Unser Untergang
Ich schrub ja schon, daß wir am Sonntag bei der Begleithundeprüfung zwar an der gleichen Stelle wie immer gescheitert waren, nämlich bei der Ablage, aber daß doch irgendwie alles ganz anders war.
Und zwar so:
Wir waren als vorletzter Hund am Start. Eigentlich ja als vor-vor-letzter, doch nach Durchsicht der Ahnentafeln stellte sich eine vermeintliche Hündin doch noch als Rüde heraus und wurde vorgezogen. Die Rüden starten nämlich immer zuerst, weil die Rüden sonst den Hündinnen hinterherschnuffeln würden. Umgekehrt ist das nicht ganz so heftig.
Der große Conrad hatte bereits bestanden, und auch unsere Trainingspartnerin Una hatte es geschafft. Wir liefen uns bei Cleas Prüfung (die ebenso bestanden hat) außerhalb des Feldes warm und machten nach der Begrüßung durch den Richter auch auf dem Feld noch ein paar Schritte.
Meine Trainerin meinte anschließend, das wäre zu wenig gewesen, ich hatte aber eher Sorge, daß Rondra die Unterordnung allmählich Oberkante Unterlippe stehen müßte. Dann fängt sie nämlich an, zu überschießen und auszuweichen.
Also antwortete ich auf die Frage des Richters, ob wir startklar seien mit: “Man kann einen Hund auch totlaufen — wir legen jetzt los!”
Die Leinenführigkeit lief furchtbar, und die Vorgehensweise des Richters, der uns erst 20 Meter geradeaus laufen ließ, machte es nicht besser: Wenn ich drehen und wenden kann wie ich möchte, hole ich mir sonst immer nochmal Rondras Aufmerksamkeit. Damit war es natürlich Essig…
Auch die Menschenmenge war an der Leine eher grausam, aber noch nichts zum Durchfallen.
Bei der Freifolge lief mir Rondra sogar einmal komplett von der Fahne. Aber richtig eklig wurde es erst, als es zu regnen begann.
So hatte ich Rondra noch nie erlebt! Wir sind ja beileibe keine Schönwetterläufer, was schon an meinem Vollzeitjob liegt: Zeit ist knapp, und wenn Zeit ist, dann geht es eben raus — da wird nicht aufs Wetter geachtet.
Am Prüfungstag zeigte sich Rondra dennoch vom Regen total irritiert und wischte sich immerzu mit der Pfote über die Nase, als wolle sie die Regentropfen loswerden. Wir haben die Übung dann sogar unterbrochen, um den stärksten Regen abzuwarten. Doch viel schöner wurde dann weder das Wetter noch die Freifolge. Wenn ich mich recht erinnere, hätten wir für Leinenführigkeit und Freifolge immerhin noch knapp halbe Punktzahl bekommen.
Unser anschließendes Sitz und Platz aus der Bewegung klappte tadellos: Zweimal volle Punktzahl!
Derart gestärkt glaubte ich, meine Sicherheit wieder gefunden zu haben und davon genug auf Rondra übertragen zu können, um den Rest der Prüfung meistern zu können. Also suchte ich mir eine Stelle aus, an der ich Rondra ins Platz legte und entfernte mich dreißig Meter, um von der Personengruppe mit dem Verleithund abgeholt zu werden.
Ganz knapp, bevor ich der Hundeführerin die Hand schütteln konnte, passierte es dann:
Ein schwarzer Blitz raste von hinten in mein Blickfeld und begrüßte stürmisch den Verleithund.
Tja, klassisches “Game over”…
Frank meinte im Nachhinein, Rondra habe schon so eine Erwartungshaltung gehabt, als ich von ihr wegging. Ganz nach dem Motto: “Ich war jetzt so lange so schön brav, hoffentlich gibt es bald eine schöne Belohnung! Oh… Oooohhhh! Ein schwarzer Labbi, ganz allein für mich! Frauchen, das ist aber wirklich nett!!!”
Wir wurden umgehend auf die nächsten Prüfungstermine hingewiesen, wo wir es nochmal versuchen sollten. Gerade die Leute, mit denen wir trainiert hatten, wußten ja, daß wir es eigentlich konnten.
Doch ich werde nicht noch einmal starten. Darüber schreibe ich aber mehr im nächsten Eintrag.