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Rondra

Ein Labradorblog

2. November 2007

Rondra is watching you

Die schlechte Nachricht vorweg: Den Bericht vom Wesenstest bekommt ihr heute nicht mehr. Das ist mir nach einem aufregenden Tag mit Marathonspaziergang (für unsere Verhältnisse zumindest) zu viel. Immerhin habe ich die Bilder vom Wesenstest schon internetfähig gemacht, so daß sie Chancen gut stehen, den Bericht übers lange Wochenende fertig zu bekommen.

Die gute Nachricht wiederum ist, daß mir zwei bis drei Begebenheiten mit dem kleinen schwarzen Hund auf den Nägeln brennen, die ich gern loswerden würde — und das tu ich sofort.

Da wäre schon mal die Sache, die sich in der Nacht vor dem Wesenstest zugetragen hat… Und für die hole ich (wie es nun mal meine Art ist) auch etwas weiter aus:

Rondra schlief bisher immer in ihrem Stoffkörbchen im Schlafzimmer neben unserem Bett. “Bisher” bedeutet, daß sie neuerdings immer wieder abhaut, wenn wir uns ins Bett gelegt haben. An irgendeinem anderen Ort in der Wohnung (dem Vorleger im Bad, wo die Fußbodenheizung noch warm ist? Das muggelige Körbchen im Wohnzimmer?) ließ sie sich dann nieder.

Wo genau, das hatten wir nie recherchiert — Wir sind ins Bett, um zu pennen, der Hund war nachts ruhig, und morgens waren nirgendwo Spuren von Rondras nächtlichen Umtrieben zu finden. Rondra ist schließlich alt genug, um ihre Schlafplätze selbst zu wählen.

Rondra hat außerdem die mehr oder weniger nervige Eigenschaft, ein- bis zweimal zu bellen, wenn wer bei uns über den Hof läuft oder fährt. Dies tut sie in einer sehr tiefen Tonlage, so daß der unkundige Hörer auch einen deutlich größeren Hund bei uns vermuten könnte.

Rondra tut dies weder aus Unsicherheit noch aus dem Wunsch heraus, ihr Rudel vor den Unbillen der Außenwelt zu verteidigen. Schließlich bellt sie auch dann, wenn die ihr bekannnten Mitbewohner auf den Hof fahren und freut sich dabei schier den Hintern ab.

Ich glaube, sie will den Herankommenden einfach nur zeigen, daß sie da ist. Es könnte ja jemand das dringende Bedürfnis haben, einen kleinen schwarzen Hund bespaßen zu wollen. Da wäre es ja nicht auszudenken, wenn man sie vergessen würde!

So nachvollziehbar und liebenswert dieses Verhalten von Rondra ist — es kann ziemlich nervtötend sein, wenn man in seinen alltäglichen Verrichtungen (oder auch vom Schlummer auf dem Sofa oder bei der verdienten Nachtruhe) von einem grollenden Knurren und/ oder einem tiefen “Wuff!” aufgeschreckt wird.

Daher war ich auch recht grimmig, als Rondra letzte Woche in der Nacht von Samstag auf Sonntag wuffte: Am Sonntag sollte der Wesenstest sein, und wir mußten dafür zu einer Uhrzeit raus, die selbst die durch die Zeitumstellung gewonnene Stunde nicht ganz kompensieren konnte — Unter diesen Umständen laß ich mir ungern nachts um vier vom Hund lautstark erzählen, daß eine der anderen beiden Hausparteien nun auch nach Hause gekommen ist!

Doch wir sollten uns in unserem interaktionsfreudigen Hund getäuscht haben, wie wir am nächsten Morgen feststellten: Hauspartei 3 berichtete, daß Hauspartei 2 bereits irgendwann gegen ein Uhr nach Hause gekommen war und das nicht der Grund für Rondras Bellen gewesen sein konnte.

Dafür sahen wir aber, daß die Beifahrertür an Franks Auto offen stand. Das Handschuhfach war ebenfalls geöffnet, CDs und anderer Kram, der dort normalerweise wohnt, lagen auf dem Beifahrersitz.

Einbruchspuren waren nicht zu finden, und Frank gab zu, daß er das Auto vielleicht nicht abgeschlossen hatte, als er am Vorabend noch Sachen aus dem Auto geholt hat.

Trotz dieser Leichtsinnigkeit von uns finde ich es schon ein starkes Stück, daß wer den Weg am Haus vorbei in den Hof geht und dort Autos öffnet!

Rondra sieht das im Detail vielleicht etwas anders (“Leute! Hier! Um diese Zeit!!! Die können nur gekommen sein, um mit mir zu spielen!!! Aber ob die mich auch finden? Ich bell sicherheitshalber mal…”).

Doch ihr Bellen führte zum richtigen Ziel. Denn wo ein Hund bellt, sind normalerweise auch bald Leute wach (Haha, die wußten ja nicht, daß ich nur genervt was von “Rondra! Is gudd jetz!” gebrummelt und mich umgedreht hab…).

Vielleicht hatten die nur auf gut Glück geguckt, wo was offen steht und man auf die Schnelle was mitnehmen kann. Vielleicht hat Rondra sie aber auch verjagt, bevor Schlimmeres als ein durchwühltes Handschuhfach passieren konnte.

Doch egal, wie diese Leute tickten: Ich war (und bin noch) ziemlich verunsichert, weil ich mir über so etwas bisher keine Gedanken gemacht habe.

Insgeheim mußte ich aber auch grinsen, weil wir ja direkt nach diesem Vorfall zum Wesenstest aufgebrochen sind, wo die unter anderem auch die Freundlichkeit des Labradors gegenüber Menschen unter Beweis gestellt werden sollte.

“Mööönsch”, dachte ich mir, “Spielfreude, Freundlichkeit… Drauf geschissen! Wir melden uns im nächsten Schutzhundeverein an: Wachsamkeit, Härte, Leute stellen — das ist es, was dem Wesen dieses Hundes entgegenkommt und mit dem wir ihr in unserer gefährlichen Umgebung angemessene Auslastung bieten können!”

Aber im Ernst: Ich war (und bin!) sehr stolz auf meine wachsame Rondra, die die Einbrecher quasi noch mit der Nachtmütze auf dem Kopf von ihrem Schlafplatz aus verscheucht hat! Und ich gelobe, ihr nicht weiter das Körbchen im Schlafzimmer aufzunötigen, sondern sie in ihrem Korb im Wohnzimmer schlafen zu lassen, wo sie Blick auf den Hof hat.

Und während ich bisher versucht habe, ihr Bellen und das Zur-Terassentür-Stürmen im Vorfeld schon zu unterbinden (nämlich sie heranzurufen, bevor sie merkt, daß jemand kommt und sie für ein stilles Sitzenbleiben loben), so bekommt sie nun für das Anzeigen ein kleines Lob und das Signal: “Alles gut — Frauchen hat’s auch mitgekriegt”.

Das große Lob mit Leckerlie und Brimborium gibt es dann aber erst, wenn der gefährliche schwarze Wachhund damit aufhört, die Terrassentür anzusabbern und das Wohnzimmer vollzubellen…

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