt, durch Wasser, Schlamm und hohe, nasse Wiesen zu stiefeln und meine Treckingschuhe meiner Meinung nach Entlastung verdient hätten, wollte ich nun ein Paar Gummistiefel kaufen.
Gute sollten es sein, auf ewig dicht und bequem genug, um darin regelmäßig ein bis zwei Stunden zu laufen. Daher fand ich mich bei Hunter ein. Gar nicht weit von hier, mit Werksverkauf und den netten Stiefeln von Aigle im Sortiment.
Ja, Aigle… Tolle Stiefel, super Qualität und in Retrieverkreisen das Nonplusultra. Der Mercedes unter den Gummistiefeln, quasi. Für die S-Klasse kann man da auch 120 Euro löhnen.
120 Euronen für ein paar Gummistiefel!
Egal, ich hätte selbst das ausgegeben. Denn Schuhe zum Laufen hat man als Hundler oft genug im Gebrauch, und daran spart man nicht. Also bin ich todesmutig in Aigles S-Klasse gestiegen.
Ich fand es… beklemmend.
Ehrlich gesagt, mußte ich ein bißchen grinsen, denn es hatte gewisse Elemente der Selbsterfahrung: 31 Jahre mußte ich alt werden, um zu wissen, wie es ist, in enganliegenden, kniehohen Stiefeln zu stecken.
Und um zu begreifen, daß mein Körper unten genauso funktioniert wie oben. Denn oben kann ich keine eng anliegenden Kragen leiden — keine Rollkragenpullis, niemals! (Das ist eigentlich der Grund, warum ich weder Architektin noch Intellektuelle geworden bin…)
Aigles S-Klasse war nichts für mich, und ich besann mich standesgemäß auf die kleineren Modelle. Letztenendes wurde es ein nur halb-waden-hohes:
(Ratet mal, wer sich fix vom Körbchen erhob, als er die Tür vom Schuhschrank hörte! Und dabei war es doch nur falscher Alarm für ein Photo… Gemein, das Frauchen!)
Das ersparte Geld investierte ich zumindest teilweise in ein neues Kissen für Rondras Körbchen. Denn ein vom frisch gummierten, trockenfußigen Frauchen durchbespaßter und außerdem noch gelb beleuchteter Hund muß sich ja schließlich auch erholen können, oder?