Zwei Wochen vor der Begleithundeprüfung
Auch, auf die Gefahr hin, daß ich mit dem Thema nerve — die BHP ist im Moment einfach das zentrale Thema bei uns, und ich will den geneigten genervten Leser gern an unseren Fortschritten unserem Martyrium teilhaben lassen.
Die Prüfungsordnung unter dem Kopfkissen…
In den letzten beiden Wochen bestimmte die Begleithundeprüfung unsere Spaziergänge: Leinenführigkeit ist ja sowieso immer Thema, weil ich mir ungern von meiner schwarzen Begleiterin den linken Arm auskugeln lasse, nur, weil es irgendwo interessant riecht.
Doch inzwischen gehören kurze, aber knackige Bei-Fuß-Einheiten zu jedem Spaziergang. Und wenn ich “Fuß!” sage, dann meine ich das so. (Nein, liebe Rondra: “Die Leine würgt mich nicht ab, also ist doch alles gut, oder?” — DAS ist kein Fuß-Gehen!)
Jeden zweiten Tag habe ich meine Touren mit Rondra so gewählt, daß ich auf einer möglichst unbekannten Wiese Leinenführigkeit und Freifolge sowie Sitz und Platz aus der Bewegung üben konnte, nach Möglichkeit noch Ablage mit aus der Sicht gehen.
Letzteres ist gar nicht so einfach nach dem Winter, wenn das Grün erst zaghaft zu sprießen beginnt: Zwar kann ich zu meiner Beruhigung Rondra noch immer durch das kahle Geäst sehen. Aber sie auch mich, und somit ist das “Außer-Sicht-Gehen” nicht wirklich gegeben.
Sei es drum — die anderen Teile der Begleithundeprüfung wie Fußgängerzone und Außer Sicht gehen mit Verleithund kann ich auf diesen Spaziergängen ja mangels Personal auch nicht prüfungsgerecht üben, und irgendwo muß man ja anfangen.
Daher besser so als gar nicht.
Interessant ist, wie sich die eigene Wahrnehmung verändert: Was vorher nur eine olle Hecke war, entwickelt sich unter kundigen Augen zu einem perfekten Versteck für die Ablage außer Sicht. Jede Böschung wird danach beurteilt, ob man den Abhang unfallfrei und sicheren Schrittes bewältigen kann (man will beim Weggehen den Hund ja nicht verunsichern) und ob aus Hundeperspektive der eigene Standort noch eingesehen werden kann…
Ihr merkt schon: Hier wird nicht einfach nur blöde mit dem Hund durch die Gegend gelatscht — Jeder Spaziergang ist harte Arbeit!
Don’t try so hard…?
Das intensive Training zahlte sich auch glatt aus: Das letzte Training und die erste Generalprobe für die BHP floppten gnadenlos.
Je zweimal bei der Ablage aufgestanden, und zuletzt hatte Rondra sogar vergessen, wie das Sitz aus der Bewegung funktioniert.
Letzteres ist für den unbeteiligten Betrachter besonders komisch: Mit dem frei bei Fuß laufenden Hund erteile ich das Sitz-Kommando und gehe ohne Anhalten weiter.
Natürlich drehe ich mich nicht beim Weglaufen um. Denn ich bin ein souveräner Führer und vertraue meinem Hund. Nach 20 Metern ist die Position zum Abrufen erreicht.
Ich drehe mich um — und sehe meinen Hund orientierungslos in der Landschaft stehen!
Das war der Punkt, wo ich Rondra am Freitag entnervt am Erdhaken festgemacht habe und mich für die anderen Hunde als Person für die Verleitgruppe zur Verfügung gestellt habe.
War vielleicht doch etwas viel in den letzten Tagen…
Was wäre wenn…?
Spätestens letzten Freitag machte ich mir Gedanken darüber, was ich tun würde, wenn ich mit Rondra die Prüfung nicht schaffen werde.
Gut, ich gebe zu: Im ersten Affekt (zum Beispiel wenn sie mir bei der Ablage außer Sicher wieder freudig ins Dickicht folgt oder wenn ich mich beim Sitz aus der Bewegung umdrehe und sie wieder dumm in der Landschaft steht) dachte ich schon daran, Rondra im Wald auszusetzen oder sie zum nächsten Schlachttag unbemerkt bei dem Frauchen von ihrem Bruder Conrad mit in die Wurst zu geben…
Aber mal im Ernst: Einen neuen BHP-Kurs würde ich wohl nicht belegen. Schließlich weiß ich, worauf es ankommt und könnte bis zur nächsten Prüfung im Herbst alleine üben. Denn richtig Spaß hatt Rondra an diesem Training nicht.
Doch ob ich die Prüfung erneut ablegen würde, kann ich nicht sagen. Schließlich weiß ich, was ich für einen Hund habe. Zwar lechze ich momentan nach dem offiziellen Stempel als Lohn für meine Mühen — aber würde ich den ganzen Vorbereitungsstress nochmal in Kauf nehmen, wenn die Prüfung einmal gefloppt ist?
Ich weiß es nicht…
Der Sonntagshund
Nach all den Zweifeln und dem Zaudern vom Freitagstraining war das Training am Sonntag Balsam für meine gemarterte Seele: Zum morgentlichen Sonnenschein (Frauchen legte um 10 Uhr erst mal Lichtschutzfaktor 20 auf) gesellte sich eine perfekte Freifolge, Leinenführigkeit fast ohne Schnuffeln und ein wunderbar führerbezogener Hund, der sogar die Ablage außer Sicht wunderbar meisterte.
Mit einem fetten “JA!”-Grinser auf dem Gesicht kam ich am Sonntag Mittag nach Hause: Mein Hund ist super, mein Hund kann alles!
(Mindestens wie Lassie: Dreimal Bellen und ich weiß: Zwei Verletzte an der alten Eiche am Fluß, einer hat den linken Mittelfuß gebrochen, und der andere mit schweren Kopfverletzungen, die letal wären, wenn ihn nicht binnen 28,3 Minuten jemand notärztlich versorgt…)
Mit so einem Hund ist die Begleithundeprüfung ja wohl ein Klacks!
Vielleicht schaffen wir es ja doch…?
Kein Training?
Von unserer Sonntagstrainerin bekamen wir die Anweisung, ab jetzt (zwei Wochen vor der Prüfung) gar nichts mehr zu machen.
Es gibt in den beiden Kursen eine Generalprobe am Samstag und eine am Sonntag, jeweils eine Woche vor der Prüfung. Und bis dahin solle es nur Sonnenschein und Fröhlichkeit für uns und unsere Hunde geben. Schließlich hätten wir ja am Sonntag gesehen, daß unsere Hunde grundsätzlich alles könnten, was gefragt wrd.
Ein guter Tipp, denn auch vom Clickern weiß ich, daß eine Übung, die noch nicht richtig sitzt, nach 2-3 Wochen Pause oft wie von selbst läuft. Und ganz sicher würde ich jemandem, der zwei Wochen vor der BHP steht und mich um Rat fragt, genau das gleiche sagen.
Aber verdammte Axt — es geht hier um eine offizielle Prüfung, die eingetragen wird und für die ich Geld bezahle. Und nicht um so einen Blödsinn, den kein Mensch braucht, wie etwa Kauseil und Tennisball per Verbalkommando zu unterscheiden.
Halte ich das durch?
Ich habe keine Ahnung, ob ich die Trainingspause durchhalte. Eine Woche vorher… okay. Aber es sind noch zwei Wochen, und mein Hund hat gerade erst das Sitz aus der Bewegung vergessen.
Heute fiel es mir noch leicht, mich zurückzuhalten, weil sowieso Agility-Training war (bei dem Rondra in der letzten Übung schwächelte, weil sie statt dem üblichen Vormittagsschlaf den ganzen Tag ihr Heim gegen die Handwerker verteidigen mußte, die unsere neuen Fenster einsetzten… aber das ist eine andere Geschichte).
Morgen ist für große Übungseinheiten wenig Zeit wegen der allabendlichen Rollenspielerrunde.
Aber spätestens Mittwoch wird es mich übelst kitzeln, befürchte ich…