Rondra auf Bornholm — Teil II
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Hungrig und ganz allein unter wilden Tieren und bewaffneten Männern
Ich erwähnte es bereits: Wir lebten recht abgeschieden auf unserem großen sogenannten Naturgrundstück, und schon bevor wir Mieter des Nachbarhauses zu Gesicht bekamen, trafen wir auf die wahren Herrscher des Bornholmer Outbacks: In einer Horde von sage und schreibe fünf Tieren hoppelten Hasen wenige Meter vor uns über den Weg.
Rondra kennt Hasen erstens nur einzeln und zweitens weglaufend. Daher hatte sie vor Verblüffung ganz vergessen, ihr übliches Verhalten (in die Leine werfen und laut winseln) zu zeigen.
Auch wir waren ziemlich irritiert, als die fünf Hasen nur bis zur nächsten Wiese hoppelten und uns - statt zügig außer Sicht zu verschwinden - interessiert über die Grashalme hinweg anguckten. Das taten sie auch noch, als Rondra sich dann doch noch zum Winseln und Bellen entschlossen hatte, und nur zögerlich verschwanden sie nach einer Weile wieder.
Noch nie habe ich so selbstbewußte Hasen erlebt!
In den folgenden Tagen konnten wir diese Stelle nur mit Mühe passieren, denn Rondra hatte sich wohl inzwischen einen Plan zurechtgelegt, wie sie mit fünf Hasen verfahren würde, und sie hegte die berechtigte Hoffnung, das die Unerschrockenen Fünf wieder auftauchen würden (was sie aber nicht taten).
Ein weiterer Nachteil unseres abgeschiedenen Domizils erschloss sich uns am nächsten Tag: Es gab in erreichbarer Nähe tatsächlich keinen Bäcker oder Laden (wenigstens konnten wir keinen finden). Selbst innerhalb der Ferienhaussiedlung gab es keinen Laden, wie ich es aus anderen Orten kenne.
Nun gut, die ruhige Lage hat eben ihren Preis, und so schlugen wir uns morgens im Wechsel entweder mit am Vortag gekauftem Brot herum, oder ich buk unsere Brötchen selbst.
Dafür konnten wir noch am ersten Abend einen leckeren Honig aus regionaler Erzeugung kaufen. Überall auf Bornholm gibt es nämlich kleine Verkaufsstände mit diversen Erzeugnissen der heimischen Landwirtschaft wie Brennholz, Kartoffeln, Zwiebeln — und eben auch Honig.
Nun darf man sich das aber nicht so vorstellen wie die Spargel- oder Erdbeerbuden bei uns, wo man seine Ware verlangt, bezahlt und dann wieder geht. Nein, diese Stände stehen ohne irgendwelches Verkaufspersonal an der Straße. In einer Kasse hinterlegt man den angeschriebenen Preis, kann sich bei Bedarf auch Wechselgeld aus der Kasse holen, nimmt sich seine Produkte und geht wieder, ohne jemanden gesehen zu haben.
Klar regt dieses System auch zum Betrug an, und ich denke mal, bei hochwertigen Produkten wie Spargel würde es auf ein Verlustgeschäft rauslaufen. Doch hier scheint es zu funktionieren — sonst gäbe es diese Stände vermutlich nicht mehr.
Und die bewaffneten Männer? Nun, bei unserem ersten Spaziergang zum Strand trafen wir auf ein seltsames Schild:
Unser Feriengebiet lag neben einem Truppenübungsplatz, und just für unsere Ferienwoche sagte die Tabelle zwei Übungen voraus. Ich bekam langsam eine Idee davon, warum das Ferienhaus so günstig war und hatte größte Befürchtungen, daß mein wassertoller Hund auf dem Weg zum Strand in dänisches Sperrfeuer hechten würde.
Im Nachhinein stellte sich jedoch alles als halb so wild heraus: Nur eine der beiden angekündigten Übungen fand in “unserem” Gebiet statt — am anderen Tag war die orange Kugel, die darüber Auskunft gab, ob man das Gebiet betreten dürfe oder nicht, heruntergelassen und somit durften wir wieder an den Strand.
Zusätzlich gab es einen kleinen Container mit Ausguck. Von dort aus würden wohl die meersüchtigen, aber lernresistenten Touris noch persönlich gewarnt werden, vermute ich (wir sind ja brave Leute und mieden den Strand zu den angesagten Terminen!).
Vom Lärm der Schießübungen bekamen wir nur sehr wenig mit, da wir an diesem Tag größtenteils unterwegs waren.
Glück gehabt, denn so konnten wir den Strand an den meisten Tagen voll auskosten und hatten viel Spaß mit Rondra und ihrem Tennisball:
In den nächsten Teilen erfahrt ihr noch mehr über Rondras erste Versuche am Fahrrad und über viele weitere Ausflüge, die wir auf Bornholm unternommen haben.
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