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Rondra

Ein Labradorblog

27. Oktober 2007

Wesenstest

Hatte ich eigentlich erzählt, daß Rondra und einige ihrer Trainingkollegen morgen zum Wesenstest gehen?
Nein?
Schlimm, schlimm… Ihr erfahrt hier ja gar nix!

Das Wesen des Hundes wird dort in verschiedenen Situationen beurteilt: Kontakt mit dem Führer, Verhalten mit anderen Personen und in Menschenmengen, im Spiel (auch mit fremden Personen) und bei optischen und akustischen Reizen.

Wer mehr dazu wissen will, darf beim Deutschen Retriever Club (DRC) gucken gehen: Seite zum Wesenstest

Wenn ich Leuten ohne besondere Hundeerfahrung davon erzähle, daß ich mit Rondra zum Wesenstest gehe, schrecken die erst mal auf: “Aber die ist doch kein Kampfhund, oder?”

Stimmt, der Wesenstest ist vor allem zur Einschätzung von Hunden sogenannter gefährlicher Rassen in der Presse, und jeder wundert sich, warum das der angeblich immer freundliche Labrador auch machen “muß”.

Muß er gar nicht.

Zwar ungleich interessanter für jemanden, der mit seinem Hund auch züchten will, so ist für mich der Wesenstest eine Gelegenheit, andere — retrievererfahrene — Leute einen Blick auf meinen Hund werfen zu lassen und eine Einschätzung aus einem anderen Blickwinkel zu bekommen.

Auch für den Züchter ist der Wesenstest eine gute Möglichkeit, die Anlagen seiner Anpaarung zu überprüfen. Und letztenendes geht es auch darum, den sogenannten Rassestandard zu wahren, damit überall da, wo “Retriever” draufsteht, auch “Retriever” drin ist.

Der DRC schreibt dazu:

Der Retriever soll ein idealer Jagd- und Familienhund sein, der allen erdenklichen Alltagssituationen sicher gewachsen ist. Seine Freundlichkeit und Sicherheit im Umgang mit Menschen sind unverzichtbare Rassemerkmale. Da es als erwiesen gilt, dass sich psychische Anlagen ebenso vererben wie physische, kommt der wesensmäßigen Selektion des Zuchthundes eine besondere Bedeutung zu.
Um den Wesensstandard des Retrievers zu gewährleisten, ist eine dementsprechende Überprüfung des Junghundes erforderlich. Dies geschieht im DRC seit vielen Jahren durch den Wesenstest.
DRC: Prüfungsordnung Wesenstest [pdf]

Der Wesenstest ist nichts, worauf man sich so vorbereiten könnte, wie bei einer Begleithundeprüfung. Denn während diese den Trainingsstand abprüft, bringt der Hund sein Wesen ja bereits mit.

Klar kann man darauf hinarbeiten, den Hund souveräner zu machen und damit auch die Einschätzung beim Wesenstest zu verändern. Rondra war im letzten Herbst zum Beispiel noch sehr unsicher, so daß mir meine Trainerin (die auch Wesensrichterin ist) sagte, sie würde meinen Hund nicht bestehen lassen, so wie sie sich zu dem Zeitpunkt zeigte.

Doch inzwischen ist Rondra sehr selbstbewußt, und auch ich weiß, wie ich meinen Hund wieder aufbauen kann, wenn sie solche unsicheren Phasen hat.

Zudem ist ein Wesenstest nur eine Momentaufnahme — sollte Rondra an diesem Tag gerade einen besonders unsicheren Tag erwischt haben oder einen besonders aufgekratzten (Noch mehr als sonst? Naja, wer weiß, was alles möglich ist…), so weiß ich trotzdem, wie mein Hund tickt und lasse mich von etwas Papier nicht irritieren.

Ich habe auch nicht viel Sorge, daß wir aufgrund von Rondras Wesensmerkmalen nicht bestehen könnten:

Der Hund besteht den Test nicht, wenn eine der folgenden Eigenschaften in ausgeprägtem Maße (+) oder drei dieser Eigenschaften mehr oder weniger (+/-) vorhanden sind: Unsicherheit, Ängstlichkeit, Scheue, Schreckhaftigkeit, Nervosität, angstbedingte Schärfe, sicherheitsbedingte Schärfe, Schussscheue.

Das alles ist nicht (mehr) Rondras Problem — sie wird da locker durchmarschieren und allen zeigen, was ein freundlicher und souveräner Labrador ist. Vermutlich beginnt die Beurteilung mit den Worten: “Die sehr temperamentvolle und nasenveranlagte Hündin…”.

Ihr seht, ich nehme das ganz locker.
Dennoch gibt es da etwas, das mir leichtes Magengrummeln verursacht:

Rückenlage: Der Führer legt den Hund möglichst sanft auf den Rücken, notfalls der Wesensrichter.
[…]
Ein Hund ist [vom Wesenstest] zurückzustellen:
1. wenn sich ein bis dahin als sicher gezeigter Hund nicht auf den Rücken legen lässt.

Kurz gesagt: Rondra läßt sich nicht so einfach auf den Rücken legen.
Zumindest draußen nicht.

Es ist nicht so, daß sie die damit verbundene Unterwerfung nicht abkönnen würde. Denn im Haus, in ruhiger Atmosphäre, geht das tadellos. Aber draußen ist sie zu aufgeregt, um sich auf den Rücken zu legen. Es ist für sie einfach verschwendete Zeit, auf dem Rücken herumzuliegen, wenn es so viel zu schnuffeln und zu rennen gibt.

Dieser Bestandteil des Wesenstest ist mir erst aufgefallen, als er letzten Sonntag im Training angesprochen wurde. Zu wenig Zeit, um so etwas noch als sicheres Kommando zu clickern.

Zumindest habe ich die Übung “Ich mach ‘Platz!’, Frauchen dreht mich auf den Rücken, hält mich fest, und danach gibt es ganz tolles Spielen und Toben” täglich auf den Spaziergängen eingebaut. Und mich nur mit Mühe davon abgehalten, meinen Hund alle zehn Meter auf den Rücken zu werfen…

Eine Verbesserung war dabei aber nicht wirklich zu sehen, so daß ich immer noch recht nervös bin.

Ich habe allerdings noch eine Geheimwaffe, die im Haus sicher klappt und mit möglichst wenig Stress für Rondra verbunden ist: Ich sitze mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden, locke Rondra an, umarme sie — und hebe sie dabei in die Rückenlage. Da hält sie dann auch recht gut still.

Ob man solche Wrestlingeinlagen beim Wesenstest machen kann? Und wie reagieren Prüfer und Umstehende darauf? Wird das Gelände trocken sein, so daß ich den Test wenigstens halbwegs würdevoll mit trockenem Hosenboden beenden kann?

Ich werde berichten…

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