Pubertät, oder: Schlecht hören kann ich ganz gut!
So schön manche Spaziergänge sind und so viel Spaß unsere Fortschritte bei der Dummyarbeit machen: Die Pubertät macht sich in Schüben schwer bemerkbar und zerrt an den Nerven.
Über Rondras neuerliche Zerstörungsanfälle hatte ich ja schon berichtet. Wir stellen zwar schon die Klorolle aufs Waschbecken, damit sie sie nicht vom Halter abwickeln kann, und wir achten darauf, daß keine Papiertaschentücher herumliegen (was mit einem heuschnupfengeplagten Herrchen nicht wirklich einfach ist).
Trotzdem findet sie immer wieder etwas anderes. Meist etwas, das zu verschmerzen ist und sich mit wenig Aufwand wieder beseitigen läßt.
Am Donnerstag aber hat sie den Vogel abgeschossen.
Gut, ich gestehe: Daß sie morgens am Feld abgezischt ist, um Hasen zu jagen, muß ich auch meinem eigenen Leichtsinn zuschreiben. Trotzdem — Ausgerechnet am Gründonnerstag dem Osterhasen nach dem Leben zu trachten, ist nicht sehr fein.
Dann eben kein Freilauf, sondern Spiel an der Leine, gemischt mit einer Extraportion Unterordnung.
Mittags ging es aber erst richtig los. Ich kam von der Arbeit, und als ich durch die Terrassentür wollte, sah ich es schon: Rondra hatte sich intensiv mit meinem Strickkorb befaßt. Vier Knäuel Garn waren säuberlich abgewickelt und im Raum verteilt, und aus einem angefangenen Socken waren die Nadeln gezogen (Menno! Ich hatte gerade die schwierige Ferse fertig!).
Die Nadeln waren bis auf zwei unauffindbar — Bambusnadeln, vermutlich gefressen.
Und zwischen all dem Chaos saß eine freudig schwanzwedelnde Rondra.
Kurzzeitig trug ich mich mit dem Gedanken, den Hund zu erwürgen. Aus ökonomischen Gründen habe ich mich aber dann doch dagegen entschieden: Im Strickzeug stecken 8 Stunden Arbeit und Kosten von etwa 10 Euro. Rondra kostete mich inzwischen 8 Monate Arbeit und weit über 1000 Euro.
Bestrafen bringt auch nichts in der Situation: Die Kiste ist irgendwann im Laufe des Vormittags passiert, und wenn ich jetzt schimpfe, kriegt Rondra das im Leben nicht mehr richtig verknüpft.
Dennoch sah ich mich außerstande, mich jetzt mit ihr zu befassen. Also erst mal Hund aus dem Zimmer, aufgeräumt und dreimal tief durchgeatmet. Danach war ich bereit, der Wildsau wieder gegenüberzutreten und mich der Mittagsrunde zu stellen.
Bis zur Abendrunde hatte ich den Schreck halbwegs verdaut. Mußte auch, denn da kam der nächste Hammer: Als ich Rondra nach dem Spaziergang im Garten ableinte, damit sie nochmal durch ihr Revier schnüffeln kann, sprintet sie Fullspeed ab in Nachbars Garten!
Ich meine, sie kennt die Leute da und mag besonders das Nachbarskind.
Aber der Clou war: Im Garten war noch nicht mal jemand!
Als ich sie wieder eingefangen hatte, kam der Nachbar aus dem Haus und nahm es mit Humor: “Na, hast nen kleinen Ausreißer?!” — “Ja, Pubertät… Und jetzt geht’s nach Hause, Abendessen gestrichen und ab aufs Zimmer!” — “Und Fernsehverbot!”
Nach dem Tag hatte ich abends wirklich so den Gedanken: “Ein Goldhamster soll ja auch ein nettes Haustier sein…”
Aber am nächsten Tag sieht die Sache schon wieder ganz anders aus, und irgendwie kämpfen wir uns da schon durch. Momentan lautet die Devise halt: Gern mal wieder nur an der Leine in den Garten.
Und im Haus ist das Motto “back to Kindergarten”: Wer sich im Wohnzimmer nicht benehmen kann, der hat dann eben nur Flur und Badezimmer zur Verfügung.
Meine Fresse, was bin ich froh, wenn diese Zeit rum ist!
du hast mein vollstes Mitleid. Wir sind gerade aus in so einer Phase, aber ehrlich es scheint sich zu bessern. Und unser Hund wird wieder der Liebe der er vor der Pubertät noch war.
Ausserdem wollte ich dir noch sagen das ich deine Bilder jedesmal wieder so super finde und das Rondra ein sehr hübscher Labrador ist
Lg
alex
Dankeschön! (Für das Kompliment zu den Bildern, aber besonders für den Zuspruch einer weiteren pubertätsgeplagten Hundehalterin
).
Wieso gibt es denn von euerem Kleinen keine Bilder? Oder bin ich nur zu blöd zum Finden?