Such!
Um meinem Nasenschwein in seiner Veranlagung etwas entgegenzukommen, mache ich mit Rondra gern mal eine Suche. Nicht oft, weil es jedesmal mit der Schlepperei von 3-4 Kilo Dummies verbunden ist (Hey, ich bin Zivilistin und nicht beim Militär!), aber so einmal pro Woche muß das. Denn es macht einfach Spaß, und Rondra ist danach total platt und glücklich.
Eine Suche geht so:
An einem geeigneten Gelände (abwechslungsreich, wenig Fremdwitterung, natürlich begrenzt, etwa 10-30 Meter im Karree) setze ich Rondra am Rand ab. Wenn ich alleine bin und mir nicht sicher sein kann, ob sie auch konzentriert sitzen bleibt, hänge ich sie auch mal mit der Leine am Baum an. Inzwischen aber immer seltener, weil ich weiß, daß sie mit Feuereifer bei der Sache ist und nur Augen für die Fallstellen hat.
Dann gehe ich mit meinen Dummies (4-6 Stück) ins Gelände und lege sie aus. Bei jeder Fallstelle gebe ich noch ein akustisches Signal (”brrrrt!” oder so reicht, Pfiff animiert Rondra nur zum Kommen).
Schließlich gehe ich zu Rondra zurück und schicke sie mit dem Befehl “Such!” ins Gelände. Mit jedem einzelnen Dummy, den sie gefunden hat, kehrt sie zu mir zurück und gibt ihn ab (nicht immer in die Hand — aber immer öfter!). Dann schicke ich sie wieder, bis alle Dummies gefunden sind.
Gestern hatten wir ihr eine extrem schwere Suche: Das Gelände war recht groß und wenig abwechslungsreich, und zusätzlich war durch wenig Wind auch kaum Witterung von den Dummies zu bekommen. Dennoch hatte Rondra nicht nachgegeben und fünf von den sechs Dummies gefunden.
Beim sechsten suchte sie allerdings schon eine ganze Weile wie verrückt. Wir beschlossen, daß wir Gelände und Witterung wohl doch unterschätzt hatten und machten uns mit einem schon gefundenen Dummy auf ins Suchgebiet.
Das ist etwas, was man sonst nicht tut: Das Suchgebiet gehört (außer zum Auslegen der Dummies) dem Hund, damit man die Fährten nicht wieder vertrampelt. Daher wird der Hund auch außerhalb vom Suchgebiet angesetzt und soll auch dort die Dummies an den Führer geben.
Aber man soll auch eine Suche (wie generell jede Übung) auch mit einem Erfolgserlebnis für den Hund abschließen. Daher gingen wir ins Feld, hielten Ausschau nach Dummy Nummer sechs, auf das wir sie dann innerhalb des Feldes angesetzt hätten, wenn wir es entdeckt hätten.
Zur Not hätten wir Rondra eben eine neue Nummer sechs geworfen, mit der sie die Übung erfolgreich hätte abschließen können.
Doch bevor wir unseren Ersatzdummy legen konnten, drehte sich die vor uns laufende Rondra um. Sie hatte die alte Nummer sechs im Fang!
Mit dieser kam sie erst auf mich zu. Ich lobte wie verrückt, doch sie lief — das Dummy noch immer im Fang — direkt an mir vorbei. Gut, dachte ich mir, dann gibt sie es eben an Herrchen ab. Ist ja auch nicht einfach mit zwei Hundeführern gleichzeitig.
Doch auch an Herrchen lief sie vorbei, aus dem Suchfeld heraus.
Ich wollte schon zu einem Vortrag ansetzen wie das so ist, wenn Hunde Beutespielchen machen und ihre Beute stolz präsentieren wollen — doch dann sah ich, daß Rondra nicht nur einfach so herum lief: Sie legte das Dummy genau an der Stelle ab, an der sie vorher die Dummies aus dem Feld heraus an uns abgegeben hatte!
Sie schien genau zu wissen: Ob ich es Herrchen gebe oder Frauchen — ganz egal! Hauptsache, die Beute kommt aus dem Wald heraus auf den Weg.
Ich hab wirklich nen klugen Hund!
Nur manchmal brauche ich eben etwas länger, um das zu begreifen.
Schön, endlich mal wieder was von Deinem klugen Hund zu lesen und zu sehen